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Schwer zu fassen

Aktualisiert am 03.11.2011 15 Kommentare

Anonymous zieht im Internet gegen Drogenkartelle, Geldinstitute, TV-Sender, Pädophile oder Rechtsextreme ins Feld. Handelt es sich bei dieser Bewegung um digitale Robin Hoods? Um Krawallmacher? Eine Annäherung.

Anonymität als Markenzeichen: Anonymous-Aktivisten mit ihren typischen Guy-Fawkes-Masken in Los Angeles. Bild: Wikipedia.

Anonymität als Markenzeichen: Anonymous-Aktivisten mit ihren typischen Guy-Fawkes-Masken in Los Angeles. Bild: Wikipedia.

Hackerattacken strafbar

Wer Hackerattacken gegen Firmen oder Netzwerke führt, muss mit einem Strafverfahren rechnen. Kann der Hacker ermittelt werden, so drohen ihm, je nach Schwere des Vergehens, Bussen oder gar Gefängnis.

Als Reaktion auf die Sperre eines Spendenkontos von Wikileaks-Gründer Julian Assange, überlasteten im Dezember 2010 Anonymous-Hacker gezielt die Website der Postfinance. Der Zugriff auf die Seite war über Stunden gestört. Schweizer Hacker, die sich am Angriff auf die Postfinance-Website beteiligten, wurden strafrechtlich verfolgt.

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Guy Fawkes

Guy Fawkes
Die Guy-Fawkes-Maske ist Symbol des Protests. Auch Anonymous-Aktivisten tragen sie.

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Sie sind Rebellen des Internets, die Mitglieder des Hackernetzwerkes Anonymous. Regelmässig sorgen sie mit ihren Aktionen für Schlagzeilen. Aktuell legen sich die Aktivisten mit der mexikanischen Mafia an und drohen mit der Veröffentlichung von Namen der Unterstützer wie Polizisten, Taxifahrern, Richtern und Beamten. Grund für ihren Feldzug ist die Entführung eines Anonymous-Mitglieds.

Das Netzwerk operiert nicht nur in Mexiko, sondern weltweit. Es kämpft an verschiedenen Orten gleichzeitig. Im Wochentakt eröffnen die Digitalkrieger eine neue Front. Nebst dem mexikanische Drogenkartell haben sie sich auch den amerikanischen Sender Fox News vorgeknöpft, weil dieser negativ über die Occupy-Bewegung berichtet haben soll. Als Reaktion will die Gruppe demnächst die Webseite des Senders lahmlegen.

Überall am Werk

Aber auch in Europa werden Webseiten gehackt und wird Druck ausgeübt: So hat die Gruppe eine Kampagne gegen Kinderpornos im Netz lanciert. Das Kollektiv hat in der vergangenen Woche nach eigenen Angaben mehr als 40 Websites angegriffen, über die Kinderpornografie verbreitet wird. Dabei erbeuteten die Aktivisten Namen und andere persönliche Daten von mehr als 1500 mutmasslichen Pädophilen und stellten sie anschliessend ins Netz.

Auch Politiker nimmt Anonymous gelegentlich ins Visier: Die Gruppierung startete jüngst eine Angriffswelle auf die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). Das Netzwerk prangert das Gedankengut der Partei an, weil es gegen Menschenrechte verstosse und diskriminierend sei.

Frage nach dem Handlungsmotiv

Die Liste von Aktivitäten liesse sich weiter fortsetzen. Die Frage ist, wer sind diese unerschrockenen Netzaktivisten? Wer steckt hinter dem Namen Anonymous? Gibt es ein politisches Ziel?

Über die Bewegung ist im Grunde wenig in Erfahrung zu bringen. Abgesehen von den vielen Medienberichten, welche die Anonymous-Aktionen dokumentieren, ist wenig bekannt. Es gibt kein offizielles Aushängeschild, keine Führungsperson. Das Netzwerk Anonymous ist, wie der Name schon sagt, anonym.

Eine Bewegung mit vielen Gesichtern

Eine der wenigen Personen, die sich eingehend mit dem Phänomen beschäftigen, ist Gabriella Coleman von der New York University. Sie hat sich auf die Erforschung von Hacker-Communitys spezialisiert und arbeitet gerade an einem Buch über Anonymous.

Coleman sagt: «Anonymous ist heute eine Bewegung mit vielen Gesichtern, die weltweit operiert.» Es gäbe viele kleine unabhängige Gruppen oder Zellen, die unter dem Namen Anonymous Aktionen starteten. Einige seien politisch motiviert, andere würden aus reiner Lust am Chaos handeln. Wer Anonymous jedoch verstehen wolle, der müsse mit Mitgliedern des Kollektivs sprechen.

Gregg Housh, ein 34-jähriger Programmierer aus Boston, zählt laut der «Süddeutschen Zeitung» zu den prominentesten Köpfen von Anonymous. In einem Artikel beschreibt er die Ziele der Organisation so: «Es ist eine Armee, die gegen Zensur im Internet kämpft. Sie legt sich mit jedem an, der sich in den Weg stellt.» Anonymous funktioniere nur, wenn niemand wisse, wer dahinterstecke, zitiert ihn die Zeitung. Ansonsten verliere das Kollektiv seine schärfste Waffe: die Anonymität, die Unberechenbarkeit. Denn die Aktionen selbst seien weniger bedrohlich, als sie auf den ersten Blick wirkten: Die Angriffe auf Webseiten seien symbolischer Natur, denn nach ein paar Stunden seien die lahmgelegten Seiten meist wieder erreichbar.

Keine Struktur oder Hierarchie

Politisch kann man das Netzwerk aufgrund der bekannten Aktionen nicht einordnen. Jeder macht, was er für richtig hält. Tatsächlich ist das Mitwirken bei Anonymous auch sehr einfach. Eine Mitgliedschaft ist nicht nötig. Wer sich an digitalen Feldzügen beteiligen möchte, der kann sie selbst lancieren oder sich einfach anschliessen. Organisieren tut sich die Hacker-Community in einschlägigen Chats. Die Veteranen kommunizieren auf der Webseite 4chan. Wie Coleman betont, gebe es keine zentrale organisatorische Struktur oder Hierarchie, die für Mitglieder bindend wäre. Es handelt sich also bei Anonymous nicht um eine Organisation im herkömmlichen Sinn, sondern eher um eine Art Widerstandsbewegung. «Hier arbeiten Leute zusammen, die fast nichts voneinander wissen – über Länder- und Glaubensgrenzen hinweg.»

Motto: «Doing it for the lulz»

Wenn man den vielen Einträgen im Internet glaubt, gilt das Motto «Doing it for the lulz» («lulz» ist eine Abwandlung des Internetakronyms «lol», was für «laughing out loud» steht) als Handlungsmotiv der Bewegung. Die Enzyklopädie Dramatica, das führende Archiv der Internetkultur, definiert: «Genauso wie das Element der Überraschung den körperlichen Akt der Liebe in etwas Schönes verwandelt, verwandelt die Qual eines ausgelachten Opfers lol in lulz und macht es länger, dicker und vergnüglicher. An lulz beteiligen sich Internetnutzer, die eine grosse politische, wirtschaftliche oder Umweltkatastrophe zu oft miterlebt haben und es daher als überlegen erachten, dem gegenwärtigen apokalyptischen Zustand der Welt freiwillig mit schadenfroher Soziopathie zu begegnen, statt ständig emotional zu werden.»

Die laufenden Anonymous-Aktionen in einem politischen Kontext zu verstehen, ist schwierig. Die Bewegung, die nur über Videobotschaften kommuniziert, sich in der Öffentlichkeit hinter Guy-Fawkes-Masken versteckt und ihrem Unmut überwiegend mit Hackerangriffen Ausdruck verleiht, dürfte die Öffentlichkeit sicher noch einige Zeit beschäftigen. Die Frage ist jedoch, ob sich die Bewegung, die es seit 2008 offiziell gibt, etablieren kann oder ob sie schliesslich genauso schnell wieder verschwindet, wie sie entstanden ist. (lue)

Erstellt: 03.11.2011, 13:37 Uhr

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15 Kommentare

Patrick Meier

03.11.2011, 13:56 Uhr
Melden 79 Empfehlung

Man wird Anonymous nie zu fassen kriegen weil Anonymous überall ist. Ich bin Anonymous, Du bist Anonymous, wir sind Anonymous. We are Legion. We do not forgive. We do not forget. Expect us! Antworten


Rolf Schumacher

03.11.2011, 15:35 Uhr
Melden 35 Empfehlung

Anonymus ist das Gesicht des kategorischen Imperativs. Anonymus zeigt mit dem Finger auf jene, die das Gewissen im eigenen egoistischen Zornfeuer vernichtet haben. Anonymus kann nicht ein Mensch sein, weil kein Mensch ohne Fehl und Tadel ist, es ist deshalb eine Bewegung. Anonymus ist der Gegner der Bewegung die Mario Draghi, Sergio Ermotti, Vasella, Blocher, Merz etc an die Macht gebracht hat. Antworten



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