Internetfeind Nummer 1

Googles VR-Präsident Eric Schmidt greift China frontal an: Er beschreibt das Reich der Mitte als den «raffiniertesten und produktivsten Hacker ausländischer Unternehmen».

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Als in den vergangenen Tagen sowohl die «New York Times» als auch das «Wall Street Journal» und die «Washington Post» über Angriffe auf ihre Onlinenetzwerke berichteten, war der Schuldige schnell ausgemacht. Die Hacker, schreibt die US-Presse, stammen aus China.

Für die Richtigkeit dieser Behauptung liegen keine Beweise vor, aber Indizien. So wurden laut Angaben der NYT sowohl Passwörter als auch Texte von Journalisten ausspioniert, welche 2012 kritische Artikel über Chinas Ministerpräsidenten Wen Jiabao respektive dessen Privatvermögen verfasst hatten (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). Die Cyberangreifer haben laut der NYT gezielt nach den Quellen der Storys über Wen gesucht.

Recherchen der «Washington Post» zufolge hätten die Angreifer ein konkretes Ziel verfolgt: Peking wolle erfahren, wie das Regime dargestellt werde, was die Presse in Bezug auf China plane und welche Artikel als Nächstes erscheinen würden.

Peking wehrt sich

China weist solche Vorwürfe indes vehement zurück: «Das chinesische Militär hat nie irgendwelche Hacker-Attacken unterstützt. Cyber-Attacken sind von transnationaler und anonymer Natur. Es ist unprofessionell und haltlos, das chinesische Militär ohne jedwelche schlüssige Beweise zu beschuldigen», so das chinesische Verteidigungsministerium gegenüber der «Post».

Unterstützung erhalten die Zeitungen von Eric Schmidt. In seinem im April erscheinenden Buch «The New Digital Age», welches das «Wall Street Journal» bereits durchsehen konnte, greifen der Verwaltungsratspräsident des Suchmaschinenkonzerns sowie Co-Autor Jared Cohen das Reich der Mitte frontal an: China sei der «weltweit aktivste und enthusiastischste Zensor von Informationen» als auch der «raffinierteste und produktivste Hacker ausländischer Unternehmen». Die Hauptaussage des Buches für das «Wall Street Journal»: «China ist die gefährlichste Supermacht der Welt.»

Vor einem chinesischen Frühling?

In einer Welt, die zunehmend digital werde, habe die Bereitschaft der chinesischen Regierung und der staatlichen Firmen, auf Cyber-Kriminalität zurückzugreifen, wirtschaftliche und politische Vorteile zur Folge. Zwar würde auch der Westen – sprich: die USA – auf ähnliche Methoden zurückgreifen, allerdings müsse dieser sich an strenge gesetzliche Vorgaben halten.

Schmidt und Cohen sind laut WSJ der Ansicht, dass sich das hohle politische Zentrum Chinas nicht werde aufrechterhalten lassen: «Der Mix aus aktiven, technisierten Bürgern und enger Kontrolle der Regierung ist ausserordentlich volatil», was zu einer «weitverbreiteten Instabilität» führen könne, so die Autoren in Anlehnung an die Rolle sozialer Medien im arabischen Frühling.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 04.02.2013, 12:27 Uhr)

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