Vom Getreidehändler zum Elektronikgiganten

Kein Konkurrent macht Apple mehr Sorgen als Samsung. Dominiert von Patriarch Lee Kun-hee und seinen Kindern entwickelte sich die Firma vom Lebensmittelladen zum Milliardenkonzern. Eine Erfolgsstory, die auch reich an Intrigen und Korruptionsskandalen ist.

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Es hätte ein Triumph werden sollen für Samsung: (SMSD 364.45 3.83%) Das koreanische Unterhaltungselektronikunternehmen wollte auf der IFA in Berlin der breiten Öffentlichkeit das Galaxy Tab 7.7 zeigen, doch Apple (AAPL 108 0.95%) machte einen Strich durch die Rechnung. Der iPad-Hersteller, der bereits ein Verkaufsverbot für das Vorgängermodell 10.1 in Deutschland erreicht hatte, übte dermassen Druck aus, dass Samsung alle neuen Tablet-Modelle aus der Funkausstellung entfernen lassen musste: Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg war Apple beim Landgericht Düsseldorf mit der Forderung nach einer einstweiligen Verfügung, das Gerät nicht zeigen zu dürfen, erfolgreich.

Drei Gründe für Apples Angst

Die unerbittliche Jagd der Apple-Anwälte auf Geräte, die dem iPad und dem iPhone ähnlich sehen, ist Ausdruck der grossen Nervosität des amerikanischen IT-Konzerns. Kein Hardwarehersteller macht Apple mehr Angst als Samsung. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Das Unternehmen wächst schnell: 1938 als Lebensmittelfirma gegründet, sind die 190'500 Mitarbeiter in 206 Niederlassungen und in 68 Ländern präsent. Samsung respektive das grösste, 1969 gegründete Tochterunternehmen Samsung Electronics erwirtschaftet ein Fünftel von Südkoreas BIP.

Das Unternehmen ist mächtig: Mit den unabhängigen Geschäftsbereichen Visual Display, Mobile Communications, Telecommunication Systems, Digital Appliances, IT Solutions, Digital Imaging, Memory, System LSI und LCD machte der Konzern vergangenes Jahr einen Umsatz von 135,8 Milliarden Dollar. In den meisten Smartphones steckt Hardware (Chips und andere Bauteile) aus Südkorea. «Apple braucht Samsung mehr als umgekehrt», so Analyst Mark Newman gegenüber der Agentur APA. Immer wieder wird Samsung als Käufer für Hewlett-Packards PC-Sparte gehandelt. Samsung hat entsprechende Kaufgerüchte offiziell dementiert – was aber nicht ausschliesst, dass die Koreaner trotzdem interessiert sind.

Das Unternehmen macht mobil: Samsung begnügt sich nicht mehr, Zulieferer zu sein. Samsung setzte im zweiten Quartal 2011 auf allen fünf Kontinenten laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner 69,8 Millionen Handys ab. Kein Hersteller verkauft mehr Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android. Ausserdem hat Samsung mit Bada ein hauseigenes mobiles Betriebssystem in der Hinterhand (erst vor wenigen Tagen wurden drei neue Multimedia-Handys der Wave-Serie vorgestellt). Im Tablet-Markt hat Apple zwar mit den zwei iPad-Modellen die Nase vorn (iSuppli geht 2011 von einem iOS-Marktanteil von 74 Prozent aus), aber Samsung hat bereits jetzt mehr Modelle als Apple (Galaxy Tabs 10.1 und 7.7 sowie Galaxy Note).

Die mächtigen Chaebols

Der Name Samsung bedeutet im Koreanischen «Drei Sterne», welche für die Werte Grösse, Stärke und Qualität stehen. Ein solchermassen zur Schau getragenes Selbstbewusstsein kommt allerdings selbst in Südkorea nicht immer gut an. Zu viel konnte (und kann) sich die Samsung-Gruppe leisten, ohne dafür belangt zu werden.

Nachdem 2008 Lee Kun-hee, der grosse alte Mann an der Spitze des grössten koreanischen Chaebols (Mischkonzerne, die von mächtigen Familien geführt werden), wegen Bestechung und Steuerhinterziehung zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden war, titelte eine Zeitung in der Hauptstadt Seoul, dass auch «Samsung nicht über dem Gesetz steht». Das war verfrüht: Lee, reichster Mann des Landes und IOC-Mitglied, kam schnell wieder auf freien Fuss.

Südkorea ohne Samsung, das geht nicht

Eines ist darum auch den stärksten Samsung-Kritikern im Lande klar. Südkorea ohne Samsung – das geht nicht. Notfalls kann das Unternehmen immer auf die helfende Hand des Staates zählen, wie unsere grosse Diashow (oben) zeigt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 05.09.2011, 11:36 Uhr)

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