Nachgefragt

«Erste Adresse für spannende Ideen»

Die Schweizer Crowdfunding-Plattform Wemakeit expandiert nach Österreich. Das Ziel sei, die Nummer eins zu werden, sagt Gründer Johannes Gees.

Die Leute hinter Wemakeit: Rea Eggli, Johannes Gees, Hannes Gassert.

Die Leute hinter Wemakeit: Rea Eggli, Johannes Gees, Hannes Gassert. Bild: Katharina Lütscher

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Warum expandiert Wemakeit nach Österreich? Ein Zeichen, dass die Crowdfunding-Ideen im Heimmarkt ausgeschöpft sind?
Auch drei Jahre nach der Gründung von Wemakeit.com ist das Potenzial für Crowdfunding in der Schweiz noch riesig. Ausserhalb der Kulturszene wird diese Form der Vorfinanzierung erst jetzt richtig zur Kenntnis genommen. Österreich ist für uns ein interessanter Markt, weil es noch keine etablierte Crowdfunding-Plattform gibt und ausserdem die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern sehr eng sind. Nachdem wir bereits 2013 ein Office in Berlin eröffnet haben, sind wir nun in allen deutschsprachigen Ländern vertreten.

Was sind die Vorzeigeprojekte, mit denen Sie in Österreich an den Start gehen?
«Lieblingsbrand» möchte ein Onlinestore für alle österreichischen Designer werden und sammelt dafür 11’111 Euro. N.I.K.O. ist ein Musikprojekt mit St. Galler Beteiligung, das Soul mit Hip-Hop verbindet und in Österreich und in der Schweiz auf Tour gehen möchte. Zu den Startkampagnen gehören auch ein Jungväterkochbuch mit Bastelfaktor, mit dem sich persönliche Kochgeschichten gestalten lassen, ein Dokumentarfilm über eine Schatzsuche in den Rocky Mountains und vegane Marmeladen.

Sie haben ein Büro in Wien. Was für Dienstleistungen bietet dieses an?
Wir legen grossen Wert auf persönliche Beratung. Simone Mathys-Parnreiter, unsere Officemanagerin in Wien, berät Projekte, macht Workshops und Präsentationen, betreut die Medien und koordiniert unsere Projekt-Scouts, die in ganz Österreich nach spannenden Projekten Ausschau halten.

Wie arbeiten die Scouts?
Das sind in ihrer Szene gut vernetzte Leute, die Künstler auf die Möglichkeit des Crowdfunding aufmerksam machen. Sie bekommen für die Vermittlung eine Kommission. Auch in der Schweiz werden wir mit Scouts arbeiten. Hier sind sie aber weniger wichtig, da unser Bekanntheitsgrad hierzulande höher ist.

Wie sehen Ihre Ambitionen für Österreich aus?
Wir möchten zusammen mit unseren österreichischen Partnern Wemakeit.at als erste Adresse für die Lancierung von spannenden Ideen und Projekten etablieren und innert ein bis zwei Jahren eine mit der Schweiz vergleichbare Marktposition erreichen.

Wie viel investieren Sie? Wie gross ist das Risiko?
Wir haben ein fantastisches Team in der Schweiz, hervorragende Leute in Österreich und haben in der Vorphase der Lancierung sehr viel Goodwill und Sympathie erfahren. Es ist immer ein Risiko, etwas Neues zu machen, aber das gehört beim Crowdfunding dazu und macht uns ausserdem sehr viel Spass.

Wie entwickelt sich die Plattform hierzulande und in Deutschland?
In der Schweiz wachsen wir seit 2012 jährlich um 50 bis 100 Prozent. Für dieses Jahr rechnen wir allein in der Schweiz mit einem Wachstum von 50 bis 70 Prozent. In Deutschland sind wir eine unter mehreren Plattformen. Wir sehen insbesondere in Süddeutschland grosses Potenzial.

Warum sollen die Österreicher, die Schweizer und die Deutschen auf Wemakeit und nicht auf eine Plattform mit internationaler Ausstrahlung wie Indiegogo oder Kickstarter setzen?
90 Prozent aller Crowdfunding-Projekte weltweit haben einen lokalen oder regionalen Charakter und sind darum bei uns wesentlich besser aufgehoben als auf einer amerikanischen Plattform. Hinzu kommt die persönliche Gratisberatung, unsere Community von mittlerweile über 50'000 Personen, die Projekte in ihrem Umfeld unterstützt, eine wesentlich höhere Sichtbarkeit auf der Plattform, ein mehrsprachiges Interface und den Schweizer und europäischen Gewohnheiten angepasste Zahlungsmittel: Dies alles gibt es nicht auf amerikanischen Plattformen.

Ich höre oft die Klage, hierzulande sei noch keine Crowdfunding-Mentalität verankert. Sehen Sie das auch so?
Wemakeit ist in der Schweiz – gemessen an der Marktgrösse – genauso schnell gewachsen wie Kickstarter in den USA. Crowdfunding funktioniert in der Schweiz hervorragend. Nach der Kultur erobern wir neue Sparten wie die Gastronomie, Tourismus, Forschung und Landwirtschaft. Crowdfunding wird die Wirtschaft genauso verändern, wie Social Media die Medienbranche umgepflügt hat; was wir sehen, ist der Anfang einer sehr grossen Umwälzung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.03.2015, 17:10 Uhr

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