Schweiz bei Cyberkriminellen weniger beliebt

Trotz der markanten Zunahme der weltweiten Internetkriminalität ist die Schweiz sicherer geworden. Bei den bösartigen Aktivitäten, beispielsweise Viren oder Spam, fiel die Schweiz von Platz 35 auf Platz 43 zurück.

Bei Schadcode-Aktivitäten zurückgefallen: Internet in der Schweiz.

Bei Schadcode-Aktivitäten zurückgefallen: Internet in der Schweiz. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Trotz der markanten Zunahme der weltweiten Internetkriminalität ist die Schweiz sicherer geworden. Bei den bösartigen Aktivitäten, beispielsweise Viren oder Spam, fiel die Schweiz von Platz 35 auf Platz 43 zurück.

Damit scheine unser Land dem globalen Trend zu trotzen, teilte die US-Sicherheitssoftwarefirma Symantec am Dienstag anlässlich der Veröffentlichung ihres jüngsten Internetsicherheitsberichts mit. Eine Erklärung sei, dass die Cyberkriminellen in anderen Ländern wie den Niederlanden oder Südkorea ihre Aktivitäten verstärkt hätten. Diese Länder hätten die Schweiz nun überholt.

Anbieter gehen aktiv gegen Botnetze vor

Zudem würden die Schweizer Internetanbieter aktiv gegen den sogenannten Botnetz-Befall vorgehen und die Nutzer über eine Infektion informieren, hiess es weiter.

Bots sind Programme, die sich vom Nutzer unbemerkt im Computer einnisten und sich im Internet zu einem Netz verbinden. Über dieses Netzwerk können dann Angreifer die Rechner manipulieren und automatisch auf Informationen zugreifen.

Bei den durch Botnetze infizierten Computern fiel die Schweiz von Platz 24 auf Platz 30 zurück. Allerdings sei auch Platz 30 angesichts der Bevölkerungszahl der Schweiz relativ hoch, sagte Computervirenjäger Candid Wüest von Symantec im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Dies liege an der grossen Dichte an Breitbandanschlüssen, die Computer attraktiver und anfälliger für Botnetze machten.

USA an Spitze

Weltweit hat die Internetkriminalität im vergangenen Jahr erneut zugenommen, wenn auch nicht so stark wie im Jahre 2009. Damals hatte sich die Zahl der neuen individuellen Schädlinge auf 240 Millionen verdoppelt. Nun hat sie 2010 nochmals um fast ein Fünftel auf 286 Millionen zugenommen.

Weltweiter Spitzenreiter sind die USA. Dort würden sich 19 Prozent der weltweit gesamten Malware-Aktivitäten abspielen, hiess es. Dies ist ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (20 Prozent).

Auf Platz zwei liegt wie im Vorjahr China. Allerdings scheint das Reich der Mitte immer mehr zum Reich des Cyber-Bösen zu werden. Der Anteil an den weltweiten sogenannten Schadcode-Aktivitäten hat sich auf 16 Prozent beinahe verdoppelt. Einerseits sei die Zahl der Breitbandanschlüsse gestiegen. Andererseits seien immer mehr Werkzeuge zum Bau von Schädlingen auch auf Chinesisch verfügbar, sagte Wüest.

Stuxnet und soziale Medien

2010 sei das Jahr der gezielten Attacken, hielt Symantec fest. Schlagzeilen machte vor allem der mysteriöse Computerwurm Stuxnet, der seit Juni grosse Teile der iranischen Atomanlagen lahmlegte. Die Urheber des Schädlings sind unbekannt. Allerdings häufen sich die Berichte, dass die USA und Israel den Computerwurm entwickelt haben sollen, um iranische Atombombenpläne zu sabotieren.

Immer häufiger tummeln sich die Internetkriminellen aber auch in den zunehmend beliebteren sozialen Medien wie beispielsweise Facebook. Eine Angriffsmethode sei das Einschleusen von Kurz-Internetadressen in soziale Netzwerke. Dadurch hätten die Internetverbrecher ihre Phishing-Attacken (zum Klau von persönlichen Zugangsdaten) gestartet oder ihren Schadcode verbreitet. Die Zahl der Infektionen habe sich dramatisch erhöht.

Zunehmend auch Smartphones im Visier

Im Visier der Verbrecher sind auch die boomenden Alleskönnerhandys, auf die sich die Zahl der Angriffe innerhalb eines Jahres verdoppelt hat. Am meisten Schädlinge gebe es für Nokia-Handys, sagte Wüest.

In den letzten Wochen seien indes die häufigsten Attacken auf Google-Handys von Trojanern ausgegangen, die als legitimierte Programme aus dem Android-App-Store heruntergeladen worden seien. Aber auch die Besitzer von geknackten iPhones seien in Gefahr, sagte Wüest. (ah/sda)

Erstellt: 05.04.2011, 15:57 Uhr

Artikel zum Thema

EU untersucht Cyberangriff auf Mitarbeiter

Mitarbeiter der Europäischen Union und der diplomatische Dienst der EU sind gezielt von Hackern angegriffen worden. Mehr...

Internetbetrüger nutzen Unruhen in arabischen Ländern aus

Cyberkriminelle wollen über verseuchte Mails mit der dramatischen Lage in Libyen Geschäfte machen. Mehr...

Warum der Cyberwar doch gefährlich ist

Ein Ausbruch des Cyberwars ist unwahrscheinlich. Gefährlich ist jedoch die Aufmerksamkeit, die wir ihm geben. Mehr...

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

Blogs

Sweet Home 15 Ideen für den allerschönsten Balkon

Beruf + Berufung Die Mission der Teilzeitchefin

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Strassenkunst: Ein übergrosses Graffiti ziert die Wand eines Hochhauses in Berlin (28. April 2017).
(Bild: Felipe Trueba) Mehr...