Apps: Was dank Geo-Funktionen möglich wird

Smartphones wissen, wo wir gerade sind. Das hilft bei der Suche nach Restaurants oder bei der Orientierung in fremden Städten. Doch das ist erst der Anfang

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Das Smartphone ist zu unserem steten Begleiter geworden. Kaum ein Schritt, ohne dass das kleine Kästchen mit dem Bildschirm dabei ist. Längst brauchen wir es nicht mehr nur zum Telefonieren oder um Nachrichten zu schreiben. Das Smartphone hilft uns dank zahlreicher Apps und Sensoren auch bei der Orientierung. Es weiss, wo wir gerade sind und wie wir uns bewegen. Es merkt sogar, wenn wir das Gerät hochheben oder drehen.

Dafür verantwortlich ist eine Kombination aus Lage- und Beschleunigungssensoren sowie die Möglichkeit, den aktuellen Standort mit GPS-Satelliten, Mobilfunkantennen oder WLAN-Netzen zu bestimmen. So wird aus einem Telefon ein Navigationsgerät, ein Kompass und sogar eine Wasserwaage.

Wie zentral Lage- und Geo-Informationen geworden sind, zeigen die Aktivitäten der grossen Technologiekonzerne. Google wird nicht müde, zu erwähnen, wie wichtig die Geografiekomponente bei jeder Suche ist. Apple ist mit Vollgas daran, einen eigenen Kartendienst zu schaffen, und verbaut im neusten iPhone einen speziellen Prozessor für die Verarbeitung von Bewegungsdaten. Nokia plant zwar, seine Telefonsparte an Microsoft zu verkaufen, das eigene Kartenangebot «Here» wollen die Finnen aber nicht aus der Hand geben.

Was dereinst mit der Kombination von Kartendaten und Lagesensoren möglich wird, zeigen Apps, die mehr können, als nur den Weg von A nach B zu finden oder ein gutes Restaurant in Gehdistanz zu empfehlen.

Recorder in der Hosentasche

Eine der aktuell spannendsten Apps ist Moves vom finnischen Entwickler Protogeo. Damit wird das Smartphone zum intelligenten Schrittzähler und Geo-Tagebuch. Einmal gestartet, notiert Moves die Bewegungen der Nutzer. So bekommt man am Ende eines Tages nicht nur die Anzahl Schritte präsentiert, sondern eine Zusammenfassung seines Tagesablaufs. Wie lange dauerte der Arbeitsweg? Von wann bis wann war man im Büro?

Die App merkt dank den vielen Sensoren eines Smartphones automatisch, ob man gerade läuft, rennt, Velo fährt oder im Zug unterwegs ist. Die Androidversion der App ist kostenlos, die iPhone-Version ist seit letzter Woche kostenpflichtig und noch bis Ende November für 2 Franken (danach 3 Franken) im App-Store erhältlich. Was Moves von ähnlichen Apps abhebt, ist die elegante Benutzeroberfläche, die ohne viel Text und Menüs auskommt.

Ähnliche Funktionen sind auch in die zwei verbreitetsten Betriebssysteme Android und iOS eingebaut. Das neue iPhone speichert automatisch Orte, an denen man häufig war, und bei Google lassen sich unter «Location History» vollständige Ferienreisen nachverfolgen, die das Handy im Hintergrund aufgezeichnet hat. Beide Funktionen lassen sich jedoch deaktivieren.

Trotzdem sind Datenschutzbedenken bei solchen Funktionen durchaus angebracht. Da die Sensoren aber fester Bestandteil eines jeden Smartphones sind, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich damit zu arrangieren. Beim Installieren von Datensammler-Apps ist eine gewisse Zurückhaltung aber auf jeden Fall empfehlenswert.

Wegweiser zur Tramhaltestelle

Eine zentrale Rolle spielen solche Geo-Funktionen besonders bei Augmented-Reality-Anwendungen. Hier werden die digitale und die analoge Welt noch stärker miteinander verbunden. Dabei werden auf reale Objekte zusätzliche Informationen projiziert.

Ein Beispiel dafür ist die Departures-App fürs iPhone (2 Franken) eines Zürcher Entwicklers. Sie projiziert auf das Bild der Handykamera die Abfahrtszeiten von Tramstationen. So muss man nur sein Handy in die Höhe halten und schon weist es einem den Weg zur nächsten Tramhaltestelle und zeigt, ob ein Spurt angebracht ist oder ob man gemütlich schlendern kann. Eine Fahrplan-App mit ihren vielen Funktionen ersetzt Departures allerdings nicht.

Eine noch verspieltere Verbindung von digitaler und analoger Welt kommt aus dem Haus Google. Das kostenlose Geo-Spiel «Ingress» (aktuell nur für Android) macht aus Kartendaten ein Spielfeld und den Nutzer zur Spielfigur. Überall auf der Karte an markanten Punkten befinden sich sogenannte Portale, die es zu erobern, zu bewirtschaften und zu verteidigen gilt.

Gespielt wird in zwei Mannschaften: Blau gegen Grün. Für eine der beiden muss man sich entscheiden. Ziel des Spiels ist es, für seine Mannschaft so viele Portale wie möglich zu erobern und diese miteinander zu verbinden. Erobert wird per Berührungen auf dem Bildschirm. Aber das geht nur, wenn man auch tatsächlich in der Nähe des jeweiligen Portals ist. Spazieren ist also Pflicht.

«Räuber und Poli 2.0»

Ingress macht auf Neulinge mit seiner futuristischen Ästhetik und den komplexen Funktionen anfangs einen abschreckenden Eindruck. Dank Einführungsmissionen und mit etwas Geduld zieht einen das Spiel aber bald in seinen Bann. Schon nach wenigen Tagen legt man auf seinem Arbeitsweg zusätzliche Schlaufen ein, um etwa ein Portal in einer Parallelstrasse auch noch zu erobern.

Das Spannendste an «Ingress» sind aber die Mit- und Gegenspieler. So kann es passieren, dass ein eben erst erobertes Portal nach wenigen Minuten schon wieder von einem Gegenspieler zurückerobert wurde. Sieht man bei einem Portal jemanden konzentriert auf seinem Smartphone tippen, fragt man sich unweigerlich: Ist das ein Freund oder etwa ein Gegner? Am erfolgversprechendsten ist es, in Gruppen auf Eroberungszug zu gehen. Dazu koordinieren sich die Spieler in Foren und Chats.

Auch wenn «Ingress» kein Massenphänomen wie «Angry Birds» werden dürfte, zeigt auch diese App, was findige Entwickler mithilfe der Geo-Daten von Smartphones entwickeln können. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 18.11.2013, 07:44 Uhr)

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Beim Geo-Spiel «Ingress» wird die Umgebung zum Spielfeld. Screenshot: TA

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