Fertig Downloads? Google auf dem Sprung zum Musikkonzern
Bericht zur illegalen Nutzung von Musik
Anders als der Bundesrat betrachtet der Ständerat das Phänomen der massenhaften Gratisnutzung von Musik im Internet als gravierendes Problem.
Beat Högger vom Verband der Schweizer Musikwirtschaft (IFPI)ist erfreut, dass der Bundesrat einen Bericht über das illegale Herunterladen von Musik erstellen und prüfen muss – ein Ergebnis des von SP-Ständerätin Géraldine Savary eingereichten Postulats, mit dem sich der Ständerat an seiner Sitzung vom 10. Juni befasst hat.
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Google-Chef Eric Schmidt: Vorbereiter für ein webbasiertes Musikangebot. (Bild: AFP)
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iTunes ist die grösste Liederverkaufsplattform im Internet. Gemäss Angaben des Webanalyse-Portals Bigchampagne.com wurden weltweit im vergangenen Jahr via Apples Onlinemusikladen eine Milliarde Songs heruntergeladen. Allein im wichtigsten Markt USA erreicht iTunes im Online-Handel derzeit einen Marktanteil von 70 Prozent.
Doch wie lange noch? Cupertinos Konkurrent Google (GOOG 591.53 -2.01%) plant offenbar den Aufbau einer ähnlichen Plattform, wie die gewöhnlich gut informierte Branchensite Cnet.com berichtet. Der Dienst namens Google Music soll im Herbst starten und auf allen Geräten mit Browsern verfügbar sein. Der Clou: Google Music wird direkt im Browser laufen und sowohl direkte Kauf-Links als auch Streaming-Angebote beinhalten.
Vage Ankündigungen
Gerüchte über die Lancierung eines eigenen Musikdiensts des Suchmaschinenunternehmens gibt es seit einer vagen Ankündigung auf der Messe CES in Las Vegas anfang Jahr. Sie wurden zusätzlich genährt durch Vorschauen auf einer Google-Entwicklerkonferenz im Juni (unter anderem Previews zu einem aktualisierten Benutzerinterface für den Android Musik Player und einem Musikdownload des Android Markets). Google selber äussert sich nicht zu den neuen Spekulationen um eine iTunes-Alternative. «Momentan haben wir nichts Neues anzukündigen», so Pressesprecher Matthias Meyer auf eine Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.
Musikkonzerne in Lauerstellung
Die grossen Musikkonzerne gehen offenbar von einem baldigen Marktstart aus. So haben bereits 2009 die weltgrössten Musikkonzerne Warner, EMI, Sony und Vivendi Universal amerikanischen Medienberichten zufolge ihre Kataloge für einen neuen Google-Service lizenziert. Damals meldete das «Wall Street Journal» dass bei diesem Dienst die Einnahmen der Downloads zwischen den Onlinemusikläden und den Musikkonzernen geteilt werde.
Schweizer Musikindustrie begrüsst Neuerung
Auch die Schweizer Musikindustrie setzt grosse Hoffnungen in Google Music. «Ein Modell, das auch das Streamen von Musik erlaubt, finde ich persönlich sehr gut. Ich glaube nicht, dass der Kunde heute alles immer speichern will. Und: Man muss die beiden Geschäftsmodelle Downloads und Streaming nicht gegeneinander ausspielen. Beide haben ihre Berechtigung», sagt Beat Högger vom Verband der Schweizer Musikwirtschaft (IFPI).
Zwar mache das Geschäft mit physischen Datenträger, also CDs, noch immer den Hauptumsatz aus. Aber Musikkäufe übers Internet würden stetig zunehmen. «Wir begrüssen jedes legale Geschäftsmodell. Denn das heisst, dass die Konsumenten mehr Wahlmöglichkeiten haben. Konkurrenz ist nie ungesund.»
(rek)
Erstellt: 16.06.2010, 13:27 Uhr
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