Der Saugroboter wird smart

Der Roomba 980 säubert und lässt sich sogar per App zur Arbeit rufen. Der Hersteller hat fast alles richtig gemacht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wir sind seit gut einem Jahr Halter eines Saugroboters. Meine Frau traut dem elektronischen Hausangestellten nicht so ganz über den Weg und sieht sich bemüssigt, Saugbert I. gelegentlich hinterherzuputzen. Ich meinerseits bin gewillt, Saugbert I. – so unser Übername für den Roomba 880 – die Hoheit über die Bodenhygiene komplett abzutreten. Denn er erledigt seine Arbeit pflichtbewusst. (Siehe Der Roboter, der dem Staub den Kampf ansagt)

Allerdings: Er ist einigermassen unflexibel. Saugbert tritt seinen Dienst nach einem fixen, einprogrammierten Wochenplan an. Über die Fernbedienung oder den Knopf am Gerät kann man ihn starten und stoppen, wenn er ausserplanmässig in Aktion treten oder eine seiner Saugrunden auslassen soll.

Der neue Roomba 980, den ich von iRobot als Leihgerät zum Testen erhalten habe und der im Moment unter dem Namen «Saugbert II.» in unserer Wohnung seine Runden dreht, hat jetzt Zugang zum WLAN. Das bedeutet, dass man ihn über eine App steuert – und das nicht nur von überall in der Wohnung, sondern auch von ausserhalb via Internet. Wenn sich beispielsweise kurzfristig Besuch anmeldet, gibt man über die App iRobot Home (iPhone, Android) den Befehl für einen Extrasauggang.

Sauberer – oder leiser?

Das funktioniert bestens, und über die App lässt sich auch der Fortschritt der Putzarbeit verfolgen. (So man denn nichts Besseres zu tun hat.) Die App erlaubt auch die Konfiguration des Saugroboters: Man schaltet den Teppichturbomodus ein und aus. Er sorgt dafür, dass Teppiche mit erhöhter Saugleistung behandelt werden, damit Dreck besser aus den Fasern gelöst wird. Da das mit einer erhöhten Lärmentwicklung verbunden ist, kann man bei Bedarf auch auf den leiseren Ökomodus umschalten. Wenn man es besonders sauber mag, schaltet man die Option «Zwei Reinigungsdurchgänge» zu oder aktiviert die «Kantenreinigung»: Bei der wird entlang der Wände und Möbel gereinigt.

In der App ist unter «Verlauf» ersichtlich, wann Reinigungen ausgeführt wurden und ob sie erfolgreich beendet werden konnten – oder ob der Roboter irgendwo stecken geblieben ist oder sich im WC eingesperrt hat. (Was Saugbert I. gelegentlich getan hat.) Falls man stolzer Bewohner einer sehr grossen Wohnung ist und seinen Roboter nicht mehr findet, steht einem über die App eine Möglichkeit zur Verfügung, eine Lokalisierung durchzuführen. In der Rubrik «Pflege» sieht man, wenn der Schmutzbehälter geleert, Ladekontakte und Sensoren gereinigt und Schmutzextraktoren (das sind die runden Rollen beim Saugbereich) überprüft werden sollen.

Zweckmässig – und sehr teuer!

Fazit: Der Roomba 980 ist eine solide Weiterentwicklung: Die Steuerung per App ist zweckdienlich und eine markante Verbesserung gegenüber dem Vorgänger. Auch der Roboter selbst hat Fortschritte gemacht: Während der Vorgänger nach dem Zufallsprinzip navigierte und beim Kontakt mit einer Wand oder einem Möbel einfach seine Richtung änderte und so ein chaotisches Putzmuster an den Tag legte, hat der Roomba 980 zusätzliche Sensoren und bewegt sich kontrollierter. Er kann Staub-Hotspots wie Teppiche und Fussleisten besonders intensiv behandeln und funktionierte in unserem Test bislang zuverlässig – bis auf gelegentliche seltsame Aussetzer beim Aufspüren seiner Ladestation, die Saugbert I. so nicht hatte. Denkbar, dass diese mit Updates der Firmware verschwinden – denn iRobot verspricht, der Roomba 980 entwickle nach einigen Fahrten ein internes Abbild seines Arbeitsbereichs.

So gibt es am Roomba 980 denn nur drei Dinge auszusetzen: Er klingt etwas lauter als der Vorgänger – was ich aber nicht gemessen habe, sondern rein subjektiv beurteile. Als Fan der IFTTT-App (siehe Das ganze Netz zu Ihren Diensten) würde ich mir natürlich die Möglichkeit wünschen, den Roomba auch über diese Automatisierungs-App steuern zu können: beispielsweise, um Reinigungsläufe über meinen Google-Kalender zu planen oder – noch wichtiger – den Roboter an Feiertagen oder bei Besuchen von seiner Arbeit abzuhalten.

Der dritte und grösste Einwand ist der Preis: Er ist mit 999 Franken sehr stolz und macht den Roomba zu einem Luxusgut und leider nicht zu einem Haushaltshelfer für jedermann. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 09.03.2016, 19:52 Uhr)

Stichworte

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Blogs

Sweet Home 15 Ideen, die den Sommer nach Hause bringen

Mamablog Der verlorene Sohn und die Medien

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Geben Vollgas: Beyoncé und Kendrick Lamar bei einem gemeinsamen Auftritt an den BET-Awards in Los Angeles (26. Juni 2016).
(Bild: Danny Moloshok) Mehr...