Die runden Google-Uhren im Test

Die Smartwatches von Motorola und LG sehen gut aus. Doch sind sie es auch?

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So müssen sich also Entwickler und Ingenieure der grossen Techkonzerne fühlen, die die neusten und geheimsten Prototypen ausprobieren. Wenn man die smarten Uhren von LG und Motorola im Alltag verwendet, hat man ständig das Gefühl, einer dieser privilegierten Entwickler zu sein.

Ganz fertig und zu Ende gedacht fühlen sich die zwei Uhren dann auch nicht an. Es gibt noch Kinderkrankheiten und so ganz klar, warum man sie wirklich braucht, ist es auch noch nicht. Aber immerhin fühlt es sich an, als trüge man ein Stück Zukunft am Arm.

Geheim sind diese Uhren natürlich nicht mehr. Beide kann man kaufen. Der Onlinehändler Digitec, der Tagesanzeiger.ch/Newsnet die Testuhren ausgeborgt hat, weist aber darauf hin, dass gerade von der Motorola-Uhr noch sehr wenige den Weg nach Europa gefunden hätten. Interessenten müssen sich also gedulden.

Rund und fast rund

Die LG G Watch R (277 Franken) und die Motorola Moto 360 (299 Franken) sind die ersten Uhren mit Googles Android Wear, die runde Bildschirme haben – und es sind die ersten smarten Uhren, die bei einer kleine Umfrage auf der Redaktion und im eigenen Umfeld nicht umgehend als Spielzeug oder optische Zumutung abgestraft wurden.

Tatsächlich sehen beide Smartwatches althergebrachten Uhren ziemlich ähnlich. Die LG wirkt etwas maskuliner, die Motorola etwas eleganter. Die runde Form spielt hier eine wichtige Rolle. Die Motorola-Uhr ist zwar nicht ganz rund. Ein Segment unten auf dem Zifferblatt bleibt bei der Moto 360 schwarz. Die LG-Uhr hat einen ganz runden Bildschirm, dafür einen breiteren Rand.

Beide fühlen sich am Handgelenk mit ihren Lederarmbändern tatsächlich wie (etwas grosse) Uhren an. Die Akkulaufzeit ist akzeptabel, aber nicht gut (So wird die Uhr von Apple ein Erfolg). Beide hielten zwei Tage durch. Aber am Abend des zweiten Tages mussten beide zurück auf die Ladestation.

Versteckte Apps

Die Hardware machte im Test alles in allem einen ziemlich ausgereiften Eindruck – die Software nicht. Die Idee hinter Android Wear macht Sinn. Die Uhr sollte automatisch anzeigen, was man gerade sehen möchte. Man sollte auf der Uhr nicht tippen oder nach Apps suchen müssen. Google versteckt darum die Apps in einem Untermenü. Die Hauptrolle spielen die Informationskarten von Google Now.

In den meisten Fällen waren diese Karten weder hilfreich noch störend. Ob man nun ein bisschen früher auf der Uhr oder später auf dem Handy über ein neues E-Mail informiert wird, ist nicht matchentscheidend. Ärgerlich wirds allerdings, wenn man mit jemandem in einem Café ins Gespräch vertieft ist und das Gegenüber dann irgendwann bemerkt: «Jetzt hat dir Jan schon wieder geschrieben.» Tatsächlich sieht das Gegenüber in diesem Fall besser auf die Uhr als der Träger selbst.

Es gibt aber auch gute Momente, in denen man das Potenzial einer smarten Uhr erahnen kann. Etwa dann, wenn man über die Uhr ohne Probleme Spotify fernsteuern kann. Oder wenn man im Supermarkt die Einkaufsliste der Bring-App direkt auf der Uhr abarbeiten kann.

Fazit: Wer nicht warten kann und schon jetzt ein Stück Zukunft am Handgelenk haben will, macht mit den Uhren von Motorola und LG nichts falsch. Wer aber eine wirklich nützliche und alltagstaugliche Smartwatch haben möchte, sollte warten. Die Software von Google macht zwar vieles richtig, ist aber noch nicht intelligent genug. Zudem könnte der Akku noch länger halten und dass die Uhren nur mit einem verknüpften Handy funktionieren, ist ein unnötiges Ärgernis. Solange man das Handy immer dabei haben muss, kann man auch gleich darauf schauen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 19.11.2014, 18:15 Uhr)

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