Merz' Leute nutzen Facebook am häufigsten
Von Iwan Städler. Aktualisiert am 04.06.2009 27 Kommentare
Sehr beliebt, auch bei Bundesangestellten während der Arbeitszeit: Das Online-Netzwerk Facebook.
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Das Bundespersonal legt Wert auf soziale Kontakte. Jedenfalls nutzt es ausgiebig die Kommunikationsplattform Facebook. Claudio Frigerio, Informationschef des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation (BIT), spricht von einer «erstaunlich hohen Datenmenge». Facebook sei die am zweithäufigsten genutzte Internetsite – hinter jener von Microsoft, die vor allem wegen der Software-Updates datenmässig ins Gewicht fällt.
Das BIT will nun untersuchen, warum Facebook derart oft aufgerufen wird. «Der Informationsgehalt ist dort ja nicht sonderlich gross», sagt Frigerio. Gross ist aber die Gefahr, bei Facebook hängen zu bleiben, wenn man einmal drin ist. Es gibt immer eine Anfrage zu beantworten, einen neuen Freund zu begrüssen oder eine Gruppeneinladung anzunehmen.
Offenbar haben die Bundesangestellten dafür Zeit. Doch nicht alle nutzen Facebook gleich intensiv. Das BIT hat die Datenmengen diese Woche nach Departementen ausgewertet und bemerkenswerte Unterschiede festgestellt: Mehr als die Hälfte der Facebook-Daten landet auf Bildschirmen von Mitarbeitern des Finanzdepartements (EFD), dem auch die Informatikabteilung und das Personalamt angehören. Insgesamt haben die EFD-Angestellten im Mai 195 Gigabyte bei Facebook abgerufen. Pro Mitarbeiter sind das 24 Megabyte – rund doppelt so viel wie in den meisten übrigen Departementen. Warum dem so ist, kann sich Sprecherin Delphine Jaccard nicht erklären.
Klicks nicht erhoben
Etwas intensiver nimmt sich das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) dem Thema an. Es nutzt Facebook am zweithäufigsten und will die Auswertung des BIT nun «im Detail anschauen», wie Mediensprecher Daniel Bach erklärt. Die Menge der heruntergeladenen Daten sage aber noch nicht zwingend etwas darüber aus, wie viel Zeit die einzelnen Mitarbeiter auf Facebook verbrächten.
In der Tat hat das BIT die Anzahl Klicks nicht erhoben. Ruft man seine eigene Seite auf, braucht dies etwa anderthalb Megabyte. Die meisten Mitarbeiter tun das am Arbeitsplatz wahrscheinlich nie – andere hingegen ziemlich oft, was über alle Bundesangestellten hinweg einen Durchschnitt von 18 Megabyte ergibt. Dabei ist das Verteidigungsdepartement (VBS) nicht berücksichtigt, weil dort die Netzstruktur etwas komplizierter ist.
Appell zur Mässigung wirkte
Für den Bund ist die Facebook-Nutzung ein doppeltes Problem: Zum einen belastet sie die Netzwerk-Infrastruktur, zum andern kostet sie Arbeitszeit. Denn der kleinste Teil der Facebook-Besuche dürfte aus beruflichen Gründen erfolgen.
Sollte sich herausstellen, dass die Uvek-Mitarbeiter die Plattform «über Gebühr brauchen», könnte sich das Departement laut Daniel Bach vorstellen, Facebook zu sperren – selbst wenn die übrige Bundesverwaltung nicht mitmacht. Die Parlamentsdienste haben dies bereits getan – genauso wie die Unternehmen Post, SBB, UBS, CS und Coop.
Die Departemente versuchen es vorerst mit einem Appell. Anfang Mai haben sie die Mitarbeiter aufgerufen, ihre Facebook-Nutzung zu mässigen. Dies hat offenbar gewirkt. Jedenfalls reduzierte sich die Datenmenge auf einen Schlag um rund ein Drittel. Doch die Plattform ist immer noch die am zweithäufigsten genutzte Internetsite. Nun will das BIT eine Auswertung auf Ebene der Ämter vornehmen und dann den Generalsekretären Bericht erstatten. Diese werden schliesslich entscheiden, ob das Bundespersonal im Internet weiterhin seine sozialen Kontakte pflegen darf. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.06.2009, 22:23 Uhr
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