Digital

Republikaner patzen bei Twitter

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 17.06.2009

Die demokratische Partei weiss die neuen Kommunikationstechnologien gekonnt zu nutzen. Die Republikaner dagegen stellen sich dabei ziemlich dumm an.

Twitterte die von Barack Obama fürs höchste Richteramt nominierte Juristin Sonia Sotomayor als «Latina Frau Rassistin»: Republikaner Newt Gingrich.

Twitterte die von Barack Obama fürs höchste Richteramt nominierte Juristin Sonia Sotomayor als «Latina Frau Rassistin»: Republikaner Newt Gingrich. (Bild: Keystone)

Voller Neid verfolgten die Gurus der Republikanischen Partei, wie sich der politische Gegner, die Demokraten, in die weite Welt neuer Kommunikationstechnologien stürzten – und damit amerikanische Wahlen gewannen. Ob Internet, Texting, Twitter oder was auch immer: Die Obama-Truppe setzte die Digitalmedien beim Präsidentschaftswahlkampf 2008 genial ein. Weshalb der neu gewählte republikanische Parteivorsitzende Michael Steele im vergangenen Februar in Washington einen konservativen Tech-Gipfel einberief, um aufzuschliessen und sodann schnellstmöglich an den Demokraten vorbeizuziehen.

«Ich möchte meine Wahlkämpfe hier haben», sagte Steele vor den versammelten Technorati der Partei und zeigte dabei auf seinen Blackberry. Fünf Monate später, also jetzt, ist von der Aufbruchstimmung nicht viel zu spüren. Im Gegenteil: Die Republikaner sorgten vornehmlich für digitale Rohrkrepierer und ertwitterten sich negative Schlagzeilen. Wie etwa Newt Gingrich, vor seinem erzwungenen Rücktritt in der Clinton-Ära mächtigster Republikaner im Kongress, jetzt zuweilen peinlicher Lautsprecher und selbst ernannter Vordenker seiner Partei. Nachdem er die von Präsident Obama fürs höchste Richteramt nominierte Juristin Sonia Sotomayor als «Latina Frau Rassistin» bezwitschert hatte, erhob sich ein Sturm der Entrüstung – worauf Gingrich hastig einen Rückzieher machte.

In die Rassistenecke gezwitschert

Noch toller trieb es der Parteiaktivist Mike Green aus South Carolina, der sich mit folgendem «Witz» in die Rassistenecke zwitscherte: «ICH HABE GERADE GEHÖRT, DASS OBAMA EINE 40-%-STEUER AUF ASPIRIN ERHEBEN WIRD, WEIL ES WEISS IST UND FUNKTIONIERT». Green entschuldigte sich ebenso umgehend wie sein Parteifreund Rusty DePass, auf dessen Facebook-Seite zu lesen war, dass Michelle Obama einem Gorilla ähnele. Und im Mormonenstaat Utah twitterte Justizminister Mark Shurtleff versehentlich – er war der Meinung, eine private Text-Message an einen Freund zu senden -, dass er dem mächtigen republikanischen Senator Bob Bennett das Amt streitig machen werde, worauf parteiinterne Streitereien einsetzten.

Der republikanische Abgeordnete Joe Barton aus Texas, ein grosser Verehrer aller Fossilbrennstoffe, schoss per Twitter ebenfalls ein dröhnendes Eigentor: Er habe Energieminister Steven Chu gefragt, woher Öl komme – und den Minister damit in Verlegenheit gebracht, zwitscherte er. Tatsache war, dass dem Minister, einem Wissenschaftler und Nobelpreisträger, die Kinnlade herunterklappte ob der dämlichen Frage. Und im Staat Tennessee verschickte eine Mitarbeiterin der republikanischen Staatssenatorin Diane Black per E-Mail eine Foto-Collage aller amerikanischen Präsidenten, worauf Barack Obama lediglich als schwarze Fläche mit weissen Cartoon-Augen zu sehen war. Der rassistische Scherz sei leider an die falschen Adressaten gegangen, lautete die Entschuldigung.

Twitter-Englisch eines Teenies

Eine der wenigen Erfolgsstorys im republikanischen Digital-Kosmos vermeldet hingegen ausgerechnet der 75-jährige Senator Charles Grassley aus Iowa, der täglich ein veritables Vogelkonzert auf seinem Blackberry veranstaltet und dabei das nahezu perfekte Twitter-Englisch eines Teenies offenbart. «Pres Obama u got nerve while u sightseeing in Paris to tell us ‘time to deliver’ on health care». Oder: «Can’t bleve it! A reporter came all way to Senate floor to ask if I do my own tweetin. Of course I do». Der Senior der Prärie weiss, wie mans macht, seine Partei indes noch nicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.06.2009, 10:20 Uhr

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