Die Zürcher App für Stadttouren

In Paris zum besten Restaurant, in Florenz zur schönsten Kirche: Zwei Zürcher haben eine App entwickelt, mit der man seine selbst erstellten Stadttouren hochladen kann.

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Fabian Scheiwiller und Rafael Schneider sind frischgebackene Interaction Designer der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK). Sie haben für ihre Bachelor-Arbeit die iPhone-App Plear entwickelt (Android-Version ist geplant). Mit ihr können Nutzer eine Stadt via Audiotour erkunden. Und dies vor allem fernab klassischer Touristenpfade. Die Tipps konzentrieren sich auf Insider- oder Spezialwissen über eine bestimmte Stadt oder eine Einrichtung (Universität, Museum, usw.). Welches sind die besten Bars, die trendigsten Kleiderläden, die lauschigsten Pärke?

In der App zeigt zum Beispiel eine Bewohnerin aus Zürich ihre fünf Lieblingsläden und erzählt ihre Geschichte dazu. Plear soll mit der Zeit Audioguides aus aller Welt bieten. Bisher sind zehn Touren verfügbar, und das Angebot beschränkt sich weitgehend auf die Limmatstadt.

Stimme leitete zum Ziel

Zentraler Bestandteil ist der Community-Gedanke: Jeder Nutzer hat die Möglichkeit, selber eine Tour zu erstellen. Sie besteht aus einem Audiofile, Bildern und Kartenangaben. Videos sind nicht geplant: «Die Software soll in den Hintergrund treten. Man soll sich durch die Audioerklärungen leiten lassen und nicht ständig aufs Smartphone gucken», sagt Fabian Scheiwiller. Bevor eine eingereichte Tour in der App erscheint, wird sie geprüft. Über Roaminggebühren müssen sich Touristen keine Sorgen machen: Der komplette Inhalt einer Tour inklusive Kartenangaben befindet sich auf der App. Das bedingt natürlich, dass man zum Beispiel vor dem Start den Startpunkt eruiert. Dem Nutzer steht es frei, ob er die Tour auf Deutsch, Mundart oder Englisch aufnimmt.

Die Idee für die App hatte Magnus Rembold, Dozent für Interaction Design an der ZHDK. Er bereiste Brasilien und wollte Salvador de Bahia erleben. Selbst der Landessprache nicht mächtig, versuchte er am ersten Tag die Stadt auf eigene Faust zu erkunden und scheiterte an der Sprache. Ein brasilianischer Führer, der deutsche Eltern hatte und ihn die folgenden zwei Tage durch die Stadt begleitete, brachte das Aha-Erlebnis. Es sollte persönliche Audioguides von lokalen Experten geben, die einen an der Hand nehmen und einem zeigen, wie und wo man geschickt und gefahrlos die Perlen einer Stadt oder Landschaft entdecken kann. Die beiden Studenten liessen sich für die Idee begeistern.

Einnahmen mit In-App-Verkäufen

Dozent Magnus Rembold hofft, dass auf Plear vor allem «viele Tipps fernab der typischen Touristenpfade hochgeladen werden. Jeder möchte doch etwas über seine Stadt erzählen, den Besuchern seine Lieblingsplätze zeigen – sei es ein Café, eine Boutique oder ein Musikladen. Es zählt die persönliche Perspektive.» Dabei müsse sich das Konzept nicht unbedingt nur auf touristische Punkte fokussieren. Rembold kann sich vorstellen, dass Studenten im ersten Semester an der Uni Zürich mit einer Audiotour über die Infrastruktur aufgeklärt werden. Damit die Studenten rechtlich abgesichert sind, hat Magnus Rembold eine Firma gegründet. Er hat private Investoren ins Boot geholt, am Unternehmen sind die Studenten beteiligt. Geld verdienen will man mit In-App-Verkäufen. Eine Tour, die man sich herunterlädt, kostet einen Franken. Die Produzenten einer Tour erhalten 40 Prozent der Einnahmen.

Für Rafael Schneider (1986) und Fabian Scheiwiller (1985) war die Konzeption der App eine neue Erfahrung. In ihrem Studium hatten die beiden bereits mit Screen Design zu tun und Skizzen für fiktive Apps erstellt. «Doch das war eine Spielerei. Pear war hingegen ein Ernstfall», sagt Rafael Schneider. Es habe eine andere Qualität, wenn man eine App auf den Markt bringen will. Sie müsse zu 100 Prozent funktionieren. Die grösste Herausforderung lag darin, jeden Schritt in der App minutiös durchzuspielen. Schneider: «Jedes Menü, jede Aktion des Nutzers muss bedacht werden, man darf nichts dem Zufall überlassen.»

Für die Tests in der Stadt Zürich haben sie bewusst Menschen angefragt, die den Umgang mit Smartphones nicht gewohnt sind. «Dank ihren Hinweisen konnten wir die App verbessern oder sogar neue Funktionen einbauen.» Die Programmierarbeit übernahm der externe Softwareentwickler Florian Reinhart.

Für Schneider und Scheiwiller ist die Lancierung der App der krönende Abschluss ihres Studiums. Nun sind sie auf Stellensuche. Doch das Audioguide-Projekt hat Lust auf mehr gemacht: «Wir können uns vorstellen, weitere App-Projekte in Angriff zu nehmen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 11.07.2013, 11:16 Uhr)

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Fabian Scheiwiller.

Rafael Schneider.

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