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«...ausser Kim Jong-il möchte Selbstmord verüben»

Von Reto Knobel. Aktualisiert am 21.06.2010

Hoffnungsschimmer für die abgeschotteten Nordkoreaner? Das stalinistische Regime wagt erste Schritte in Richtung Öffnung des Internets. Mit welchen Konsequenzen?

1/8 Warnung vor der Technik: Dieses Schild an der nordkoreanischen Grenze im Süden des Landes warnt Besucher, Geräte wie Handys, Navis, USB-Sticks, Digicams und MP3-Player einzuführen.

   

Der Führer ist immer dabei

Laut einem Bericht des Onlineportals «The Chosun Ilbo» bekommt jeder nordkoreanische Handybesitzer – es sollen derzeit 120'000 Geräte im Umlauf sein – beim Einschalten des Geräts das Gesicht von Kim Jong-il zu sehen. Alle Mobiltelefone sind so voreingestellt, dass die Kalenderfunktion nur die Geburtstage des aktuellen Herrschers sowie seines Vorgängers Kim Il Sung anzeigt.

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Die Meldung ist sieben Jahre alt und rückblickend nicht mehr als ein Scherz: 2003 erklärte Nordkoreas stellvertretender Handelsminister Ri Yong-nam, dass auch sein Land Anschluss an das Internet bekomme. Drei Jahre später doppelte Choe Thae Bok, Chef der obersten Volksversammlung, nach: Man wolle eine Strategie entwickeln, mit welcher Nordkorea zur IT-Supermacht aufsteige. Schnell werde man ein nationales Datennetz und eine hoch entwickelte Software-Industrie aufgebaut haben.

Das Internet ist nur ein Intranet

Es blieb bei den Bekundungen Auch im 21. Jahrhundert ist das letzte stalinistische Überbleibsel konsequent von der Aussenwelt abgeschottet. Von den 24 Millionen Nordkoreanern haben nur ein paar Tausend linientreue Einwohner Zugriff aufs Internet. Wenn man es überhaupt Internet nennen darf: Das vor genau zehn Jahren in Betrieb genommene Projekt Kwangmyong ist zwar ein Online-Netzwerk, verbindet aber nur inländische Institutionen.

Die Online-Restriktionen sind wenig verwunderlich angesichts der Tatsache, dass sogar Reisen im Inland nur mit Genehmigung möglich sind, ausländische Radiosender nicht empfangen werden dürfen (und können), internationale Telefongespräche überwacht werden und Touristen, die ins Land einreisen, ihr Handy an der Grenze abgeben müssen.

IP-Adressen aktiviert

Mit Technik fürs Volk hat das Regime also seine liebe Mühe. Nun gibt es Anzeichen für eine leise Öffnung. Laut einem Bericht der «Computerwoche» wurden jetzt, völlig überraschend, für Nordkorea reservierte IP-Adressen aktiviert. Die 1024 IP-Adressen seien der nordkoreanischen Firma Star Joint Venture übertragen worden, welche ihrerseits zu Loxley Pacific gehöre. Der thailändische Konzern ist bereits seit Längerem in Nordkorea präsent, so hat es 2002 mit dem Aufbau des Mobilfunknetzes begonnen.

«Das Internet wird niemals frei zugänglich sein»

Koreakenner Leonid A. Petrov gibt sich bezüglich einer Lockerung der Informationsfreiheit indes extrem skeptisch. «In der heutigen Demokratischen Volksrepublik Korea gibt es keinen Platz für das Internet», so der Korea-Professor an der Universität Sydney gegenüber dem «San Francisco Chronicle». «Hätten die Nordkoreaner freien Zugriff aufs Internet, würden sie die Wahrheit erfahren, die ihnen sechs Jahrzehnte vorenthalten wurde. Das Internet wird niemals frei zugänglich sein in diesem Land – ausser Kim Jong-il und seine Nachfolger möchten Selbstmord verüben.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.06.2010, 12:18 Uhr

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