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Idealisten des Internets

Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 18.01.2012 12 Kommentare

Protest gegen Zensur: Wikipedia geht 24 Stunden vom Netz. Die Internetbranche befürwortet den Protest prinzipiell, tut sich aber mit Wikipedias Aktion zum Teil schwer. Facebook und Google halten Distanz.

Schwärmt von der kostenlosen Wissensvermittlung: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales während einer Pressekonferenz am 1. November 2011.

Schwärmt von der kostenlosen Wissensvermittlung: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales während einer Pressekonferenz am 1. November 2011.
Bild: Keystone

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25 Millionen Menschen konsultieren täglich Wikipedia. Doch heute wird ein Grossteil der Besucher abblitzen: Die englische Ausgabe der Online-Enzyklopädie geht 24 Stunden vom Netz. Auch weniger bekannte Sites machen beim «Blackout» mit. Eine freiwillige Selbstabschaltung dieser Grössenordnung im Internet: Das erregt Aufsehen.

Plakativ wird damit protestiert – gegen zwei US-Gesetzesvorlagen, die die Internet-Urheberrechts-Piraterie bekämpfen wollen. Die Vorlagen schössen übers Ziel hinaus, sagen die Kritiker; Wikipedia spricht von einer «verheerenden» Bedrohung fürs offene Netz: Unkontrollierbare Filter wären die Folge, Zensur drohe. Das beginne schon damit, dass keine Suchmaschine in Zukunft Raubkopiensites auch nur auflisten dürfte (Genaueres zu den Vorlagen heute im TA-Wirtschaftsteil).

Kommerzielle und Idealisten

Die Internetbranche befürwortet den Protest prinzipiell, tut sich aber mit Wikipedias Aktion zum Teil schwer. Facebook und Google halten Distanz. Twitter-Chef Dick Costolo findet gar: «Ein globales Business als Reaktion auf ein nationales Politthema lahmzulegen, ist blöd.»

Da zeigt sich die Spaltung des Internetgewerbes in Kommerzielle und Idealisten. Twitter und Facebook gelten als «Social Media». Doch sind die Betreiber gleichzeitig auf Gewinn aus. In Wikipedia hingegen verkörpert sich der nicht kommerzielle Pioniergeist des Internets. Mitgründer Jimmy Wales, der den Widerstand gegen die Gesetzesvorhaben prägt, personifiziert die Aufklärung im Digitalzeitalter. Der Ex-Broker hätte Wikipedia an die Börse führen und Milliardär werden können. Stattdessen baute er die Enzyklopädie zur Dienstleisterin der Menschheit auf und schwärmt von kostenloser Wissensvermittlung. Er findet es das Grösste, wenn ein mausarmer Student in einem indischen Slum dank Wikipedia zu Bildung kommt.

1800 Wikipedianer einigten sich per offene Diskussion auf den «Blackout». Diese ehrenamtlichen Mitarbeiter sehen ihre Gratisarbeit als Service an der Menschheit. Sie wollen ein Internet der Freiheit, das möglichst ohne Zugriff der Politik und der Wirtschaft funktioniert. Durch die umstrittenen Gesetzesvorlagen sehen sie die Essenz des Internets gefährdet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.01.2012, 11:29 Uhr

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12 Kommentare

Remo Röthlin

18.01.2012, 12:28 Uhr
Melden 22 Empfehlung

Was hier leider nicht erwähnt wird, ist, dass der SOPA genannte Gesetzesentwurf nicht national ist, sondern die ganze Welt beträfe. Den amerikanischen Behörden würden so Möglichkeiten gegeben, sogar Einträge aus dem Domain Name System (dem Adressbuch des Internets) zu entfernen. Das hiesse dann, dass tagi.ch plötzlich nicht mehr erreichbar ist, weil ein ungefälliger Artikel erschienen ist. Antworten


Rolf Raess

18.01.2012, 11:40 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Die Freiheit der US-Amerikaner geht Schritt für Schritt in die Binsen… Mit der Cheney/Bush "Homeland Security" hat das amerikanische Volk eine Art "Behörde Stalin'schen Ausmasses" bekommen. Bei der New Orleans-Katastrophe verbot diese Behörde, den Feuerwehren und der Polizei, faktisch etwas zu unternehmen, tat aber dann selbst nichts… Die al-kaïda hatte indirekt mehr Einfluss als wir glauben. Antworten



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