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Google Earth dreidimensional entdecken

Die 3D-Welt ist keine Scheibe mehr: Drei Zürcher Tüftler haben eine Kugel entwickelt, mit der sich Google Earth neu entdecken lässt und Computerspiele zu einem neuen Erlebnis werden.

Erfinder der Kugel für die virtuelle Welt: Nicolas Baumgartner, Fabian Fürst und David Stalder (von links).

Nicola Brusa

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Das Labor der Jungunternehmer Fabian Fürst, Nicolas Baumgartner und David Stalder hat etwas vom Jugendclub von damals, im Keller des Kirchgemeindehauses. Durchgesessene Sofas inklusive. Damals wetzte Super Mario auf der Jagd nach Taler und Leben über einen monströsen Röhrenfernseher, heute wirft bei der Firma Quasmo ein Beamer dreidimensionale Welten an die Wand. Der grösste Unterschied: Statt in einem Gamepad laufen Marios Nervenstränge in einer glänzenden Kugel zusammen, so gross wie ein Salatkopf.

Fürst, Baumgartner und Stalder, alle drei um die 30, haben die Kugel entwickelt und ihm den Namen Qgo verpasst. Nun weibeln sie mit ihrer Idee auf der Suche nach Investoren und Lizenznehmer, erläutern mithilfe von Präsentationen ihre Erfindung und schauen gebannt zu, wie die Krawattenträger ihre Kugel etwas unsicher in den Händen halten. Im Stillen hoffen Fürst, Baumgartner und Stalder, dass diese den Qgo nie mehr hergeben wollen. Dann wäre ein nächster Level im Spiel um die Zukunft Quasmos erreicht.

Die Kugel schwebt

Fabian Fürst, bestimmt seit dem Super Nintendo passionierter Gamer, sah in den Gamepads bemühende kleine Dinger, die der Entwicklung der Spiele immer weiter hinterherhinkten. Ihm schwebte eine Kugel vor, die mit beiden Händen gehalten wird und mit der das Spielen nicht mehr eine reine Daumenangelegenheit ist.

Er brachte die Kugel ins Rollen, begeisterte seinen Schulfreund Nicolas Baumgartner für seine Idee. Dieser kritzelte in der Primarschule in den Freundschaftsbüchern auf die Linie neben «Was ich einmal werden möchte» jeweils «Erfinder».

Baumgartner, inzwischen studierter Mikrotechnikingenieur, holte seinen Studienkollegen David Stalder dazu, dessen Passion zu tüfteln sich im Bau von - daumengesteuerten - Modellfliegern niederschlug.

Zu dritt sponnen sie die Idee weiter und kamen zum Schluss: Um sich in der wachsenden Welt der dreidimensionalen Anwendungen zu bewegen, gibt es kaum geeignete Steuerungsgeräte. Sie beschlossen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, aus der Idee ein Produkt zu machen, das Produkt auf den Markt zu bringen.

Das war vor zwei Jahren. Inzwischen steht der Qgo als Prototyp der x-ten Generation in mehrfacher Ausführung in ihrem kleinen Büro in der Zürcher Binz, über Hallen, in denen einst elektronische Bauteile gefertigt wurden. Der «Ur-Qgo» steht vergilbt in einer Ecke. Aus der einst schlichten Kugel hat Quasmo ein anziehendes Objekt entwickelt. Das Design folgt der Funktion: Die Finger liegen in sanften Mulden, die gleichzeitig programmierbare Tasten sind.

Um ihren optischen Bewegungssensor (siehe rechts) haben Fürst, Stalder und Baumgartner weitere Gehäuse gebaut. Neben der klassischen Kugel (gedacht für Spiele) eine tennisballgrosse Kugel die mit einer Hand bedient wird (für 3-D-Anwendungen beispielsweise in der Architektur oder der Medizin) und eine klassische TV-Fernbedienung (für die Navigation durch Mediacenter). Quasmos «Vorrichtung und Verfahren zur Steuerung eines Spielablaufs» ist bei der World Intellectual Property Organization Wipo der Vereinten Nationen registriert. In den USA ist die Technologie, die im Qgo steckt, ebenfalls zur Patentierung angemeldet. Die Patentschrift umfasst dreissig Seiten; die Erfindung ist sorgfältig dokumentiert, die Patentansprüche mit Skizzen erläutert und in ein Dutzend prägnante Definitionen gefasst. Ein Jahr bleibt Zeit, um die Idee international zu schützen.

Für den Raum entwickelt

Die romantische Vorstellung des Erfinders, der immerzu Ideen entwickelt, wurde irgendwann von der Realität zerstört. Erfinder sein ist Knochenarbeit: Die Suche nach Geld (die Ersparnisse gingen nach einem Jahr zur Neige), die administrativen Aufgaben, die gelegentlichen Zweifel, ob der Durchbruch gelingt. Inzwischen sind Fabian Fürst, Nicolas Baumgartner und David Stalder mehr Unternehmer denn Erfinder.

Seit der Publikation des Patents stecken die drei einen grossen Teil ihrer Energie in den Verkauf des Produkts. Sie bemühen sich um Termine und die Möglichkeit, den Qgo zu präsentieren. Sie denken dabei ebenso an den Schweizer Hersteller Logitech und kleine innovative Firmen wie an die internationalen Internet- und Computerriesen. Bei den grossen Firmen besteht die Schwierigkeit darin, die richtigen Ansprechpartner zu finden. Die richtigen Ansprechpartner in der Schweiz: Reisen nach Übersee sind für Quasmo undenkbar.

Was Fabian Fürst, Nicolas Baumgartner und David Stalder geblieben ist, ist der Glaube an ihre Idee, an das Produkt Qgo. Die Reaktionen der Krawattenträger geben ihnen Recht: Die Unsicherheit im Umgang mit der Kugel weicht schnell der Faszination. Noch nie hat es so viel Spass gemacht, endlos durch die Schweizer Alpen in Google Earth zu fliegen. Klar, Qgo ist für den Raum (Google Earth) geschaffen - die Maus für die Fläche (Google Maps).

www.quasmo.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.11.2009, 08:45 Uhr

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