Kampf um die Domain-Kunden

Das Schweizer Internet wird neu geordnet, die Switch gibt die Verwaltung von .ch-Domänen ab. Um die Nachfolge wird hart gestritten.

Verborgene Infrastruktur des Internets: Ein Server in einem Zürcher Datencenter.<br />Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Verborgene Infrastruktur des Internets: Ein Server in einem Zürcher Datencenter.
Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

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Mitte 2014 hat der Bundesrat in einer Verordnung neue Regeln für die Schweizer Internetdomänen festgelegt. Die Switch gibt ihre Rolle als Verkäuferin der Webadressen mit .ch-Endung ab. Per sofort nehmen die Schweizer Hosting-Anbieter die Aufgabe des Registrars wahr. Die Registrare verkaufen und verwalten die Internetadressen (Domains).

Der Bundesrat erfüllt mit der Neuordnung eine Forderung, die seit 2009 im Raum steht. Damals hatte die Switch als Stiftung die kommerzielle Tochter Switchplus gegründet. Diese bietet Hosting (mietbare Server für den Betrieb von Websites) und Maildienste an und steht in direkter Konkurrenz zu privaten Anbietern. Dass die Switch ihrer Tochter Schützenhilfe bot, empfanden viele Provider als Wettbewerbsnachteil, gegen den sie bis vor Bundesgericht zogen.

Mehr Wettbewerb

Entsprechend positiv bewerten die Schweizer Provider die Neuregelung: «Der Markt öffnet sich, es entsteht mehr Wettbewerb, und die längst etablierten Partner vermarkten die .ch-Domains direkt», sagt Susanne Felice-Tanner von Green.ch. Neuland ist das aber nicht. Viele Schweizer Provider verkaufen bereits Schweizer und internationale Domains, beispielsweise Hostpoint: Der Dienstleister aus Rapperswil hat seit 2013 eine Akkreditierung der kalifornischen Icann-Organisation und darf .com-, .net- oder .org-Adressen verkaufen. «Das ist für uns kein neues Geschäftsfeld, auch wenn es mit der Einstellung des Endkundengeschäfts von Switch an Bedeutung gewonnen hat», erklärt Sprecher Thomas Brühwiler.

Die 400 000 ehemaligen Switch-Kunden müssen ihre rund 1 Million Domain-Namen im Verlauf des Jahres zu einem neuen Registrar transferieren. Das kann der Anbieter sein, der die Website hostet – aber es ist auch möglich, Registrar und Hosting getrennt zu wählen. Der Aufwand für den Transfer halte sich in Grenzen, sagen die angefragten Hoster unisono. Felice-Tanner streicht den kostenlosen Umzugsservice heraus und meint, Green.ch rechne die Laufzeiten der Switch-Verträge an. Ausserdem könnten die Kunden von Paketen mit Webhostings profitieren.

Hostpoint umwirbt Kunden mit neuen Möglichkeiten: «Jede bei uns registrierte Domain kann mit einer individuellen Domain-Weiterleitung konfiguriert werden. DNS-Einträge können mit dem komfortablen DNS-Editor angepasst oder, wie bisher bei Switch, mit eigenen Nameservern betrieben werden», sagt Thomas Brühwiler. Boris Siegenthaler, der Geschäftsführer des Genfer Hosting-Anbieters Infomaniak, setzt dagegen auf den günstigsten Preis auf dem Markt: «Er ­erklärt sich dadurch, dass Infomaniak 30 Prozent des Umsatzes von jährlich 14 Millionen Franken im Ausland erwirtschaftet. Wir haben unsere Preise daher schon seit ­je an europäische Dienstleister angepasst, die tiefere Margen haben.»

Harte Konkurrenz

Das Geschäft mit den Domain-Kunden wird neu verteilt – und da wird nicht nur mit lukrativen Preisen und technischen Innovationen gekämpft, sondern auch mit harten Bandagen. Wolfram Schmidt, Geschäftsführer von Switchplus, wirft dem Konkurrenten Hostpoint sogar unfaire Abwerbeversuche vor. Dieser hatte Kunden angeschrieben, die das Hosting zwar bei Hostpoint hatten, die aber ihre Domain von Switch oder anderen Anbietern verwalten liessen: «Die bestehenden Domain-Kunden sollten nicht durch Schreiben verunsichert werden, die den Eindruck erwecken, man würde seine Domain verlieren, wenn man nicht reagiere. Insbesondere sollten keine Kunden der Konkurrenz angeschrieben werden», erklärt Schmidt.

Thomas Brühwiler von Hostpoint hält dagegen, in der Kundeninformation werde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es die Switch sei, die das End­kundengeschäft aufgebe. «Unsere Mit­arbeitenden werden geschult, Kunden bei Nachfragen darauf aufmerksam zu machen, dass sie nichts unternehmen müssen, wenn ihre .ch-Domain bei einem anderen Anbieter als Switch registriert ist.»

Die Stiftung Switch, die im Mai 1987 gegründet wurde, um die damals uneinheitlichen Datennetzwerke der Hochschulen zu verbinden – betreibt weiterhin die Registry. Das heisst, sie verwaltet die Datenbank für die Schweizer Domänen und betreibt die DNS-Server. Diese führen die Namensauflösung durch und stellen als Adressbücher des Internets die Erreichbarkeit von Web­sites sicher.

Schutz dank Switch

Uneins sind die Provider, ob sie mittelfristig auch Registry-Aufgaben übernehmen wollen. Das sei kein Thema für Hostpoint, so Brühwiler. Susanne Felice-Tanner von Green.ch erklärt, es sei sinnvoll, beide Aufgaben zu trennen. Anders sieht es Boris Siegen­thaler: «Infomaniak ist Co-Gründer der Registrar Alliance. Deren Ziel ist es, Schweizer Internetnutzern eine Alternative zu Switch zu bieten. Langfristig streben wir es an, neue Domain-Namen zu erstellen, die wir direkt bei Icann erwerben würden.»

Switch-Mediensprecher Marco D’Alessandro sagt, dass die Stiftung bis mindestens 2017 die Registry-Funktion von .ch behalte, um den Transfer zu den Registraren zu gewährleisten: «Der Vertrag mit dem Bundesamt für Kommunikation wurde deshalb verlängert. Danach wird das Bakom die Registry-Tätigkeit ausschreiben.» Dieser Ausschreibung sieht Switch gelassen entgegen: «Mit dem Betrieb der DNS-Infrastruktur für .ch sorgt Switch für ein stabiles, ausfallsicheres Schweizer Internet und macht es weltweit verfügbar.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 25.01.2015, 17:53 Uhr)

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