Holländer sorgen für ungebremstes Internetvergnügen in der Schweiz

Eine Schwesterfirma der Cablecom wollte Filmdownloads künstlich verlangsamen. Die Konsumenten rebellierten. Die Schweiz profitiert.

Film-Download-Portale wie das von Apple: Verlangsamt in Holland.

Film-Download-Portale wie das von Apple: Verlangsamt in Holland.

Stellen Sie sich vor, die Post würde Ihre Briefe öffnen. Anhand von Inhalt, Absender und Empfänger würde sie entscheiden, wie schnell der Brief befördert wird. Wenn sie montags bis mittwochs etwa viele Rechnungen verschicken müsste, würde alles Private bis Donnerstag liegen bleiben. Ausserdem gäbe es Adressen, an welche die Post gar nicht oder immer nur besonders langsam liefert: etwa an Konkurrenten wie Fedex oder DHL.

Ein potenzieller Skandal

Im Fall der Post wäre das ein Skandal. Sie befördert jeden Brief gleich – sie ist neutral. Bei der Briefpost ist diese Neutralität staatlich verordnet, bei der elektronischen hingegen ist das in der Schweiz und in weiten Teilen Europas nicht der Fall. Theoretisch steht es jedem Internetanbieter frei, bestimmte Datenströme zu verlangsamen oder zeitweise zu unterbrechen. Es gibt keine Vorschriften zur Netzneutralität – also der Pflicht, sämtliche Daten gleichberechtigt zu transportieren.

In Holland hat sich dies UPC, eine Schwesterfirma der Cablecom, zunutze gemacht. Während Monaten verlangsamte sie den Datenverkehr mit Onlinetauschbörsen zwischen zwölf Uhr mittags und Mitternacht für sämtliche Kunden auf ein Drittel der abonnierten Geschwindigkeit. Das bestätigt der niederländische Interessenverein Kabelinternet Coax.nl gegenüber dem TA. «UPC vermarktete ihr teures Fiber Power Internet mit dem Argument, dass man Filme damit schneller runterladen kann. Dabei stimmte das in der Praxis gar nicht», sagt Peter de Jong von Coax.nl.

UPC krebst unter Druck zurück

Kein Wunder, waren die Konsumenten sauer. Nach den ersten Zeitungsartikeln dauerte es einen Monat, bis UPC dem öffentlichen Druck nachgab, sagt de Jong: «Plötzlich erklärte UPC, bei der Tempobremse habe es sich nur um Tests gehandelt – und diese seien jetzt vorbei.» In einer öffentlichen Erklärung sagte UPC: «UPC knijpt niet», was so viel heisst wie: «UPC drosselt die abonnierte Geschwindigkeit nicht.» Das war Anfang September. Seither laufen die Downloads von Tauschbörsen wieder deutlich schneller, sagt de Jong.

Offiziell begründet UPC die Tests damit, dass man versuche, «Überbelastungen des Netzes durch sogenannte Heavy User» zu vermeiden. Es sind aber auch andere Motive denkbar. In den USA wurde bereits vor einigen Jahren ein Fall publik, bei dem die Tempobremsen nichts mit Kapazitätsproblemen zu tun hatten. Der Kabelnetzanbieter Comcast hatte die Datenströme zu Onlinetauschbörsen immer wieder heimlich unterbrochen, um dadurch den eigenen Videodienst vor Konkurrenz zu schützen. Tatsächlich können Internetanbieter, die Filme via Onlinevideothek verkaufen, kein Interesse daran haben, dass ihre Kunden dieselben Filme kostenlos via Onlinetauschbörse herunterladen.

Kehrtwende bei Cablecom

Dass sich UPC Holland verpflichtet hat, künftig auf Tempobremsen zu verzichten, ist auch ein Erfolg für die Schweiz. Noch Ende August tönten Vertreter der Cablecom-Spitze gegenüber dem TA an, dass solche Drosselungen auch hierzulande diskutiert werden müssten. Damals war die Cablecom noch klar der Meinung, es gehe nicht an, dass die neuen Hochgeschwindigkeits-Abos Fiber Power Internet, die bis zu doppelt so viel kosten wie ein Durchschnittsabo, missbraucht würden, um reihenweise Kinofilme von Onlinetauschbörsen herunterzuladen.

Drei Wochen später ist das Thema vom Tisch. Die offizielle, von der Europazentrale der Cablecom-Besitzer abgesegnete Stellungnahme zur Tempobremse lautet: «Drosselungen sind für die Cablecom kein Thema. Solche Massnahmen entsprechen nicht unserer Politik.» Erst die Kunden mit höheren Download-Raten zu teureren Abos überreden und gewisse Datenströme dann künstlich verlangsamen – das hätte die Kunden wohl auch in der Schweiz erbost. Und wäre wohl ein schlechter Start für die neue Cablecom gewesen, die sich bald UPC nennen und den «Kunden in den Mittelpunkt» stellen will, wie Cablecom-Chef Eric Tveter Anfangs September im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» versprach. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.09.2009, 06:49 Uhr

14 KOMMENTARE

peter lutz

02.10.2009, 01:22 Uhr

Es ist doch ganz einfach: Ich brauche nur etwas von Cablecom und zwar Internet.Hat den besten Upstream.Kein Telefon-Abo,kein Digital TV.Telefonieren übers Internet.Und wenn man sich schon beklagt dann kauft doch eine Dreambox,da hat man das volle Programm von Cablecom Digital-TV.Man muss sich halt ein bisschen schlau machen,alle Informationen sind im Netz, Halleluja...


Urs Gygax

30.09.2009, 19:35 Uhr

Die Kunden stehen bei der Cablecom wohl immer noch nicht "im Mittelpunkt"! Die Cablecomkunden mit einer alten Set-Top-Box, die bis zu 700.- gekostet hat, müssen eine andere, energietechnisch schlechtere Box mieten, damit sie das von der Cablecom als "im Kabelanschluss enthaltene" Digital-TV basic Grundangebot sehen können. Ist dies wirklich kundenfreundlich?


Heiner Haag

30.09.2009, 16:15 Uhr

Danke für diese Hinweise im Artikel. UPC hat in der Tat keinen besseren Namen als Cablecom (beide sind schlecht). Ich bin sicher, dass Cablecom/UPCSchweiz auch hier selektiv gewisse Dienste drosselt, man nennt es einfach anders (Traffic shaping). Die Bandbreite von CC reicht niemals für die FiberPower Angebote! Ich habe schon beim normalen CC Angebot nur die Hälfte der versprochenen Bandbreite!


Dan Moser

30.09.2009, 13:11 Uhr

Da ich in Holland wohne und Kunde von UPC war,kann ich nur jedem in der Schweiz raten so schnell als moeglich zu Kuendigen,denn UPC ist hier bekannt fuer den misesten service ueberhaupt.Ich kenne hier absolut niemand,der zufrieden ist,diese Firma spart wo sie koennen,das geht bis zu voellig veralteter technik.Also liebe schweizer: Kuendigen


Eddie Seiler

30.09.2009, 12:16 Uhr

CABLECOM ist UPC - UPC bleibt CABLECOM - Wann merken die Konsumenten endlich, dass es BLUEWIN TV oder gar SATELLIT als die bessere Lösung gibt. Es ist alles so einfach, Cablecom oder eben neu UPC aus dem Weg zu gehen. Cablecom respektive UPC können und dürfen so keine Zukunft haben. Der neue Name UPC macht keinen Unterschied. Leider!


Niek Bergboer

30.09.2009, 12:00 Uhr

Ich weiss dass Cablecom das macht met Usenet/NNTP Verkehr; Usenet downloads (völlig legal in der Schweiz!) werden künstlich auf 50 kbyte/s verlangsamt. Das benutzen von einer Usenet anbieter der Usenet über SSL (NTTP/SSL) anbietet bring da schon die Lösung, aber mies ist es ohnehin.


Thomas Bär

30.09.2009, 11:23 Uhr

Die UPC steht so ziemlich in jedem Land in der Kritik in dem Sie als ISP auftritt. Dass Cablecom den Namen jetzt anpasst passt da gut rein. So wissen nicht nur bisherige Kunden der Cablecom dass sie mittlerweile eine schrottige Firma ist sondern auch jeder der mit UPC schon einmal zu tun hatte.


kuno germann

30.09.2009, 10:41 Uhr

Ja, da lob ich mir den tollen Service und die gute Geschwindigkeit von Quickline/GA-Weissenstein. Bei Tests zu verschiedenen Zeiten habe ich immer wieder festgestellt, dass die versprochene Geschwindigkeit recht gut eingehalten wird. Also hier stimmt für mich Preis und Leistung. Ich hoffe, dass dies auch bei den anderen Usern von Quickline so ist.


Simon Simon Spiegel

30.09.2009, 09:58 Uhr

Die Cablecom hat in der Vergangenheit BitTorrent-Downloads immer wieder gedrosselt – daraus wurde auch kein Geheimnis gemacht. Ein Cablecom-Techniker hat mir am Telefon sogar bereitwillig erklärt, wie ich die Drosselung umgehen kann.


Tom Wider

30.09.2009, 09:46 Uhr

@ D. Caduff: Achtung, in der Schweiz ist nur das Herunterladen legal. In Tauschbörsen gibt es aber meist auch gleichzeitig einen Upload von Daten, womit man sich theoretisch bereits strafbar macht.


Ruedi Bänzinger

30.09.2009, 09:33 Uhr

In Deutschland gibt es X Provider die das genau so handhaben. Da kann man nur den Provider wechseln. Wer braucht denn 20 Mbit wenn er nur ein paar Mails verschickt und ein wenig surft? Keiner. Die 20 Mbits versprechen ja gerade schnelle Downloads, und die soll man erhalten (egal ob das Angebot legal oder illegal ist). Schliesslich ist nicht alles in Tauschbörsen illegal.


Daniel Caduff

30.09.2009, 09:09 Uhr

Auch die Cablecom in der Schweiz garantiert den Nutzern nicht die volle Bandbreite, für die sie bezahlen. Wer viele Filme herunterlädt und damit die Kapazität für andere User einschränkt, kann auch von der Cablecom eine Reduktion seiner tatsächlichen Bandbreite erfahren. Von den niemals erreichten "best efforts" ganz zu schweigen. Allerdings sind Filmdownloads aus Tauschbörsen in der Schweiz legal


Erich Furter

30.09.2009, 09:00 Uhr

Typisch UPC (Cablecom). Was sich diese Firma immer wieder erlaubt ist haarsträubend. Bin leider (noch immer) Kunde dieser Firma. Bei uns in Baden wird das Internet nicht verlangsamt, dafür fällt es dauernd aus. Was schlussendlich noch lausiger ist...


silvio Steiger

30.09.2009, 08:36 Uhr

Die neue Cablecom wird wohl keinen Deut besser als die alte. Genau mit solchen Spielchen werden die Kunden auch in Zukunft verärgert. Ein neuer Name bedeutet nicht, dass die Firma besser wird. Es braucht eine neue Führung. Jeder Cablecom-Manager sollte man dazu verpflichten seine Firma jede Woche einmal per Telefon zu kontaktieren. Die HöLLE!



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