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Facebook, ade! Zwei von drei Nutzern denken über Ausstieg nach

Die Datenfreizügigkeit auf dem weltgrössten sozialen Netzwerk geht vielen Mitgliedern zu weit. Fast 60 Prozent der Nutzer erwägen, ihr Konto zu löschen.

Wie war das schon wieder mit den Sicherheitseinstellungen? Ein Facebook-Benutzer bei der Arbeit.

Wie war das schon wieder mit den Sicherheitseinstellungen? Ein Facebook-Benutzer bei der Arbeit.
Bild: Keystone

31. Mai 2010: An diesem Tag wollen Facebook-Nutzer Marc Zuckerberg und Co. einen Denkzettel verpassen. Das Profil Quitfacebooktoday der Kanadier Matthew Milan und Joseph Dee ruft dazu auf, Ende Mai den Account zu löschen. Was nach einer harmlosen Protestaktion aussieht, widerspiegelt in Wirklichkeit die Unzufriedenheit vieler Facebook-Mitglieder.

Der Einstellungsdschungel

Während das soziale Netzwerk auf die magische Grenze von 500 Millionen Mitgliedern zusteuert, scheint Unmut auf den Facebook-Profilen aufzukommen. Das populäre Online-Netzwerk hat in letzter Zeit vor allem mit ungenügenden und undurchsichtigen Sicherheitseinstellungen Schlagzeilen gemacht.

Eine Umfrage des IT-Sicherheitsanbieters Sophos hat ergeben, dass 60 Prozent der Facebook-Nutzer eine Löschung ihres Kontos in Erwägung ziehen. Jeweils 30 Prozent wollen dies «möglicherweise» oder «wahrscheinlich» tun. Nur jeder Vierte sieht keine oder kaum Veranlassung, sein Profil zu löschen. Die Teilnehmer waren gefragt worden, ob sie dem sozialen Netzwerk aufgrund der bedenklichen Privatsphäre den Rücken kehren wollen.

Unklare Verhältnisse

Privacy wird bei Facebook klein geschrieben. Anstatt die Nutzerdaten vor der Öffentlichkeit zu verbergen, werden die Mitglieder dem Einstellungsdschungel überlassen, der natürlich nicht ganz einfach zu durchforsten ist. Ausserdem tragen die regelmässigen Navigations- und Layout-Neuerungen dazu bei, dass der Benutzer den Überblick verliert, wo sich welche Funktion befindet. Und nach Einstellungsmöglichkeiten zu suchen ist besonders lästig und mühsam – wenn man doch eigentlich nur «ganz schnell» auf die Nachricht des Freundes antworten will.

Aus Sicht der Datenschützer sind das grösste Problem die unklaren Verhältnisse, die auf der Plattform herrschen. Die Anwender haben vielfach keine Ahnung mehr, welche Daten nach aussen dringen und welche nicht. Doch neben dem Problem mit der Weitergabe von persönlichen Daten der Facebook-Benutzer an Unternehmen, von denen man sich auf dem Netzwerk als «Fan» deklariert hat, entpuppt sich vor allem die geschaltete Werbung von Produkten als zunehmend nervig.

Aggressive Werbung

Die Datenweitergabe spielt sich Hintergrund ab und ist nicht auf den ersten Blick sichtbar. Nicht so aber die Werbung der Firmen – wo früher die Statusmeldungen der Freunde waren, finden sich nun hauptsächlich PR-Texte der neu lancierten Produkte. Nicht nur entwickelt der Nutzer eine Aggression gegenüber den ultralangen und belanglosen Meldungen von Produkten, sondern fängt auch gleich an zu bereuen, dass er sich als «Fan» einer gewissen Marke oder eines Produkts geoutet hat.

Fans zu vergraulen – das kann sich eigentlich heutzutage niemand leisten. Weder Mark Zuckerberg noch die anderen IT-Unternehmer. Ein Mausklick, und das Facebook-Profil ist Geschichte. Wo war noch gleich der «Delete»-Knopf? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.05.2010, 07:27 Uhr

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