Jobs-Hasser hält Vortrag an der ETH
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 28.10.2011 116 Kommentare
Update vom 28. Oktober 2011
Richard Stallman liess uns folgendes Statement zukommen:
«Ich habe Steve Jobs nie gehasst, ich kannte ihn ja kaum. Wenn ich darüber nachdenke, kann ich seinen Tod nur genauso bedauern, wie den Tod jedes anderen mir unbekannten Menschen. Allerdings bin ich weitaus mehr darüber besorgt, was er denjenigen angetan hat, die noch leben.
Jobs hat Computer hervorgebracht, die neue Maßstäbe der Entmündigung gesetzt haben: Die Anwender werden sogar in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt, welche Programme sie installieren dürfen. Freie Software, welche die Freiheit der Anwender respektiert, ist gänzlich verboten.
Er hat Millionen zur Selbstentmündigung verführt, indem er dies zur Mode machte. Es wird schwer werden, diesen Schaden wieder rückgängig zu machen. Der erste Schritt dabei ist, dies überhaupt als Schaden zu erkennen. Wenn Menschen in einer Demokratie jemanden bewundern, der ihre Freiheit beschränkt, was Steve Jobs getan hat, dann sollte jeder, der Freiheit liebt, widersprechen.»
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Die Bestürzung über den Tod von Steve Jobs letzte Woche war riesig. Nach ein paar Tagen und unzähligen Ehrerbietungen in der Presse wurden auch kritische Stimmen über das Vermächtnis des ehemaligen Apple-Chefs laut (auch auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet).
Die Worte, die Richard Stallman braucht, haben allerdings das Mass des Zumutbaren überschritten: «Ich bin nicht froh, dass Steve Jobs tot ist, aber ich bin froh, dass er weg ist», schreibt der weltbekannte Internetaktivist und Free-Software-Foundation-Gründer.
Hoffentlich «weniger erfolgreich»
Weiter heisst es auf seiner Homepage: «Wir verdienen alle das Ende des unheilvollen Einflusses von Jobs auf die Computernutzung der Menschen.» Leider bleibe aber dieser Einfluss auch nach seinem Ableben bestehen: Die Welt könne nur «darauf hoffen, dass seine Nachfolger, die versuchen, sein Erbe weiterzuverfolgen, weniger erfolgreich sein werden».
Der Hintergrund: Stallman zählt seit Jahrzehnten zu den radikalsten Verfechtern von freier Software und des unbegrenzten Informationsflusses, Apple (AAPL 562.29 -0.54%) hingegen verkauft nur geschlossene Systeme. Im jüngsten Beitrag Stallmans werden Macs denn auch als «Gefängnisse» verglichen, welche «Idioten» ihrer Freiheiten berauben würden.
Ausserdem vergleicht Stallman den vergangene Woche nach langem Krebsleiden verstorbenen ehemaligen Apple-Chef indirekt mit dem «korrupten Daley» (Richard M. Daley: Ehemaliger Bürgermeister von Chicago, Red.).
«Mit Abstand das Verrückteste»
Die Zeilen haben weltweit für heftige Reaktionen gesorgt. «Zdnet»-Autor Adrian Kingsley-Hughes etwa schreibt, Stallmans Worte seien «mit Abstand das Verrückteste», was je geschrieben wurde – «und ich habe schon viele verrückte Sachen von vielen verrückten Leuten gehört». Auch Joe Brockmeier von «Readwriteweb» reagiert mit scharfen Worten auf den Stallman-Blog: Natürlich müsse Stallman nicht vorgeben, Jobs geschätzt zu haben, aber sich öffentlich über dessen Ableben zu freuen, sei «verachtenswert». Stallman habe mit seinem Eintrag der Bewegung für freie Software enorm geschadet.
Obwohl Stallman seinen Beitrag nicht auf der offiziellen Seite der Free Software Foundation (FSF) publiziert hat, hat ein anderer bekannter Aktivist für freie Software, Larry («The Free Software Guy») Cafiero, den Austritt aus der FSF angekündigt.
Stallman, der sich bislang nicht für seine Wortwahl entschuldigt hat, bleibt bis auf weiteres ein gefragter Mann. Jedenfalls in der Schweiz: Er hält am 18. Oktober in Zürich auf Einladung der ETH Zürich einen Vortrag über seine Idee der digitalen Gesellschaft.
ETH hält an Vortrag fest
ETH-Mediensprecher Roman Klingler äussert sich auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wie folgt zum Thema: «Die Art und Weise, wie sich Herr Stallman über den Tod von Apple-Gründer Steve Jobs geäussert hat, ist unseres Erachtens geschmacklos. Herr Stallman wurde als eine zentrale Figur der freien Software-Szene an die ETH eingeladen, um über die digitale Gesellschaft zu referieren. Wir betrachten Herr Stallmans Äusserungen zum Tod von Steve Jobs als seine Privatsache und werden deshalb auch am vereinbarten Vortrag festhalten. »
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.10.2011, 12:44 Uhr
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116 Kommentare
"...sich öffentlich über dessen Ableben zu freuen, sei «verachtenswert»...." - Hat er ja nicht. Er hat ausdrücklich gesagt "Ich bin nicht froh, dass Steve Jobs tot ist".
Das er froh ist, dass Jobs damit nicht weiter aktiv Einfluss auf die IT Entwicklung nehmen kann, ist völlig legitim. Vermutlich hat er ja, wie so oft bisher, recht damit.
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Steve Jobs war radikal und Richard Stallman ist es auch. Und dieser Satz «Ich bin nicht froh, dass Steve Jobs tot ist, aber ich bin froh, dass er weg ist» relativert die Aussage dieses Artikels schon wieder. Der Satz ist, radikal gedacht, so nicht falsch! Steve Jobs war für die Unfreiheit der User. Dieser Fact ist bekannt und wiederspricht somit dem Gedankengut von Stallmann. Antworten
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