«Ein guter erster Schritt»

Nick Hayek will der Apple Watch mit einer smarten Swatch Paroli bieten. Wearable-Experte Florian Schumacher sagt, wie er die Chancen des Uhrenherstellers einschätzt.

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Nachdem sich Swatch lange bedeckt gehalten hat, will das Unternehmen jetzt doch eine Smartwatch bringen. Waren Sie überrascht?
Nein, das ist ein naheliegender Schritt. Mehrere Hersteller von Modeuhren haben bereits Modelle mit Smartwatch-Technologie angekündigt. Daher ist es wichtig, dass Swatch bei diesem Trend früh dabei ist.

Warum ist das so?
Neben Smartphone und Computer werden immer mehr Alltagsgegenstände mit intelligenten Funktionen aufgewertet. Es liegt nahe, dass jetzt auch Armbanduhren smart werden – sie waren schon immer Interfaces, die wichtige Informationen vermittelt haben.

Hier sind die Digitalkonzerne führend. Hat die Uhrenindustrie eine Chance gegen deren Technologievorsprung?
Google und Apple setzen auf Hightech: Sensoren, schnelle Prozessoren sowie anspruchsvolle Algorithmen sind entscheidend für deren Gesamtkonzept. Das lässt sich nicht einfach aufholen, höchstens lizenzieren. Aber ein klassischer Uhrenhersteller hat auch andere Möglichkeiten, seine Produkte nützlicher zu gestalten.

Zum Beispiel?
Wichtig für die Uhren klassischer Hersteller ist ihre zuverlässige Funktion im Alltag. Schnelle Prozessoren, Sensoren und Displays verbrauchen viel Strom und führen zu einer kurzen Akkulaufzeit. Das untergräbt die Idee einer klassischen Armbanduhr, denn viele Kunden wollen ihre Uhr nicht täglich aufladen. Hier können sich die Anbieter differenzieren.

Genau darauf zielt die smarte Swatch offenbar: kein Zwang zum Aufladen. Ausserdem soll sie eine Bezahlfunktion bieten. Ist das die richtige Entscheidung?
Ich sehe das als guten ersten Schritt. Damit bleibt Swatch ihrer Geschichte treu und bietet ein nützliches Produkt für den Alltag. Tägliches Aufladen kommt nur für Intensivnutzer infrage, welche die Möglichkeiten von Apps und Touchscreens am Handgelenk voll ausschöpfen wollen. Und die Bezahlfunktion hat gute Chancen, zu einem wichtigen Feature im Alltag zu werden.

Von Apps, wie sie Googles und Apples Produkte bieten, ist bei Swatch bislang keine Rede. Kann man da überhaupt von einer Smartwatch sprechen?
Ob eine Uhr App-fähig ist, macht beim Nutzen einen grossen Unterschied. So bekommen Sie mit dem Gerät direkten Zugang zu einer vernetzten Umgebung. Verglichen damit bietet die Swatch eher eine technologische Erweiterung.

Ist Apple zum Taktgeber für Smartwatch-Innovation geworden?
Davon ist auszugehen. Apple hat viel in die Konstruktion seiner Uhr investiert, was sich im Vergleich zur Konkurrenz in geringerer Grösse und niedrigerem Gewicht auszahlt. Auch bei der Materialwahl und den Anpassungsmöglichkeiten ist das Unternehmen führend. Funktionsseitig setzt Apple neben Kommunikationsfunktionen auch auf Fitness und Payment. So entsteht ein rundes Gesamtangebot.

Sehen wir bald nur noch smarte Uhren?
Ich könnte mir vorstellen, dass bald viele Uhren smart sind, diese Funktionen jedoch nur von einem Teil der Nutzer verwendet werden – ähnlich wie schon beim Smartphone. Umgekehrt tragen viele Menschen bereits heute keine Uhr mehr am Handgelenk – weil sie die Uhrzeit von ihrem Smartphone ablesen. Für diese Käufer wären Smartwatches der entscheidende Grund, überhaupt wieder eine Uhr zu tragen.

Und wo geht es hin mit der klassischen Armbanduhr?
Viele Uhrensammler werden eher für ein mechanisches Uhrwerk schwärmen als für eine Apple Watch. Aber je mehr der Nutzen durch Smartwatches steigt, desto eher geraten klassische Uhren ins Hintertreffen: Etwa, wenn ich mein Auto und meine Wohnung per Smartwatch aufschliessen kann. Darum wird es für Uhrenhersteller wichtig, zumindest Schlüsselfunktionen wie Bezahlen oder Authentifizierung ebenfalls anzubieten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.02.2015, 19:23 Uhr

Florian Schumacher ist Digital Health Consultant und Wearable-Experte bei iic-solutions, einer Münchner Unternehmensberatung. (Bild: Emanuel A. Klempa)

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