Digital

Reto Knobel
Ressortleiter Digital


Gefangen in der Blase

Aktualisiert am 02.03.2012 76 Kommentare

Die Personalisierung der virtuellen Welt schreitet ungebremst voran, Informationen werden gefiltert. Doch dafür zahlen wir einen hohen Preis. Einen zu hohen, warnt Buchautor Eli Pariser. Und zeigt die Folgen auf.

1/15 Der Autor...
Der US-Amerikaner Eli Pariser, Autor des Buches «Filter Bubble. Wie wir im Internet entmündigt werden», ist führendes Mitglied von Moveon.org, einer Internetplattform mit 5 Millionen Mitgliedern, die durch den Widerstand zur Bush-Regierung bekannt wurde. Der 33-jährige Pariser schreibt für die «Washington Post», die «Los Angeles Times» und das «Wall Street Journal».
Bild: Jenny Gillette

   

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Buchautor Eli Pariser sagt, dass die Personalisierung des Internets die Menschen entmündigt. Sehen Sie das auch so?

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Kein Internet-Sachbuch hat in Übersee 2011 so hohe Wellen geworfen wie «Filter Bubble» von Eli Pariser. Der 32-jährige studierte Politologe und Jurist warnt darin vor der Personalisierung des Internets. Das Buch ist seit kurzem in der deutschen Übersetzung erhältlich («Filter Bubble. Wie wir im Internet entmündigt werden»).

Darin zeigt der Politaktivist minutiös auf, wie sich das Internet seit 2009 fundamental verändert hat (und dies weiter tut) – ohne dass der Normalnutzer dies bemerkt. Die Personalisierung sei die Kernstrategie der grossen Internetkonzerne. Diese Bestrebungen schaffen eine Filter Bubble, eine Filter-Blase also, welche uns daran hindert, Dinge zu sehen, welche uns nicht interessieren.

Konkret heisst das zum Beispiel:

  • Sind Sie links orientiert, sind Ihre konservativen Freunde wahrscheinlich von Ihrer Facebook-Seite verschwunden (was ganz nebenbei Eli Pariser passiert ist).
  • Oder: Suchen Sie in der Google-Suche nach dem Begriff «Turnschuhe», bekommen Sie wahrscheinlich andere Resultate geliefert als Ihr Mann oder Ihre Frau.
  • Ein anderes Beispiel: Sind Sie während des Googelns bei Gmail eingeloggt, bekommen Sie andere Suchresultate geliefert.

Weshalb ist dies so? Die Inhalte, die Sie geliefert bekommen, hängen unter anderem davon ab, was Sie zuvor angeklickt haben, mit wem Sie befreundet sind (und wie eng!) und welche Dienste Sie sonst noch nutzen.

Der Konzern weiss, was Sie mögen

Der Nutzer sei sich nicht bewusst, dass er dadurch wichtige Ereignisse oder entscheidende Ideen verpasse. Parisers Recherchen zufolge arbeiten Google, (GOOG 699.97 -0.09%) Facebook (FB 26.25 0.46%) und Co. schon an einer neuen Generation Internetfilter. Diese schaue sich an, «was Sie zu mögen scheinen – wie Sie im Netz aktiv waren oder welche Dinge oder Menschen Ihnen gefallen» – und ziehe entsprechende Rückschlüsse.

Die Technik produziere und verfeinere ohne Unterbruch eine «Theorie zur Persönlichkeit des Nutzers» und sage voraus, was dieser als Nächstes tun wolle. «Zusammen erschaffen diese Maschinen ein ganz eigenes Informationsuniversum für jeden von uns (...) – und verändern so auf fundamentale Weise, wie wir an Ideen und Informationen gelangen», schreibt Pariser.

Über das Eigeninteresse hinausdenken

Dies könnte im Endeffekt eine Gefahr für die Demokratie darstellen. Es werde zunehmend unwahrscheinlicher, online und offline Menschen kennenzulernen, welche sich von uns unterscheiden.

Dies führe dazu, dass wir gar nicht mehr mit unterschiedlichen Meinungen konfrontiert würden. Demokratien könnten indes nur funktionieren, wenn ihre Bürger in der Lage seien, über ihr Eigeninteresse hinauszudenken. Die während der Anfangsphase des Internets von vielen Denkern erhoffte «Kultur durch den Diskurs» hat für Pariser derzeit keine Chance, denn: «Die Personalisierung gibt uns etwas ganz anderes: einen durch Algorithmen sortierten und manipulierten öffentlichen Raum, der absichtlich fragmentiert wird und dem Dialog entgegensteht.»

Immerhin: Es ist für Pariser nicht so, dass diese Entwicklung unausweichlich sei. Der Nutzer könne sich sehr wohl wehren: Die Menschen, welche das Internet nutzen, seien den Lobbyisten zahlenmässig weit überlegen. Es gebe zudem viele kleinere IT-Firmen, welche jedes Interesse daran hätten, ein «demokratisches, sozial gesinntes Internet zu gewährleisten». Wenn viele Nutzer und Unternehmen sich für eine solche Entwicklung entscheiden und die Stimme erheben, bei Politikern intervenieren, Initiativen lancieren und die richtigen Volksvertreter wählen – «dann haben die Lobbyisten keine Chance».

Wir haben die wichtigsten Thesen von Eli Pariser in einer Bildstrecke zusammengefasst.

Eli Pariser: «Filter Bubble. Wie wir im Internet entmündigt werden» (Hanser Verlag, 22.30 Franken, zum Beispiel bei Exlibris.ch). (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.03.2012, 11:37 Uhr

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76 Kommentare

Stefan Erb

02.03.2012, 13:06 Uhr
Melden 31 Empfehlung 0

Und Ghostery liefert mir 7 Follow-Tracker auf dieser Seite (cXense, Facebook Connect, Facebook Social Plugins, Google +1, Google Adsense, Google Analytics, Twitter Butten). Einige davon sind nette Sachen die der Tagi da eingebaut hat um Google, Facebook + Co dabei zu helfen ihre Ziele zu erreichen Antworten


Ulrich Conradi

02.03.2012, 12:55 Uhr
Melden 27 Empfehlung 0

Da scheinen einige noch nicht so ganz zu kapieren, worum es geht. Wir könnten in einigen Jahre nur noch Wissen bekommen, Menschen kennernlern und Meinungen bilden mit dem uns unbekannten manipulativen Ziel einiger weniger, möglichst viel zu konsumieren und unsere intimsten Daten an die Werbung zu verfüttern. Eine Kommerz-Diktatur mit US-Vorherrschaft könnte uns virtuell versklaven und entmündigen. Antworten



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