Digital

Musikindustrie bleibt im Internet auf verlorenem Terrain

Von Hans von der Hagen. Aktualisiert am 23.05.2011 24 Kommentare

Das Geschäft mit der Musik verlagert sich immer mehr ins Netz und wirft doch nur wenig ab. Unternehmen suchen nach Alternativen.

Das Internet hat das Musikgeschäft revolutioniert: Aber verdienen tut keiner so richtig daran.

Das Internet hat das Musikgeschäft revolutioniert: Aber verdienen tut keiner so richtig daran.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Fast ein Drittel ihres weltweiten Umsatzes hat die Musikindustrie im vergangenen Jahr im Internet gemacht – insgesamt 3,4 Milliarden Euro. Für Aufsehen sorgte unlängst die Nachricht, der US-Internetradiobetreiber Pandora strebe an die Börse. Knapp 70 Millionen Euro will das Unternehmen einsammeln, dem noch vor wenigen Jahren die Pleite drohte. Tut sich da etwas in dem Markt, der so lange schon als verlorenes Terrain gilt?

Pandora steht nicht allein da. Mittlerweile glauben viele Firmen, dass es tragfähige Strategien für das Geschäft mit Musik gibt. Sogar von einem Paradigmenwechsel redet Gerrit Schumann, Chef von Simfy, einem deutschen Anbieter von digitaler Musik. Bislang sei es immer um Eigentum an Musik gegangen, künftig stehe der Zugang zur Musik im Vordergrund. Bei Simfy gehe es nicht mehr darum, Songs zu kaufen, sondern, sie zu leihen. Ähnlich machen es Napster oder Spotify.Im Falle von Simfy können Hörer die Musik entweder direkt auf der Internetsite abspielen oder – gegen eine Abonnementsgebühr – als Leihgabe auf einen Computer oder ein Smartphone ziehen. Die Musik kann dann nur mithilfe eines Abspielprogramms genutzt werden, das im Internet heruntergeladen werden muss. Wer kein Abonnent ist, hat trotzdem Zugang zu etwa acht Millionen Musiktiteln – aber nur an einem Computer und nur, wenn eine Verbindung ins Internet vorhanden ist.

Download-Geschäft nicht sehr lukrativ

Ist das ein tragfähiges Modell? Schumann ist davon überzeugt, auch wenn Simfy bislang keine Gewinne macht. «Ich denke, dass wir gute Chancen haben, gegen iTunes und andere Konkurrenten zu bestehen.»

Simfy steht für die neue Welt in der digitalen Musik – mit grossen Hoffnungen und kurzer Vergangenheit. Ganz anders ist das etwa bei einem Unternehmen wie Soul Seduction, das den Wechsel von offline zu online in den vergangenen 20 Jahren mitgemacht hat. Entstanden in der Wiener Elektroclubszene, war Soul Seduction seit Beginn der 90er-Jahre einer der wichtigsten Schallplattenvertriebe Österreichs, der – stark in der Nische Clubmusic – gleichwohl 85 Prozent seiner Umsätze im Ausland erwirtschaftete. Alben wurden dabei als Platten im Geschäft, seit 2003 auch als Downloads im Internet vertrieben. 2007 kam die Pleite: Soul Seduction musste den gesamten physischen Vertrieb einstellen, allein das Download-Geschäft blieb übrig. Verdienen lasse sich damit nicht viel, sagt Alexander Hirschenhauser, Gründer von Soul Seduction. Er betreibt das Unternehmen nur noch mit einer Handvoll Leute, «die nebenher noch arbeiten».

Von einem der klassischen 99-Cent-Songs bleiben für das Download-Portal am Ende vielleicht 30 Cent. Davon wiederum zwackt sich die für die Zahlung zuständige Gesellschaft einen Teil ab, die Technik muss gewartet und weiterentwickelt werden, und das Angebot soll betreut werden. Die Zukunft des Musikgeschäfts sieht er nicht allzu rosig.

Beim Künstler kommt wenig an

Und die Künstler selbst? Wie sehen sie die neue Welt des Downloads? Viele machen die Erfahrung, dass das Marketing im Netz genauso aufwendig sein muss wie beim herkömmlichen Plattengeschäft, um überhaupt etwas zu verkaufen. Doch am Ende bleibt wenig übrig – zu wenig, sagt etwa Jazzsänger Roger Cicero: «Beim Künstler kommt kaum etwas an, und noch viel dramatischer ist es für Komponisten und Textschreiber.» Gleichwohl ist es für Cicero wichtig, auf den Portalen vertreten zu sein – «um der Präsenz willen», sagt er. «Das sind Werbeflächen.» Er verkaufe aber lieber CDs, als dass er Leute dazu animieren würde, sich CDs legal herunterzuladen – dennoch sei es tausendmal besser, es legal zu tun als illegal auf Tauschbörsen. Das sei das grösste Übel.

Das Internet hat das Musikgeschäft revolutioniert. Nun treibt es dieses in eine ganz neue Richtung. Aber ein Dilemma bleibt: Verdienen tut keiner so richtig daran. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.05.2011, 22:17 Uhr

24

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

24 Kommentare

Valentina Caldari

23.05.2011, 08:59 Uhr
Melden 34 Empfehlung

Die Musikindustrie hat sich jahrelang dumm und dämlich an überrissenen Preisen verdient, kann sich aber nun nicht damit abfinden, dass ihre Kunden das im Netzzeitalter nicht mehr goutieren, schafft es aber aus Geldgier nicht, eine kundenfreundliche Internetlösung anzubieten. Und wenn dann Stars jammern, dass sie statt 20 nur noch 15Mio/Jahr verdienen, dann ist mein Mitleid sowieso ganz weg. Antworten


Rolf Wilhelm

23.05.2011, 09:46 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Wenn ich mir einen Song oder ein Album "kaufe", dann will ich das dauerhaft hören können und ich lasse mir das Abspielgerät nicht vorschreiben. Wenn ich das nicht kann, bleibe ich als Käufer dem Angebot fern. Und ich denke, wie mir geht es vielen anderen auch. Ich bezahle für gute Musik gerne, aber ich bestimme über die Verwendung des von mir bezahlten Inhalts und es muss dauerhaft sein. Antworten



Digital

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.