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Wie eine 12-Jährige im Internet ihr Sackgeld verlor

Welches Mädchen möchte nicht Gutscheine von H&M gewinnen? Gila aus Winterthur verspielte so im Internet 10 Franken. Nun geht die Lotteriekommission gegen die Abzocker vor.

Skill2Thrill wirbt auch auf Facebook

Die Personen hinter Skill2Thrill verstecken sich hinter über 200 Websites, die allesamt in den Niederlanden gewartet werden und mit gefälschten Daten registriert wurden. Bei den Websites in verschiedenen Sprachen geht es meist um Wettbewerbe, wo man angeblich Gutscheine oder iPhones gewinnen kann, oder es werden Chat-Angebote gemacht. Die Kostenpflichtigkeit ist jeweils gut versteckt. Skill2Thrill schaltet seit Monaten massiv Werbung auf beliebten Websites wie etwa Facebook oder bei Tauschbörsen wie Isohunt.com. (chb)

Gila ist zwölf und eher knausrig. Sie geht äusserst sparsam um mit den 25 Gratis-SMS, die ihr Swisscom jeden Monat auf ihrem Prepaid-Handy offeriert. Nun aber hat sie zwei SMS geschickt bekommen, die sie je 5 Franken kosteten. Gila ist geschockt, aber um eine Erfahrung reicher. Das Ganze spielte sich so ab.

Am freien Wochenende spielt sie auf dem Computer herum. Kurz das Neuste, ein paar Songs downloaden, einen Film anschauen. Plötzlich landet sie ungewollt auf einer Seite, die sie einlädt, im Gewinnspiel um einen farbigen iPod mitzumachen. Die Homepage sieht aus, als handle es sich um eine offizielle Apple-Werbung, die Gila kennt. Sie wird nach ihrer Handynummer gefragt und weiss die Fragen zu beantworten: Der iPod ist ein amerikanisches Produkt der Firma Apple. Richtig, Gratulation! Aber leider kein Gewinn. Doch ihr Handy klingelt und teilt ihr mit, dass eben zweimal 5 Franken abgebucht wurden. Das Spiel ging noch weiter, diesmal mit Fragen zu H&M. Wieder siehts aus wie eine Originalwerbung des Modehauses, doch Gila klickt sich aus.

Skill2thrill.com operiert illegal

Skill2thrill.com heisst die Homepage, die dieses Gewinnspiel veranstaltet, wobei vor allem die Betreiber selber gewinnen. «Abo 3 Fr pro frage» steht klein und falsch unten dran, und noch kleiner heissts: Wer ein Abo bestelle, bekomme 2 SMS pro Woche und zahle dafür je 3 Franken – wofür, bleibt schleierhaft. Von den zweimal 5 Franken ist nirgends die Rede. Offensichtlich ist Gila Betrügern aufgesessen, die auch über andere Internetadressen wie Celldorado.com und Megaclub.com international bei Jugendlichen abkassieren.

Vor wenigen Tagen – aber das wusste die 12-Jährige nicht – hatte die Onlineredaktion Kgeld.ch vor eben diesem illegalen Dienst gewarnt – ebenso vor einer ganzen Reihe ähnlicher Fallen.

Kleine Internetverluste werden nicht berücksichtigt

Auch dem Juristen der interkantonalen Lotteriekommission ist Skill2thrill bestens bekannt. Selber gegen die Betreiber vorgehen könne die Kommission nicht, doch eine Strafanzeige sei möglich. Er räumt jedoch ein, dass damit wenig gewonnen sei. Das Schweizer Recht biete wenig Handhabe, um gegen solche international operierende Anbieter vorzugehen. Und die kantonalen Strafverfolgungsbehörden hätten oft grössere Fälle zu bearbeiten und könnten sich leider kaum mit so kleinen Internetverlusten herumschlagen. Keine Chance also, dass Gila Recht widerfährt.

Auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) befasst sich mit derlei Internetbetrügereien. Im vorliegenden Fall «dürfte die Verknüpfung von Spiel und Abo-Dienst nicht lupenrein sein», hält der zuständige Seco-Jurist auf Anfrage fest. Doch auch er glaubt: «Eine behördliche Intervention von der Schweiz aus hat wenig Aussicht auf Erfolg.» Man werde aber die holländische Partnerbehörde auf die intransparente Website aufmerksam machen, da die Betreiber aus Holland sind.

In einem Merkblatt warnt das Seco vor derartigen Homepages (Link «Unlauterer Wettbewerb» auf www.seco.admin.ch). Beim Lesen wird klar, dass Gila noch Glück hatte. Hätte sie weitergeklickt, hätte das unter Umständen ein teures Abo bedeutet. In einem solchen Fall, rät das Seco, solle man die Rechnung auch bei der Androhung rechtlicher Schritte nicht bezahlen und das Abo sofort schriftlich kündigen mit dem Hinweis: «Ich bin durch Ihre Website getäuscht worden. Deshalb fechte ich den über Ihre Website abgeschlossenen Vertrag wegen Irrtums bzw. wegen Willensmangels an. Der Vertrag ist somit nichtig.»

Swisscom kulant gegenüber Gila

Gila übrigens mag trotz ihres Riesenschocks heute wieder lachen. Denn die Swisscom hat sich kulant gezeigt und die 10 Franken auf ihrem Handy wieder gutgeschrieben, da sie offensichtlich von Betrügern abgezockt wurde. Ihre Nummer wird sie nun kaum mehr im Netz preisgeben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.05.2009, 22:17 Uhr

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7 Kommentare

Franz klammer

11.05.2009, 15:58 Uhr
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Dieses Kind sollte erstmal lernen, sich im Internet richtig zu verhalten. Was kommt als Nächstes? Dem coolen_Boy_14 vom Chatroom die Adresse schicken?Da wären die Eltern gefragt - die wollen das aber sicher der Schule in die Verantwortung schieben. hätte das Geld definiftiv nicht gutgeschrieben. Das gleiche System hat übrigens Coop auch: Zuerst Adresse eingeben, dann Gewinncode (immer ne Niete!) Antworten


Bruno Scheuber

11.05.2009, 14:00 Uhr
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Swisscom sollte endlich handeln und solchen Firmen den Netzzuggang sperren. Antworten


Bart Webster

11.05.2009, 13:02 Uhr
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Ich kann also eine X-beliebige Handynummer bei so einem "Online-Wettbewerb" mitmachen lassen, ohne dass der Besitzer der Nummer davon weiss oder sich wehren kann? Ohne, dass erst ein SMS mit einem Bestätigungscode an die Handy-Nummer geschickt wird, bevor das Abo aktiv wird??? Seltsam. Da soll mir mein Mobilfunk-Provider mal beweisen, dass ICH die Nummer irgendwo online eingegeben habe... Antworten


Marco Keller

11.05.2009, 11:51 Uhr
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Ich habe gelernt immer alles zuerst durchzulesen, bevor ich etwas akzeptiere....genauso gebe ich meine Tel.Nr. nicht einfachso im Internet preis!! Facebook/MySpace lässt grüssen....wer achtlos mit seinen Daten umgeht braucht sich nicht zu wunder, wenn missbraucht damit betrieben wird....es gibt heutzutage nichts mehr umsonst.... Antworten


Peter Waldner

11.05.2009, 11:05 Uhr
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Martin Grosup hat Recht - der Weg gegen solche Verbrecher führt über die Telefongesellschaften! Antworten


Martin Grosup

11.05.2009, 07:39 Uhr
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Solche Betreiber haben in DE schon lange einen Namen: Abofallen. Traurig, dass die Telefongesellschaften bei sowas mitspielen und bei Beschwerden nicht sofort die Geldausschüttung an derartige Anbieter stoppen. Über die Technik wird leider zu wahrscheinlich 99% betrogen! Mikropayment lässt sich über die Mobilrechnung auch sicherer gestalten. Antworten


Stefan Meier

10.05.2009, 22:47 Uhr
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Unsere Gesetz ist viel zu lasch gegenüber Betrügern und Abzockern. Ein paar Jahre im Bau versorgen, Steine klopfen bis zum Umfallen, das würde manchem Spitzbuben die Hemmschwelle, unachtsame Leute über den Tisch zu ziehen, etwas in die Höhe treiben. Antworten



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