«Kampf gegen ‹Wanna Cry› ist beendet»

Hunderte Computerexperten haben die Ausbreitung der Schadsoftware bekämpft, unter ihnen der IT-Experte Marcus Hutchins.

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Der wesentlich in den Stopp der «Wanna-Cry»-Cyberattacke involvierte IT-Experte Marcus Hutchins hat den Kampf gegen die Ausbreitung der Schadsoftware für beendet erklärt. Hunderte Computerexperten hätten am Wochenende daran gearbeitet, den Angriff einzudämmen, sagte der 22-Jährige der Nachrichtenagentur AP am Montag. Er sei derjenige gewesen, der die Internet-Domain registriert habe, die den Virus schlussendlich lahmlegte.

Er bezeichne sich selbst nicht als Helden – mit dem Titel hatten ihn andere geschmückt – sondern sehe den Kampf gegen Schadsoftware vielmehr als das Richtige an, das getan werden solle. Laut der europäischen Polizeibehörde Europol gab es seit der Attacke am vergangenen Freitag mindestens 200'000 Opfer in 150 Ländern.

Der 22-Jährige hatte die Malware eingedämmt, in dem er einen sogenannten Kill Switch in dem Programm aktivieren konnte. Das tat er, indem er eine Internet-Domain registrierte, auf die das Programm immer wieder zugriff. Offenbar hatten die Hintermänner diese Notbremse eingebaut, um das Virus selbst stoppen zu können.

Kanadas Telekom-Gigant meldet Datendiebstahl

Kanadas grösster Telekomkonzern BCE hat einen Hackerangriff öffentlich gemacht. Die Eindringlinge hätten sich Zugang zu rund 1,9 Millionen aktiven Email-Adressen sowie zu 1700 Namen und aktiven Telefonnummern verschafft, teilte das Unternehmen am Montag mit.

Hinweise auf einen Diebstahl von Finanzinformationen, Passwörtern und anderen persönlichen Daten gebe es aber nicht. Die Attacke soll zudem nicht im Zusammenhang mit der weltweiten Ausbreitung der «Wanna-Cry»-Schadsoftware stehen, mit der Computerbesitzer erpresst werden sollen.

Film geklaut

Wie der kanadische Konzern melden werden immer mehr Firmen Opfer von Cyberkriminalität. So ist der US-Medienkonzern Walt Disney dem Branchenblatt «Hollywood Reporter» zufolge Ziel eines Erpressungsversuchs von Hackern geworden. Die Täter hätten Zugriff auf einen nicht genannten neuen Film von Disney und verlangten Lösegeld, hiess es in dem Bericht vom Montag unter Berufung auf mehrere Quellen. Dies habe Unternehmenschef Bob Iger in New York bei einem Auftritt vor Beschäftigten des konzerneigenen Senders ABC gesagt.

Die Erpresser verlangten eine hohe Summe in der Cyberwährung Bitcoin. Disney weigere sich aber, den Betrag zu zahlen. Vom Unternehmen war keine weitere Stellungnahme zu erhalten.

Kaum Geld erhalten

Die Opfer des «Wanna-Cry»-Cyberangriffs zahlten nach neuesten US-Angaben bisher weniger als 70'000 Dollar an Lösegeld. Es sei dabei ausserdem kein Fall bekannt, in dem eine Zahlung auch tatsächlich zu einer Freigabe der Daten geführt habe, sagte am Montag Tom Bossert, Heimatschutz-Berater von Präsident Donald Trump.

Er sprach von mehr als 300'000 betroffenen Computern in 150 Staaten. Das Sicherheitsunternehmen Avast hatte zuvor erklärt, es seien 213'000 Geräte in 115 Ländern infiziert. Die Anzahl der Neuinfektionen habe am Montag aber deutlich abgenommen. Die Schadsoftware «Wanna Cry» treibt seit Freitag auf Windows-Computern ihr Unwesen. Dabei wird der Rechner blockiert und ein Lösegeld gefordert. (chk/sda/AP)

Erstellt: 16.05.2017, 03:39 Uhr

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