So viel zum Thema Google Plus

Der Hype um das Soziale Netzwerk des Suchmaschinen-Giganten wird wohl bald vorbei sein. Die Firmenchefs werden schon mal von ihren eigenen Mitarbeitern wegen des sich abzeichnenden Flops verspottet.

Schnell rauf, schnell runter: Am 20. September explodierten die Nutzerzahlen bei Google Plus. Damals machte Google das Netzwerk für alle öffentlich. Doch in den nächsten Tagen sank der Traffic wieder auf das Ausgangsniveau.

Schnell rauf, schnell runter: Am 20. September explodierten die Nutzerzahlen bei Google Plus. Damals machte Google das Netzwerk für alle öffentlich. Doch in den nächsten Tagen sank der Traffic wieder auf das Ausgangsniveau. Bild: Insights.chitika.com

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«Wir checken es alle nicht», schrieb Google-Entwickler Steve Yegge jüngst in einem Eintrag auf Google (GOOG 548.9 -0.86%) Plus. Das im Juni eingeführte Netzwerk sei ein wesentliches Beispiel für Googles «vollständiges Unvermögen, Plattformen zu verstehen, von den höchsten Führungsebenen (hallo, Larry, Sergey, Eric, wie läuft es) bis zum gemeinen Fussvolk (schönen Gruss auch)».

Der Eintrag hätte eigentlich nur Google-intern publiziert werden sollen, durch einen Klick auf den falschen Knopf konnten aber alle Nutzer von Google Plus die Rundumkritik lesen. Yegge löschte den Eintrag umgehend, man kann ihn aber hier oder hier immer noch lesen.

«Noch ist es nicht zu spät»...

Bei Google Plus handle es sich leider nur um einen Schnellschuss («knee-jerk reaction»), «eine Studie in kurzfristigem Denken, die sich auf die falsche Vorstellung stützt, dass Facebook erfolgreich ist, weil es ein grossartiges Produkt ist». Das weltgrösste Netzwerk ist laut Yegge darum erfolgreich, weil es Partnerprodukte aufgebaut habe, bei denen andere die Arbeit machen würden, und Angebote aufweise, mit welchen der Nutzer sich unendlich lange beschäftigen könne.

Beim Launch von Google Plus jedoch habe es nicht einmal eine Programmierschnittstelle für Externe gegeben. Yegges Warnung an seinen Arbeitgeber: «Ich sage nicht, es ist zu spät für uns, aber je länger wir warten, desto eher wird es zu spät sein.»

...oder doch?

Vielleicht ist es aber bereits jetzt zu spät? Laut aktuellen Zahlen des Datenanalyse-Unternehmens Chitika sind die Zugriffszahlen nach der Öffnung für alle Nutzer am 20. September zwar extrem in die Höhe geschnellt, danach aber auch wieder völlig zusammengebrochen, konkret um minus 60 Prozent.

Laut der Website Ebizmba.com, welche sich auf Traffic-Zahlen der Firmen Alexa, Compete und Quantcast beruft, hat Google Plus (Stand 5. Oktober) 32 Millionen Nutzer und befindet sich in der Rangliste der erfolgreichsten Netzwerke auf Platz 6 – noch hinter Ning (60 Millionen) und dem kriselnden Portal Myspace (80,5 Millionen).

Die Zeiten des schnellen Wachstums scheinen also passé – zum Vergleich: Nach seinem Start am 28. Juni überschritt Google Plus innerhalb eines Monats die Marke von 25 Millionen Nutzern. Unangefochten an der Spitze liegen gemäss Ebizmba.com Facebook (700 Millionen Nutzer) sowie Twitter mit 200 Millionen Usern. Nach anderen (ebenfalls inoffiziellen) Zahlen waren Ende September bei Google Plus etwas über 40 Millionen Nutzer registriert.

Einzigartig muss es sein

Google, ist Chitika-Analyst Gabe Donnini überzeugt, habe mit Google Plus nur dann eine Chance, wenn es Features biete, die einzigartig oder zumindest schwer nachzuahmen seien. Im Moment aber gelinge es dem Netzwerk nicht, «die Nutzer nachhaltig an sich zu binden». Was passiert, wenn Google nicht rasch Gegensteuer gibt? Gabe Donnini: «Google Plus könnte angesichts der Durchschlagskraft und Innovationsfreude von Facebook einfach von der Bildfläche verschwinden.»

(rek)

(Erstellt: 14.10.2011, 14:01 Uhr)

Alles falsch gemacht? Google-Triumvirat Sergey Brin, Eric Schmidt und Larry Page (von links). (Bild: Keystone )

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Entschuldigt sich auf Google Plus für seine Worte: Steve Yegge. (Bild: Quelle: Plus.google.com)

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