Milliardär auf allen vieren
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 11.11.2011 16 Kommentare
Das Geschäftsmodell
Bei Groupon können Unternehmen Rabattcoupons für ihr Geschäft anbieten. Der Deal kommt zustande, wenn eine bestimmte Anzahl von Interessenten zuschlägt. Die beteiligten Unternehmen müssen nicht nur einen erheblichen Rabatt bieten, Groupon behält zudem eine Kommission, typischerweise rund die Hälfte des Gutscheinwerts.
Das Unternehmen hat nach jüngsten Angaben insgesamt 143 Millionen registrierte Kunden – von denen mindestens 29,5 Millionen schon mindestens einmal bei einer Groupon-Rabattaktion mitgemacht haben.
Als Groupon bei der Vorbereitung seines Börsengangs erstmals die Geschäftszahlen offenlegte, waren viele Investoren über die konstant hohen Verluste schockiert, die mit steigenden Umsätzen auch noch immer grösser wurden. Groupon unterhält ein Heer von Aussenmitarbeitern, die Firmen für Rabattaktionen gewinnen. Und das verschlang bisher viel Geld.
Aktuelle Zahlen zeigten, dass Groupon die Verluste massiv eingedampft hat – aber das Geschäft auch deutlich langsamer wächst als zuvor. So rückte der Umsatz im dritten Vierteljahr im Vergleich zum Vorquartal nur noch um knapp zehn Prozent auf 430 Millionen Dollar vor. Früher hatten sich die Erlöse oft von Quartal zu Quartal verdoppelt.
Die Vorbereitung des Börsengangs wurde von vielen Pannen begleitet. Zuletzt musste Groupon wegen Bedenken der Börsenkontrolleure die Umsatzangaben praktisch halbieren. Schon zuvor tilgte Groupon auf Druck der Börsenaufsicht SEC eine Kennziffer, bei der das Ergebnis ohne die hohen Marketingkosten berechnet wurde und dadurch deutlich freundlicher aussah. (DAPD/SDA)
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Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Neue Welt schreiben kann: Ein erst dreijähriges Unternehmen nimmt mit dem Gang an die Börse an einem Tag 700 Millionen Dollar ein und erreicht einen Wert von fast 13 Milliarden Dollar – obwohl die amerikanische Börsenaufsicht SEC Groupon wegen Fehlern in der Buchführung seit längerem auf dem Kieker hat und obwohl das Unternehmen seit seiner Gründung vor drei Jahren nur Verluste schreibt.
Geführt wird das Schnäppchenportal von einem 30-jährigen Ex-Musiker einer unbekannten Band, der sich auf seinem Twitter-Konto in Unterhosen zeigt – auf allen vieren, ausser sich vor Freude ob einer geschenkten Spielkonsole. Noch unterhaltsamer kommt das Youtube-Video daher, das ihn vor dem Hintergrund einer blinkenden Weihnachtstanne als barfüssigen Yogapraktikanten zeigt.
«Sieht so ein Milliardär aus?»
Kein Wunder, titelt «Bild» ein Mason-Porträt mit den Worten «Dieses Milchgesicht ist 12,6 Milliarden schwer»; kein Wunder, fragt die Deutsche Depeschenagentur: «Sieht so ein Milliardär aus?»
Die Antwort lautet: Ja, das tut er. Obwohl «Today's Web Darling» («Wall Street Journal») nach dem Going Public seines 2008 gegründeten Unternehmens sich auch mal in Anzug und Krawatte ablichten lässt, dringt selbst auf solchen Aufnahmen das kindliche Gemüt durch, welche ihn als typischen Web-2.0-Entrepreneur à la Sergey Brin oder Larry Page entlarven: So gingen am 4. November – am ersten Handelstag für die Groupon-Papiere – Bilder um die Welt, die zeigen, wie sich ein ausgelassener Mason von Verwaltungsratspräsident Eric Lefkofsky am Times Square umarmen und von seiner Frau Jenny Gillespie die Haare richten lässt.
Er wäre lieber mal still geblieben
Anders als beim Business der Google-Gründer Brin und Page stellen indes nicht wenige Experten Masons Geschäftsidee grundsätzlich infrage (siehe Infobox in der linken Spalte). Der Firmenboss will sich von solchen Einwänden nicht bremsen lassen. Sowohl gegen aussen als auch in Gesprächen mit seinen Mitarbeitern gibt er sich meist euphorisch.
Dies nicht nur zu seinem Vorteil: Im Sommer versandte Mason ein Mail an die Groupon-Angestellten mit dem Ziel, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Damit war der Unternehmenschef nicht gut beraten, verstiess er damit doch gegen die gesetzlich vorgeschriebene sogenannte Quiet Period vor dem Going Public. Die Börsenaufsicht SEC zeigte sich entsprechend verärgert.
Die grundsätzlichen Zweifel...
Der Börsengang fand dennoch wie eingangs erwähnt noch statt. Indes geben trotz des (bisherigen) Erfolgs an der Nasdaq die Kritiker keine Ruhe. «Wir haben noch immer ernsthafte Zweifel am langfristigen Geschäftsmodell», sagt stellvertretend für die Pessimisten Fondsmanager Michael Cuggino gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Ob der in einem Vorort von Pittsburgh aufgewachsene Mason sich dadurch allerdings in irgend einer Form aus der Ruhe bringen lässt, ist unwahrscheinlich. «Ich habe mich vor dem Erfolg von Groupon nicht als Unternehmer gesehen und tue das auch jetzt noch nicht. Ich möchte einfach Dinge ausprobieren und etwas aufbauen», so Mason gegenüber Chicagomap.com.
...und die Ruhe des Gründers
Und auf die Frage eines «Focus»-Journalisten im Januar dieses Jahres, warum er im Jahre 2010 eine Kaufofferte von Google in der Höhe von sechs Milliarden Franken abgewiesen habe, meinte er nur: «Ich habe festgestellt, dass Webseiten zu bauen mich auf eine ähnliche Art befriedigt, wie es die Musik getan hat.» So spricht keiner, der sich allzuviele Gedanken über Geld macht. In diesem Sinne ist der Vergleich mit Leuten wie Brin und Page doch nicht so gewagt. Irrtum nicht ausgeschlossen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.11.2011, 09:47 Uhr
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16 Kommentare
Kaum zu glauben, was da an Geld in ein völlig zweifelhaftes
Geschäftsmodell geblasen wird.
Wieder haben wir einen Zwischenhändler mehr, der kaum Arbeitsplätze
bieten wird und der wild in den virtuellen Raum hinein expandiert.
Es werden, ohne dass echten Arbeitsleistungen entstehen,
X Milliarden in eine Bubble hineingeschossen!
Krank, denke ich.
Antworten
Für Unternehmen die via Groupon Gutscheine anbieten, ist dieses System so wie es jetzt ist, zu kostspielig, bietet kaum Mehrwert und lohnt sich so für ein Unternehmen eigentlich nicht. Ebenso ist Groupon extrem einfach zu kopieren. Die Kapitalisierung ist reine Fantasie - wir steuern auf die Internet 2.0-Bubble zu... Nichts gelernt! Antworten
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