Grossansturm auf die Schweizer Alternative zu Whatsapp

Der Kauf von Whatsapp durch Facebook verunsichert viele Nutzer. Die Downloads beim alternativen Kurznachrichtendienst Threema – einem Schweizer Produkt – schiessen in die Höhe.

Der Nutzer kann den Verschlüsselungsgrad selbst wählen: Screenshot von Threema.

Der Nutzer kann den Verschlüsselungsgrad selbst wählen: Screenshot von Threema. Bild: PD

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«Schade, bye-bye Whatsapp», schrieb ein Leser gestern auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Du wirst morgen von meinem Smartphone gelöscht.» Ähnlich denken seit der Übernahme von Whatsapp durch Facebook viele Nutzer. Wegen Vorbehalten gegen die Datensammelwut von Facebook suchen sie derzeit nach Alternativen. Eine App, die in Zürich entwickelt wird, kristallisiert sich dabei als Favorit heraus.

Die Rede ist von Threema: einem Instant Messenger, der im Gegensatz zu Whatsapp keine Telefonbuchdaten absaugt, sondern auf Privatsphäre setzt. In den letzten 24 Stunden sind die Downloadzahlen von Threema nach oben geschossen, Angaben der Firma zufolge wurde die App nun insgesamt eine halbe Million Mal installiert – Stand heute Mittag. Geschätzte 250 Bewertungen wurden alleine auf dem Google Play Store am heutigen Tag abgegeben.

Zuoberst auf den Charts

Zig mal beim Play Store umblättern muss, wer alle gestern abgegebenen Voten lesen will. Diese fallen überwiegend positiv aus. Gelobt wird der Sicherheitsaspekt: Bei Threema werden Nachrichten verschlüsselt gesendet, nicht einmal die Entwickler selbst können diese entziffern. Ein Problem, das von den Google-Servern ausging und beim Push-Dienst von Nachrichten auf Android-Geräten kurzzeitig zu Verzögerungen führte, ist laut dem Entwickler Martin Blatter inzwischen behoben.

Auf dem App Store von Apple ist Threema inzwischen die meistgekaufte aller kostenpflichtigen Applikationen in der Schweiz. Der Preis für einen Download liegt bei zwei Franken. Die App boomt schon länger in Deutschland, wo Berichte von Regionalfernsehsendern viele Downloads auslösten. Ein Artikel auf Stern.de heizte das Interesse ebenfalls an. In den Schweizer Charts der kostenpflichtigen Apps bei Google Play stieg Threema von Rang 11 am Mittwoch auf Rang 3 am Donnerstag auf, Zahlen zum heutigen Freitag liegen noch nicht vor.

Überrascht vom Hype

Rund eine Million Franken hat Threema bislang brutto eingebracht – den Löwenanteil davon in den letzen Wochen. Ein Drittel bis die Hälfte der Einnahmen geht allerdings an die Downloadplattformen von Google und Apple oder an Onlinebezahlsysteme wie Paypal. Hinter der App steht die Zürcher Firma Kasper Systems, die vom 29-jährigen Informatiker Manuel Kasper geleitet wird. Der aktuelle Hype kommt für Kasper überraschend.

Wobei Threema ohnehin nicht auf maximale Publicity aus ist. «Schnelles Wachstum ist nicht das Ziel», sagt Entwickler Martin Blatter, «die Nachhaltigkeit ist wichtiger.» Aus diesem Grund hält Threema auch an der Installationsgebühr fest, deren Abschaffung manche Nutzer fordern. Wer Threema als gleichartigen Ersatz für Whatsapp betrachte, könne auch eine Enttäuschung erleben: Noch ist das Netzwerk der Nutzer vergleichsweise klein, es gibt keine zentrale Datenbank für Benutzerbilder. «Wer sicher kommunizieren will, muss sich ein bisschen umgewöhnen», so Blatter. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 21.02.2014, 19:35 Uhr)

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Bildstrecke

Alternativen zu WhatsApp

Alternativen zu WhatsApp My Enigma und Threema wollen mit Sicherheits-Messengern die Gunst der Stunde nutzen.

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