Apple muss das Rad nicht neu erfinden, nur runder machen

Sehen wir heute die Smartwatch der Zukunft? Warum man die Kreditkarte aber noch nicht zücken muss, erfahren Sie in unserer Analyse.

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Heute wird Apple voraussichtlich seinen ersten Computer fürs Handgelenk vorstellen (Liveticker ab 18 Uhr auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet). Egal ob der aussieht wie eine Uhr oder ein Armband: Es ist höchste Zeit, dass tragbare Computer einen Schritt vorwärts machen. Dabei muss es uns Konsumenten nicht kümmern, welche Firma dahintersteckt. Entscheidend ist, dass die smarten Armbänder und Uhren ein ganzes Stück besser werden. Unser Umgang mit der digitalen Welt muss einfacher werden. Noch immer verschwenden wir viel zu viel wertvolle Zeit mit Klicks, Warten und schlechten Apps.

Gespanntes Warten auf die Apple-Show von heute Abend:

(Video: Reuters)

Wenn ein Unternehmen in den letzten Jahren bewiesen hat, dass es neue Technologie massentauglich machen kann, ist es Apple. Weder das iPhone noch das iPad waren technologische Meilensteine. Sie waren aber Meilensteine, was das Design und vor allem die Bedienung angeht. Bevor Apple das erste iPhone vorstellte, hatte ich ein Nokia, das noch mehr konnte und in allen Belangen besser war – nur eben nicht besser aussah und äusserst mühsam zu bedienen war. Auch das iPad konnte nicht mehr als die Tablet-PC, die Bill Gates Anfang der Nullerjahre vorstellte, es konnte es nur eleganter und einfacher.

Einfacher, schlauer, schöner

Genau diese Qualitäten sind nun bei den Handgelenk-Computern gefragt. Sie müssen einfacher, schlauer und schöner werden. Apple muss das Rad nicht neu erfinden, es muss es runder machen. Die Technologie ist da. Das zeigen all die smarten Uhren, die auch an der Internationalen Funkausstellung in Berlin gezeigt wurden. Googles Android Wear ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die analoge Uhr mit Schrittzähler von Withings ein weiterer. Auch die runden Uhren von Motorola und LG zeigen, was möglich ist. Jetzt muss jemand diese Puzzleteile nur noch richtig zusammensetzen.

Apple mit seiner Detailversessenheit ist dafür prädestiniert. Doch wenn es die Kalifornier nicht hinkriegen, stehen andere Unternehmen bereit. Microsoft könnte überraschen, oder vielleicht traut sich Swatch doch noch etwas und baut nicht nur bloss einen Bewegungssensor in seine Uhren ein. Es wird ein bisschen dauern, aber gute Ideen setzen sich am Ende durch. Patente hin oder her.

Als Konsument nichts überstürzen

Sowieso sollte man im Umgang mit Technologie als Konsument nichts überstürzen. Das erste iPhone war verlockend, aber unausgereift, das zweite schon deutlich besser und erst das dritte richtig gut. Dieses Schema wiederholt sich immer wieder: Das erste Android-Handy war nur ein Schatten dessen, was folgen sollte, das erste iPad solid, aber nach einem Jahr überholt, Sonys erste Objektivkamera eine Enttäuschung. Was immer Apple heute vorstellen wird, spätestens in einem Jahr folgt der bessere Nachfolger.

Darum, werte Leserinnen und Leser, bewahren Sie heute Abend am besten Ruhe und schliessen die Kreditkarte sicher weg. So gut die Apple-Show auch wird, gute Geräte brauchen Zeit und Geduld.

Das grosse Aber mit dem Akku

Vergessen wir das Problem der Batterielaufzeit nicht. Dass Handys nur einen Tag durchhalten, damit haben wir uns halbwegs abgefunden. Eine Uhr dagegen darf nicht nach 12 Stunden schlappmachen. 24 Stunden sind das mindeste, fünf Tage wären toll und alles ab einer Woche wäre wirklich interessant. In diesem Bereich ist Apple besonders gefordert. Bei all den Sensoren und grossen Bildschirmen, die technisch möglich sind, darf der Akku nicht vergessen werden. Was nützt die beste Smartwatch, wenn man sie ständig ausziehen und aufladen muss?

Da der Quantensprung beim Akku wohl ausbleiben wird, ist es nun an Apple, den besten Kompromiss aus Akkuleistung, Design und Funktionen zu finden. Apple ist mutig genug, diesen Kompromiss zu finden. Als Konsumenten können wir Apple dafür nur dankbar sein, auch wenn wir dann doch das günstigere Modell von Samsung kaufen werden. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 09.09.2014, 09:12 Uhr)

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