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Apples unheimliche Datensammlerei

Sowohl iPhones als auch Macs senden seit zwei Jahren heimlich Aufenthaltsdaten sowie den Standort von WLAN-Netzwerken und Mobilfunkmasten an Apple-Server.

Behält seine Schäfchen im Auge: Apple-Chef Steve Jobs.

Behält seine Schäfchen im Auge: Apple-Chef Steve Jobs.
Bild: AFP

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Datenschützer beunruhigt

In einem Interview von Schweizer Radio DRS anfang Juli zeigte sich der Eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür beunruhigt. Apple räume sich sehr weitgehende Freiheiten für die Bearbeitung, Auswertung und Weitergabe der Daten an Dritte ein. Dennoch seien ihm die Hände gebunden. Denn: «Wir haben Vertragsfreiheit in der Schweiz. Jeder, der ein solches Produkt kauft, gibt seine Einwilligung in diese Bestimmungen, die ganz klar formuliert sind», sagte Thür am Radio.

Es sei «niemand gezwungen, ein entsprechendes Produkt zu kaufen oder eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen», so Thür. Er hofft, dass mit zunehmender Sensibilisierung der Kunden der Markt zu Gunsten von datenschutzfreundlichen Produkten spielen werde.

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Auf Unternehmensebene kann Apple (AAPL 493.42 0.05%) mehr als zufrieden sein: Der US-Computerhersteller hat den höchsten Quartalsumsatz seiner Geschichte eingefahren und damit die hohen Erwartungen der Analysten noch übertroffen (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete).

Politisch sieht sich der weltgrösste IT-Konzern indes mehr und mehr in die Defensive gedrängt. Der Hintergrund: Im Frühling änderte Apple seine Datenschutz-Richtlinien, um Positionsdaten der Nutzer zu speichern und an Partner weiterzugeben. «Apple, unsere Partner und Lizenznehmer können genaue Standortdaten sammeln, benutzen und teilen, inklusive des Echtzeit-Standorts Ihres Apple-Computers oder -Geräts», heisst es konkret in der neuen Fassung.

Jobs führte Nutzer in die Irre

Die US-Abgeordneten Edward J. Markey und Joe L. Barton vermuteten, dass Apple damit gegen US-Recht – respektive gegen einen Abschnitt im Federal Communications Act – verstösst, und forderten Apple darum auf, Klarheit zu schaffen. «Da die Nutzer kaum eine Möglichkeit haben, sich den neuen Bestimmungen zu entziehen, wenn sie die Features ihrer Apple-Produkte nutzen wollen, sind wir besorgt über die Auswirkungen der Datensammlung auf die Privatsphäre der Kunden», hiess es in einem Brief der Politiker an Firmenchef Steve Jobs.

In der jetzt publizierten Antwort an den US-Kongress musste Apple einräumen, dass mit dem iPhone bereits seit zwei Jahren unbemerkt Daten von Kunden gesammelt und auf den Unternehmensservern gespeichert werden. Damit ist Apple in der Lage, den exakten Standort von Smartphone-Besitzern zu orten. In einer weiteren Präzisierung schreibt Apple, dass iPhones (und iPads) die verschlüsselten Infos im Zwölfstundenrhythmus an die Datenbank senden.

Daten werden anonymisiert

Apple kommunizierte diese Praxis erst auf politischen Druck, obwohl Jobs selbst unlängst die Unterschiede zur Sammelwut anderer Unternehmen (wie Google) hervorhob. Datenschutz bedeute, «dass die Menschen verstehen, wofür sie sich anmelden». Apples Motto laute: «Lass die Nutzer genau wissen, was du mit ihren Daten tust.» Ausserdem wurde das Schreiben nicht von Apple, sondern von Cnet.com veröffentlicht.

Im Apple-Hauptquartier in Cupertino versucht man, die Gemüter zu beruhigen: Alle Daten von iPhone-Nutzern wie anonymisierte Informationen zum GPS-Standort sowie WLAN-Netzen und Mobilfunkzellen würden anonymisiert gespeichert, es seien keine Rückschlüsse auf den einzelnen Anwender möglich. Schliesslich würden die Informationen höchstens ein halbes Jahr lang gespeichert. Auch die für die firmeneigene Werbeplattform iAd gesammelten Daten würden nicht gespeichert, sondern in eine Postleitzahl umgewandelt.

So kann man den Ortungsdienst deaktivieren

Ausserdem, so Apple, könne der Nutzer die Ortungsdienste selbst abschalten (unter «Allgemein» die Funktion «Ortungsdienste» auf «Aus» stellen. Falls man das iPhone-Update auf iOS 4 gemacht hat, zeigt ein Pfeil-Icon neben der Akku-Anzeige an, wenn eine App aktiv ist, die mit dem Ortungsdienst arbeitet. In den Einstellungen kann der Nutzer für jede App einzeln definieren, ob sie den Ortungsdienst nutzen darf).

Ob diese Beschwichtigungen ankommen? Zweifel sind angebracht: Nach Antennagate sieht sich Apple mit einer weiteren ernsten Krise konfrontiert: In den USA kursiert bereits der Begriff «iSpy-Affäre». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.07.2010, 13:41 Uhr

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