In drei Jahren droht der Kollaps
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 13.10.2009 39 Kommentare
Das Internet wurde im zweiten Quartal dieses Jahres langsamer. Das ergibt der aktuelle Bericht zum Zustand des Internets von Akamai, einem Anbieter von Beschleunigungsdiensten für Onlineanwendungen und -inhalten. Den deutlichsten Rückgang gibt es ausgerechnet in der Schweiz (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). Allerdings: Die Frage, warum das Internet langsamer wird, beantwortet Akamai nicht.
Laut dem Schweizer Internetexperten Guido Rudolphi vermag das Angebot derzeit nicht mit der Nachfrage mithalten. Konkret: Zwar sei in der Schweiz die Breitbandinfrastruktur gut ausgebaut, die Nutzung derselben habe sich aber intensiviert. «Filesharing nimmt zu und die Nutzer laden sich nicht mehr nur Bilder oder einzelne Songs herunter, sondern ganze Filme, zunehmend auch in HD-Qualität.» Wenn das Internet langsamer werde, sei das prinzipiell ein gutes Zeichen. «Das beweist, dass die Leute mit dem Angebot zufrieden sind.»
Bereits 2007 kritisierte der IT-Guru Lawrence G. Roberts, Mitbegründer des Internet-Vorläufers Arpanet, die enorme Beanspruchung des Internets durch Peer-to-Peer-Netze. Diese haben bereits vor zwei Jahren 80 Prozent der Bandbreite beansprucht. Laut einer dieses Jahr publizierten Untersuchung des spanischen Telekommunikationsanbieters Telefónica verursachen fast drei Viertel der Unternehmenskunden nur ein Prozent des Datenverkehrs, dagegen verursachten 2,3 Prozent der Kunden über drei Viertel des gesamten Datenaufkommens. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei dieser kleinen Minderheit um Nutzer von Tauschbörsen handelt.
In drei Jahren der Kollaps?
Doch wann sind die Grenzen der Langsamkeit erreicht? Spätestens in drei Jahren, so das Resultat einer Studie von Nemertes Research. 2012 kann die Bandbreiten-Nachfrage der Internetnutzer nicht mehr gedeckt werden. Online-Dienste, die eine hohe Bandbreite erfordern, beispielsweise das Video-Streaming, würden dann nicht mehr zur Zufriedenheit der Nutzer funktionieren.
Laut Nemertes Research arbeiten immer mehr Unternehmen mit Videokonferenzen, was die Nachfrage nach noch mehr Bandbreite zusätzlich erhöht. Werde nichts gegen die drohenden Engpässe unternommen, so die Forscher, drohe sich das Internet zu einer Mehrklassengesellschaft zu entwickeln. Den besten Internet-Zugang bekäme dann der Meistbietende.
Für Fredy Künzler vom Zürcher Provider Init 7 sind nun die Provider gefragt: «Ein Breitband-Anschluss mit nominal 10 Mbit pro Sekunde ist häufig sehr viel langsamer, speziell in der Rushhour – in Zeiten, wo viele Leute im Internet sind.» Einige Provider würden ihre Kapazitäten aber nicht oder erst dann ausbauen, wenn der Leidensdruck zu gross werde. «Darunter leiden die Nutzer, das kann nicht sein.»
Zunahme des mobilen Internets
Für die in der Studie von Akamai festgestellten sinkenden Verbindungsgeschwindigkeiten könnte auch die zunehmende Nutzung des mobilen Internets mitverantwortlich sein. Schliesslich surfen mittlerweile Millionen Menschen mit ihren Smartphones. Und Datentransfers über mobile Geräte sind in der Regel langsamer.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.10.2009, 08:18 Uhr
WRITE A COMMENT
39 Kommentare
Habe mich wirklich köstlich über das vereinzelt vorhandene Halbwissen bei gewissen Kommentaren amüsiert, herzlichen Dank. Finds toll wie gewisse Leute mit eingeschränkter Sachkenntnis der Inquisition gleich die vermeintlichen Sünder brandmarken, aber das Problem ist halt nicht immer so anschaulich und fassbar wie im Galileo. Antworten
Ohne P2P gäbe es gar keine Dienste wie Youtube, BluewinTV oder Google Maps. Eine neue Technologie wird meistens vom Graubereich zuerst genutzt, bevor es Mainstream wird. Und P2P blocken zu wollen wird das Internet stärker verlangsamen als P2P es je könnte. Es gäbe immer ausgefeiltere Filter und immer ausgefeiltere Methoden die Filter auszuhebeln. Dem Nutzer kann das egal sein, der Provider zahlt. Antworten
Die Medien brauchen Schlagzeilen: Zusammenbruch, Kostenexplosion oder in dem Beispiel Kollaps. Es wird alles übertrieben damit man neugierig dann auf den Link klickt und erfahren möchte was jetzt wieder dramatisches passiert. Der Nachteil an dem "Alarmismus" ist das wenn es wirkliche Probleme gibt die Bevölkerung nicht mehr reagiert den Medien sei dank. Antworten
Also die meisten Kommentare hier sind grunglegend falsch weil deren Verfasser eingeutig Halbwahrheiten verbreiten. Wie soll z.B. Bluewin tv einen Einfluss auf die Geschwindigkeit des Internetverkehrs haben wenn es im geschlossenen Swisscom DSL Vernetz verbreitet wird? Also, zuerst überlegen und dann schreiben oiste! Antworten
Glaube persönlich nicht, dass nur die P2P's verantworlich sind... Allein grosse Suchmaschinen wie Google, müssten doch riesige Traffics verursachen (inkl. Google Earth)... Aber schlussendlich wird ja sowieso wieder beim Kunden angesetzt -> wie lange wird es wohl gehen, bis der erste Anbieter seine Preise erhöht, mit der Begründung der "solidarischen Erneuerung" des Netzes... ? ;) Antworten
Bei 80% Datenverkehr durch P2P ist es nun wirklich an der Zeit, für jeden, ortsgebundenen wie mobilen, Internetanschluss eine fixe Content-Steuer von, sagen wir, 20 Franken pro Monat bezahlen zu müssen, der dann anteilsmässig an die entsprechenden Urheberrechtsgesellschaften geht und verteilt wird. (Das Problem dort ist dann "nur" noch der Verteilschlüssel…) Antworten
Das Internet ist aktuell vor allem in Ländern wie China besonders langsam. Der Grund liegt auf der Hand und hier sehe ich für uns zukünftig in mehrfachem Sinn die grösste Gefahr. Denn z.Z. nähern wir im Westen und schneller an die Chinesen an als einem lieb sein kann. Der Grund ist in erster Linie in den Kontroll- und Zensurmassnahmen zu suchen. Youtube & Co. bewältigt der tech. Fortschritt schon. Antworten
Schon um die Jahrtausendwende gab es eine Studie der NASA, die prognostiziert hat, dass das Internet in (damals) 7 Jahren nicht mehr zu gebrauchen sei. So ganz falsch lag die Studie wohl nicht: das Internet existiert noch, aber die Gebrauchstauglichkeit geht mehr und mehr zurück. Die neue Studie belegt, es wird radikale Änderungen geben müssen. Ob danach das Internet dann noch das Internet ist? Antworten
Man darf vor allem nicht vergessen, mit welchen Dienstleistungen der Urheber der Studie, Akamai, Geld verdient: Bandbreite für Downloads bereitstellen. Akamai betreibt das grösste Content Delivery Netzwerk weltweit, erfährt aber immer mehr Druck von Konkurrenten wie Limelight, Amazon S3 u.A. und versucht mit solchen Studien mitunter auch Bedarf für die eigenen Produkte zu generieren. Antworten
Gäbe es eine Nörgler-Statistik, wäre die Schweiz unumstritten die nummer 1, mit einer Zunahme von 97%. Erstens sagt diese Studie dass die Schweiz den beachtlichen 8. Platz belegt und dass die besten Staaten (ausser Süd Korea) an Tempo verloren haben. Die Schuldigen sind aber hier von einigen schon klar auszumachen; die Regierung, womöglich ein Komplott! Sofort die ganze Regierung auswechseln! Antworten
Ist das Internet veraltet? Braucht es neue Technologie für ein noch schnelleres Internet. Das nächst wird wohl sein, dass jeder eine Schüssel auf dem Dach hat, nicht für`s Fernsehen, nein für das Internet. Die Glaskabl werden auch nicht mehr schneller als sie schon sind. Eventuell gibts ja noch eine erneute Revolution in diesr Branche, Wer weis das schon so genau. Im Internet stehts auch nicht. Antworten
Das ist doch eine Frage von Angebot und Nachfrage. Wenn der Preis für die Datenpakete praktisch 0 beträgt, dann ist doch die Nachfrage fast unendlich... deshalb ist es ratsam, wie z.B. bei Rapidshare die Datenmengen zu "bepreisen". Net-neutrality ade, aber dafür schnelles Internet. Antworten
Fragt doch ganz einfach mal eure Kinder, was sie so das ganzen lieben langen Tag, auf Twitter, Facebook & Youtube treiben. Über den Rest sagt man jetzt mal aus Höflichkeit nichts. Dann habt Ihr bald eine Antwort. Also wenn das der Sinn ist von schulischen Ausbildungen, ja nu was solls. Gruss PS Antworten
Spätestens wenn die (oft unnützen) Angebote wie YouTube, Facebook, viele Movie Download Sites etc. kostenpflichtig werden - denn dies werden sie irgendwann gezwungenermassen - dann steigen 90% der User aus. Und das Problem der fehlenden Bandbreite löst sich von selbst. Antworten
Liebe Leute. Ihr liegt alle Falsch, es sind die Unternehmen, die heute von dem profitieren. Es gibt keine günstiger Verbindung für VPN Tunnels. Das Problem ist aber, erstens ist der Anschluss zu teuer (vor allem für Private) und zweitens die Abos nicht Verbraucherorientiert. Ich schicke pro Montat ein gutes Terrabyte zu 49 CHF übers Netz. Die Anbieter wie Swisscom und Konserver sind das Problem. Antworten
Das ist reine Interpretationssache: Die Grafik sagt bloss etwas über die durchschnittliche Verbindungsgeschwindigkeit aus Sicht eines Serverbetreibers (akamai) aus. Das hat noch nichts mit der Kapazität der Netze zu tun und wird sich in der Schweiz vor allem durch gestiegene Nutzung von (langsamem) mobilem Internet erklären lassen. Das mit youtube etc. ist kompletter Unsinn. Antworten
Mein Briefkasten verstopfte auch immer mehr, bis ich den Stop! Keine Werbung - Kleber aufbrachte. Webseitenbetreiber, die mit Programmtricken versuchen, die Werbesperre in Browsern zu knacken, sind zum grossen Teil für die Verlangsamung verantwortlich - die Seiteninhalte laden erst, wenn die Werbung durch ist... oder der Benutzer klickt vorher schon bei der Konkurrenz an... Antworten
Mein Anschluss zu Hause ist wunderbar schnell und die Aufregung um Youtube, Zattoo und Co. dürfte irgendwann auch gesättigt sein. Ich mache mir eher Gedanken über die zu hohen Preise in der CH. Im Vergleich zu Ländern wie Frankreich ist ein Breitbandanschluss in der CH grotesk teuer. Antworten
Langsame Verbindungen, dafür sind sie teurer als in umliegenden Ländern. Ein Beweis mehr, dass man in der Schweiz abgezockt wird, es herrscht kein richtiger Wettbewerb, wie man ja auch bei den Telefonkosten gehört. Die Regierung und das Parlament steht nicht auf der Seite der Konsumenten, sondern auf derjenigen der kartellistischen Anbietern. Grund, bei den nächsten Wahlen die Lobbyisten loszuwerd Antworten
Wenn ich in meinen Spam-Ordner gucke, so kann ich mir den Grund für die zunehmende Verlangsamung gut vorstellen. Hingegen will mir nicht einleuchten, warum man nichts gegen Viagra-, Penis- und Konsorten-Spams unternehmen kann/will. Vielleicht erst, wenn das Netz komplett zum Einschlafen gebracht worden ist? Antworten
Mich wundert dies nicht, irgendwie haben es unsere Politiker einmal mehr veschlafen. Da wird palavert und lamentiert anstatt die Installation eines nationalen Glasfasernetzes umzusetzen. Es geht doch nicht an, dass eine Swisscom als Privatgesellschaft bestimmt. Macht eine nationales Netz mit 4 Fasern und vermietet die Kapazität gewinnbringend. Schon haben wir besser Leistung. Antworten
Datentransfer über mobile Geräte ist in der Regel langsamer. Je mehr mobile Gadgets zum Einsatz kommen, desto langsamer die durchschnittliche Übertragungsrate, desto weniger sinnvoll die Studie. So gesehen kann der Rückgang der Verbindungsgeschwindigkeit durchaus als Zeichen des technischen Fortschrittes interpretiert werden. Antworten
Da Akamai ein "Daten-Verteildienst" bereitstellt, vermute ich mal, dass sie einfach die Download-Speeds gemessen haben. Der "Geschwindigkeitsverlust" wird wahrscheinlich daher rühren, dass immer mehr leute mit "Mobile Internet" unterwegs sind und sich schlicht einen DSL/Cable Anschluss sparen, da sie zum Mailen und wenig surfen die Geschwindigkeit gar nicht benötigen Antworten
Der Durchschnittsuser wird kaum Einschränkungen spüren. Problematisch sind die Preismodelle der zwei Riesen Swisscom und Cablecom. Anstatt günstigere Abos mit weniger Speed anzubieten, erhalten oft die Poweruser nicht die gewünschte und auch bezahlte Geschwindigkeit, da gewisse Leitungen chronisch verstopft sind. Hauptsache ist der Normaluser bezahlt zu viel für eine Leitung, die er nicht braucht. Antworten
Warum das Internet in der Schweiz langsamer ist, ist ganz einfach zu beantworten. Als Shopbetreiber, schauffle ich pro Tag ca. 15 bis 20 GB für Backups und Synchronisationen durch und da bin ich nicht der einzige. Videostreams sind da nichts dagegen. Die Rate hängt nur vom nächsten Verteiler ab, da liegt das Nadelöhr und wenn noch eine Firma dabei, dann geht's runter mit der Breite. Antworten
Digital
Digital
Meistgelesen in der Rubrik Digital
Umfrage
Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?
Ja, auf jeden Fall
Nein, interessiert mich nicht
Erst wenn die Geräte billiger geworden sind
Ich habe schon einen

































Ben Müller
Schuld sind wieder mal die lokalen Anbieter (ziemlich begrenzte Sicht bei einem internationalen Netzwerk) und sowieso alles ist viel zu teuer! Habt ihr euch schon mal überlegt, dass vielleicht genau das das Problem ist? Alles gratis, geiz ist geil und dann noch schnelle Netze? Wer zum Beispiel soll ein Interesse haben für Gratisdienste in ein Interkontinentalkabel zu investieren? Antworten