Das bisschen besser

Apple zeigte gestern neue Produkte. Klar wurde: Die Tablets werden nur schrittchenweise verbessert. Wo bleibt der Mut?

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Apple ist der Meister der Salami-Taktik. Jedes Jahr ein bisschen mehr, aber bloss nicht zu viel. So auch gestern in Berlin.

Das Unternehmen hält aber nicht stur an dieser Taktik fest. Ist der Druck gross genug, reagiert Apple. Das iPad Mini ist ein Beweis dafür. Als kleinere Tablets populär wurden, hat Apple ebenfalls eins vorgestellt.

Die neuen iPhones sind ein zweiter Beweis dafür. Das iPhone 6 und das 6 Plus gehören zum Mutigsten, was Apple in den letzten Jahren gemacht hat. Die Software ist offener und die Telefone sind endlich grösser. Beides hatte Steve Jobs immer abgelehnt. Beides macht das iPhone deutlich besser. So gut sogar, dass ich mir zum ersten mal seit 2007 überlege, ein iPhone als Haupttelefon zu verwenden.

Fünf Jahre Produktpflege

Bei den Tablets wäre auch mehr Mut gefragt. Kaum zu glauben, das iPad wird im Januar fünf Jahre alt. Seit dem hat sich kaum etwas geändert. Die iPads wurden Jahr für Jahr in erster Linie schlanker und schneller.

Ich habe jedes dieser iPads ausführlich genutzt: teils privat, teils beruflich (vor allem als Arbeitsgerät beim iPad-Tages-Anzeiger).

Aktuell halte ich das iPad Air für das rundum beste Tablet. Es ist das einzige Apple-Gerät, das ich regelmässig nutze und für das ich für mich keinen vergleichbaren Ersatz gefunden habe. Das iPad Air 2 – so der erste Eindruck – hat alle Qualitäten, seinem Vorgänger den Rang abzulaufen. Dünner, leichter, schneller ist schliesslich immer willkommen.

(Video: Youtube/Apple)

Aber dünner, leichter, schneller kann nicht alles gewesen sein. Samsung, Sony, Lenovo und Microsoft zeigen, dass noch so viel mehr Potenzial in der Tablet-Kategorie steckt. Sonys Tablets sind wasserdicht und damit Sorglos-Tablets, die man auch mal abwaschen kann, wenn man sie beim Kochen verschmiert hat.

Samsung zeigt seit Jahren mit verschiedenen (Über-)Grössen, Stiften und der Möglichkeit, mehrere Apps nebeneinander zu nutzen, dass die Entwicklung längst noch nicht vorbei ist. Lenovos originelles Wulst-Design schafft nicht nur Platz für grössere Akkus. Besonders der ausklappbare Ständer ist äusserst praktisch.

Microsoft schliesslich hat mich mit dem neuen Surface Pro 3 umgestimmt, was 2-in-1-Geräte angeht. Ich habe mir eins gekauft. Die Magnet-Tastatur funktioniert besser als jede Bluetooth-Tastatur, die ich je für meine iPads hatte – und das sogar im Flugzeug. Selbst den Stift nutze ich auf meinem privaten Surface fleissig und möchte ihn für Telefon- oder Sitzungsnotizen nicht mehr missen.

Auch wenn keines dieser Tablets ein so rundes Nutzungserlebnis bietet wie das iPad, machen sie Lust auf mehr.

Wie weiter?

Überstürzen muss Apple freilich nichts. Mit 22 iPad-Modellen (Farbvarianten nicht eingerechnet) hat es ein umfassendes Angebot, das sich immer noch sehr gut verkauft und dank den zahlreichen speziell dafür entwickelten Apps kaum einen Vergleich scheuen muss. Mit den neuen Continuity-Funktionen, die die ganze Pallette an Apple-Geräten fliessend zusammenarbeiten lassen, ist der Anreiz grösser denn je, dem Apple-System treu zu bleiben. Ausruhen sollte sich das Unternehmen darauf aber nicht.

Was passiert, wenn man trödelt und abwartet, hat Apple bei den Telefonen auf die schmerzhafte Tour gelernt. Samsung und Android waren mutiger und sind davon gezogen. Wer weiss, was passiert, sollte das neue Tablet von HTC und Google in der Realität so gut sein, wie es die Ankündigung verspricht. Schliesslich hat 2010 das Nexus One von HTC und Google den Grundstein für den Siegeszug von Android auf Smartphones gelegt.

Aber vielleicht wagt ja Apple schon im Frühjahr den Sprung aus der Komfortzone mit einem grösseren iPad Pro und wenn nicht mit einer dafür entwickelten Tastatur, dann wenigstens mit einem wirklich guten Stift? Stifte hasste Steve Jobs zwar auch, aber wie war das nochmal mit grossen Telefonen?

Nach der iPad-Veranstaltung ist vor der iPad-Veranstaltung.

(Erstellt: 17.10.2014, 04:46 Uhr)

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