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Das iPhone ist ein Tubel

Von Nina Kobelt. Aktualisiert am 25.02.2011 6 Kommentare

Kriegt der Gegner im Smartphone einfach die besseren Karten? Gibt es süchtig machende Progrämmchen im Jassgame? Ein Jassspiel-Programmierer legt die Karten auf den Tisch.

«Stöck, Wyys, Stich»: Ein schneller Jass für unterwegs, der süchtig macht.

«Stöck, Wyys, Stich»: Ein schneller Jass für unterwegs, der süchtig macht.
Bild: zvg

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«Tubel!» Meine Jasspartnerin Alice spielt wieder mal richtig schlecht: Statt ihren letzten Trumpf ins Spiel zu werfen, lässt sie Gian stechen – und vermiest uns damit den Match, den wir auf sicher gehabt hätten. Alice und Gian und auch Monika sind Mitspieler in der iPhone-Applikation «Stöck, Wyys, Stich mobile». Ich fluche viel, wenn ich mit und gegen das Smartphone jasse.

So nervig ein virtueller Jass manchmal ist, so süchtig macht er. Noch eins, denke ich oft, nur noch eins. Und dann werdens zehn. Früher las ich Bücher vor dem Schlafengehen. Nun spiele ich einen Coiffeur oder einen Schieber und beschimpfe die virtuellen Mitspieler auf dem Display. Mit dieser App ists wie mit Pommes-Chips-Essen: Man kann nicht aufhören. Da muss irgendwas süchtig Machendes einprogrammiert worden sein.

Es fliesst halt durch die Adern

«Stimmt nicht», sagt Werner Bättig. Er ist der Projektleiter von «Stöck, Wyys, Stich mobile» und muss sich fast täglich Vorwürfe anhören. Dabei geht es aber weniger darum, dass ein gewalt- und pornofreies Game derart viele Nutzer süchtig macht, sondern um Beschwerden, dass der Computer immer gewinne. «Die Software weiss weder, wo welcher Spieler sitzt, noch, wer Vorsprung auf die anderen hat», sagt der Programmierer. «Die Spieler empören sich oft so sehr, wenn das Programm einem gleich dreimal hintereinander schlechte Karten austeilt, dass sie sofort bei uns anrufen.»

In der Firma Optobyte in Egliswil im Kanton Aargau werden seit Jahren Jassspiele entwickelt, früher für Windows und für Mac, heute auch fürs iPhone. Es sind Selbstläufer, wie Bättig sagt: «Es ist nicht so wie bei anderen Games, bei denen drei Monate lang ein Hype herrscht, bis das Spiel dann langweilig wird. Wer in unserem Land aufgewachsen ist, dem fliesst das Jassen ja sozusagen durch die Adern.»

Man habe durchaus diskutiert, ob man die Software ändern solle – zugunsten des Spielers. «Aber das wäre Bschiss», findet Bättig. Der Eindruck, der Computer habe die besseren Karten, lässt sich erklären: «Man spielt schneller als in Realität, also entstehen auch mehr aussergewöhnliche Situationen wie etwa vier gleiche Karten», erklärt Bättig. Der Computer vergesse nie, welche Karten schon gespielt worden seien, er könne gut rechnen und habe ausserdem manchmal einfach Glück. So wie der Mensch auch.

Menschen sind so langsam

Apropos Mensch: Letzthin sass ich einen Abend lang in der Beiz und jasste mit drei Kollegen einen Coiffeur. Es war furchtbar. Erstens konnte ich die Karten fast nicht mehr in einer Hand halten. Obwohl ich über 30-jährige Übung darin habe – was für eine Zumutung, Fingerkraft für diese papierenen Kärtli aufzuwenden. Wie auch das Zählen nach einem Spiel: Wie mühsam! Wie lange das dauert!

Am schlimmsten aber war an diesem Jassabend meine Ungeduld. Es vergeht eine gefühlte Ewigkeit, bis diese realen Menschen ihre Karte auf den Tisch legen. Überhaupt brauchen sie für alles unendlich lange. Und sie wagen es sogar noch, zwischendurch einen Schluck aus ihrem Glas zu nehmen. Ich trippelte solange ungeduldig mit den Fingern auf dem Tisch herum, bis mein Jasspartner fragte: «Stösst du mit deinen virtuellen Kollegen auch auf einen Sieg an? Macht ihr auch einen Handschlag, wenn ihr einen Match spielt? Und ist es wirklich so toll, herumzufluchen und ein Handy anzuschreien, auch wenn nie eine Reaktion kommt?»

Nein. Das ist es nicht. Darum gehe ich nächste Woche an ein Jassturnier. Und spiele heute im Bett wohl noch schnell einen Coiffeur. Oder zwei.

Stöck, Wyys, Stich mobile: Schieber, Differenzler, Coiffeur, Molotow, Fr. 7.70. Andere Jass-Apps fürs iPhone: «Schweizer Fernsehen: Samschtig-Jass», Schieber, Differenzler, Coiffeur, gratis; «Jass», u.a. «Schieber mit Schikanen», Fr. 4.40. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.02.2011, 13:22 Uhr

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6 Kommentare

Wenger Marc

25.02.2011, 13:38 Uhr
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Meine Rede.
Ich habe es oft auch erlebt, das die KI meines virtuellen Partners sehr zu wünschen übrig lässt. Wie oft musste ich mitansehen, wie er bei einem "obenabe" im dümmsten Moment ein Ass wegwirft, aber den passenden König nicht in der Hand hält. Selbstverständlich macht der Gegner den Stich mit dem weggeworfenen Ass.
Antworten


Dan Horber

25.02.2011, 14:10 Uhr
Melden

Manchmal frage ich mich, ob der virtuelle Partner nicht mein Gegner ist.... Antworten



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