Wie das Internet in der Schule hilft

Wird das Internet richtig in den Unterricht integriert, können Schulkinder ihre Schreibfähigkeiten markant verbessern. Sie lernen, lebendiger zu erzählen als Altersgenossen, die ihre Texte per Stift zu Papier bringen.

Das Internet lässt sich auch für die Verbesserung der schriftlichen Ausdrucksfähigkeiten nutzen: Primarschüler mit Notebook.

Das Internet lässt sich auch für die Verbesserung der schriftlichen Ausdrucksfähigkeiten nutzen: Primarschüler mit Notebook. Bild: Keystone

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Wird das Internet richtig in den Unterricht integriert, können Schulkinder ihre Schreibfähigkeiten markant verbessern. Sie lernen, lebendiger zu erzählen als Altersgenossen, die ihre Texte per Stift zu Papier bringen. Sie lernen, lebendiger zu erzählen als Altersgenossen, die ihre Texte per Stift zu Papier bringen. Das zeigt eine neue Studie der Pädagogischen Hochschule FHNW.

Das Internet ist Teil der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen. Vier Fünftel der sechs bis 13-Jährigen nutzen in Deutschland den Computer einmal pro Woche und häufiger, ein Drittel ist Mitglied einer Internetgemeinde und beteiligt sich mindestens einmal pro Woche an Chats.

Die Eltern haben Zweifel

Viele Erwachsene betrachten diese Entwicklung mit Argwohn: Das Internet erscheint ihnen primär als Quelle unnützer Zerstreuung und möglicher Gefährdung durch sexuelle und andere Gewalt.

Doch das Internet lässt sich auch für die Verbesserung der schriftlichen Ausdrucksfähigkeiten nutzen, wie nun eine Studie des Teams um Hansjakob Schneider vom Zentrum Lesen der Pädagogischen Hochschule FHNW zeigt. Sie bezog 724 Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren in den Kantonen Aargau, Zürich und Baselland ein.

Lehrer mit schreibdidaktischer Weiterbildung

Die Hälfte der 44 Schulklassen erhielt Zugang zu einer anmeldepflichtigen Internetplattform namens «myMoment», auf der die Kinder frei Texte schreiben, lesen und sich darüber austauschen konnten. Die zweite Gruppe erhielt keine Plattform, sondern Stift und Papier, um ihre Texte zu formulieren.

Die Lehrer absolvierten zudem eine schreibdidaktische Weiterbildung. Die Texte werteten die Forschenden zwischen 2009 und 2012 aus, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF), der die Studie unterstützte, am Dienstag mitteilte.

Reichere und emotionalere Sprache

Der Unterschied zwischen den zwei Gruppen war nach drei Jahren deutlich: Die Kinder mit der Internetplattform hatten ihre schriftlichen narrativen Fähigkeiten deutlich verbessert.

Der Unterschied war besonders markant bei sprachlichen Merkmalen, die an der Textoberfläche sichtbar sind: Sie verwendeten häufiger zeitliche Wendungen wie «zuerst .... danach», spannungserzeugende Signalwörter wie «plötzlich» oder «vorsichtig» sowie emotional involvierende Adjektive und Verben wie etwa «erschrocken» und «lachen».

Ihre Texte waren lebendiger als die der zweiten Gruppe, da sie ihre Leser mehr einbanden: Sie wollten ihnen gefallen. Welche Texte die Leser mochten, konnten die Kinder den «häufig gelesenen Texten» auf der Plattform entnehmen. Auch die Rechtschreibung in ihren Texten war besser, obwohl diese von den Lehrpersonen nicht korrigiert wurde.

Buben profitieren stärker vom Internet

Bei der Web-Gruppe haben sich zudem die Geschlechterdifferenzen weniger ausgeprägt entwickelt als bei den anderen Kindern: Alle verbesserten sich markant. Bei der Papier-Gruppe entwickelten nur die Mädchen bessere Schreibfähigkeiten. Die Forschenden vermuten, dass Computer und Internet den Jungen einen besonderen Schreibanreiz bieten.

Sie sind der Ansicht, dass die Plattform sich für den schulischen Sprachunterricht eignet. «Die Plattform MyMoment könnte zudem so weiterentwickelt werden, dass die Kinder nicht nur lernen, besser erzählend zu schreiben, sondern auch besser Anleitungen zu verfassen oder Texte zu überarbeiten», wird Hansjakob Schneider in der Mitteilung zitiert. (rek/sda)

(Erstellt: 12.06.2012, 19:46 Uhr)

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