Was dem Siegeszug der E-Books in der Schweiz im Wege steht

Von Roger Zedi. Aktualisiert am 06.09.2010 17 Kommentare

Elektronische Bücher und die entsprechenden Lesegeräte sind in der Schweiz noch keine Massenprodukte. An der Technik liegt das nicht.

1/10 Kindle 3
Der Kindle 3 hat mit 19 auf 12 Zentimetern die Abmessung eines schmalen Taschenbuchs.

   

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Kampf um E-Book-Leser

Kampf um E-Book-Leser
Apple, Amazon, Sony und viele andere Hersteller kämpfen mit ihren Lesegeräten um die Gunst der Leser.

Nicht unelegant: Kindle-Reader. (AFP)

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Dem Büchergestell droht in naher Zukunft nicht dasselbe Schicksal, welches das CD-Regal bereits ereilt hat: Bücher sind von der Digitalisierung weit weniger bedroht als Tonträger. Denn obwohl die Technologie für die elektronischen Bücher grundsätzlich funktioniert, obwohl sie verfügbar und einigermassen erschwinglich ist, steht ihrem Durchbruch noch einiges im Weg.

Selbst wer willig ist, sich einen relativ teuren E-Book-Reader anzuschaffen, und bereit ist, für ein E-Book einen ähnlich hohen Preis wie für ein gedrucktes Buch zu bezahlen, sieht sich mit einem vergleichsweise kleinen, aber wenig übersichtlichen Angebot konfrontiert. Dazu kommen diverse Kopierschutz-Modelle und E-Book-Formate, mit denen man sich herumschlagen muss.

Geringer Absatz

So verwundert es wenig, wenn die Absatzahlen von E-Books noch bescheiden sind. Ein E-Book-Hit erreicht in der Schweiz Verkäufe im «zwei-, maximal dreistelligen Bereich», wie András Németh von Orell Füssli bestätigt. Vielen Leuten sei ausserdem das Konzept des E-Books noch gar nicht bekannt, trotz ausgiebiger Berichterstattung in den Medien. Laurent Wendling von Buch.ch sieht vor allem bei den E-Book-Readern «Verbesserungspotenzial sowohl beim Preis wie bei der Bedienung» und erwartet diesbezüglich «bedeutende Veränderungen in den kommenden Monaten».

Books.ch (Orell Füssli) hat rund 18'000 Titel im Angebot, Buch.ch deren 17'000. Beide Läden bieten vorwiegend deutsche E-Books an und sehen ein gesundes Wachstum in diesem Geschäftssegment, wenn auch auf bescheidenem Niveau. Gefragt sei vorwiegend Unterhaltungsliteratur, gefolgt von Ratgebern und Sachbüchern. Die deutschsprachigen Verlage agieren noch zurückhaltend, vor allem kleinere Häuser. Die Grossen legen unterdessen sehr viele Neuerscheinungen auch als E-Book vor, haben aber wegen des geringen Absatzes wenig Interesse, alte Titel elektronisch anzubieten.

Geräte an Shops gekoppelt

Kostenlose, DRM-freie E-Books gibt es zwar in Hülle und Fülle, doch besteht das Angebot aus ausrangierter Literatur, bei der niemand mehr Urheberrechte geltend macht (siehe beispielsweise Gutenberg.org mit 33 000 E-Books). Wer seinen Reader also mit aktueller Literatur füllen möchte, ist auf gute Shops angewiesen. Denn immerhin entscheidet man sich mit der Wahl des Readers auch an den daran gekoppelten Laden.

Derzeit stehen grob gesagt drei E-Book-Welten zur Auswahl: Amazon mit dem Kindle (Nachteil: praktisch nur US-Literatur in Englisch), iBooks von Apple mit dem iPad (Nachteil: Das Schweizer E-Book-Angebot ist unbrauchbar, da quasi inexistent). Oder einen Reader von Sony, Iriver oder Bookeen, die etwas umständlicher sind, aber einem den Weg in die Schweizer E-Book-Shops mit ihrem kleinen, aber immerhin deutschsprachigen Angebot öffnen.

Der ultimative Reader fehlt

Weltweit der meistverkaufte E-Book-Reader ist der Kindle (ab 190 Fr., siehe rechts), mit dem man an den Kindle-Shop von Amazon gebunden ist. Der bietet zwar eine riesige Auswahl an Titeln (mit 450 000 ein Vielfaches von dem, was es an deutschen Titeln gibt), davon sind allerdings weniger als 500 in Deutsch. Elegant am Kindle ist, dass man die E-Books direkt und drahtlos mit dem Gerät kaufen kann. Ein schlauer Schachzug von Amazon ist es ausserdem, dass man die proprietären Kindle-E-Books dank entsprechenden Apps auch auf iPhone/iPad und Android-Handys (sowie am PC und Mac) lesen kann. Amazon will letztlich vor allem die E-Books verkaufen, das eigene Gerät ist nur Mittel zum Zweck.

Die globale Nummer zwei und in der Schweiz beliebt sind die E-Book-Reader von Sony (es gibt Modelle ab 199 Fr.). Sony betreibt einen E-Book-Shop, man kann aber auch bei anderen Anbietern (u. a. Buch.ch oder Books.ch) einkaufen. Seine E-Books muss man allerdings etwas umständlich erst auf den PC oder Mac herunter laden und dann via USB auf den Reader kopieren.

Auch auf dem iPad könnte man Bücher lesen

Mit Geräten des koreanischen Herstellers Iriver (ab 299 Fr.) funktioniert der Einkauf ebenso. Das neuste Modell, soeben an der IFA vorgestellt, verfügt über einen Touchscreen und ist in diversen Farben erhältlich.

Mit dem Bookeen Cybook (ab 370 Fr.) kann man u. a. E-Books bei Buch.ch erstehen und via PC/USB-Kabel laden. Eine Spezialität des Gerätes: Es kann Texte im Hoch- oder Querformat darstellen.

Das iPad (ab 650 Fr.) wäre trotz seines vergleichbar hohen Gewichts ein brauchbarer E-Book-Reader mit Farb- und Touchdisplay sowie direktem Download auf das Gerät – wenn es denn im Schweizer iBook-Store auch tatsächlich aktuelle E-Books zu kaufen gäbe. Immerhin kann man dank der Kindle-App jene E-Books auch auf dem iPad lesen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2010, 10:01 Uhr

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17 Kommentare

Ramon Paxus

06.09.2010, 08:59 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Im Artikel findet merkwürdigerweise der aktuelle kompletteste e-reader keine Erwähnung. der nook von Barnes & Noble verwendet wie moderne Handy das Android Betriebssystem und ist dementsprechend flexibel, jedoch ohne die nervige DRM Probleme. Ausserdem ist das immense Angebot von B&N dem von Amazon praktisch ebenbürtig. Antworten


Wolfgang Hürlimann

06.09.2010, 08:39 Uhr
Melden

Es fehlt weder an Hard-, noch Software. Hindernisse sind die enormen Kommunikationskosten in der CH. Dazu kommt ein technisch überholtes Übertragungsnetz. Skandinavien setzt auf LTE, viel schneller, ohne Netzlücken und zum Teil kostenlos. Studien zu PISA und Wettbewerbsfähigkeit beweisen das. Hier wird der Markt durch Verleger, Kommunikationsanbieter und Logistik gebremst. Fortschritt verboten! Antworten



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