Ein sicherer Hafen für die Bilderflut

USB-Stick, Festplatte, Cloud: Wie man liebe Erinnerungen am besten speichert.

Ein Bild für die Ewigkeit? Eine Cloud könnte die Lösung sein.

Ein Bild für die Ewigkeit? Eine Cloud könnte die Lösung sein. Bild: Reuters

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Schon Friedrich Dürrenmatt hat erkannt: «Jeder kann knipsen, auch ein Automat – aber nicht jeder kann beobachten.» Wer sich so umschaut, möchte hier und da an die Worte des Schriftstellers erinnern. Es wird geknipst und gefilmt, was die Speicherkarte hält.

Was aber, wenn die eigenen Fotos plötzlich unrettbar verloren sind – etwa, weil das Smartphone abhandenkommt? Dann zahlt es sich aus, wenn man vorgesorgt hat. Die beste Kamera ist bekanntlich die, mit der man grad unterwegs ist. Kein Wunder, dass wir am häufigsten mit dem Handy fotografieren. Das muss keine schlechte Wahl sein, wie die Bildqualität des jüngsten iPhones von Apple, Samsungs Galaxy S 7 oder des P 9 von Huawei beweisen.

51 Prozent nutzen das Telefon zum Fotografieren, so das Ergebnis einer Befragung des Marktforschungsinstituts Kantar Emnid in Deutschland. In der Schweiz dürfte der Wert ähnlich hoch liegen. Auf Platz zwei folgt die kompakte Digitalkamera mit 20 Prozent, abgeschlagen auf Platz drei mit sieben Prozent Kamerasysteme mit Wechselobjektiv.

Handys und Notebooks gehen verloren, Speicher fallen aus

Doch wohin mit den Fotos? 52 Prozent sichern Bilder auf der Festplatte des Computers, heisst es in der Studie im Auftrag des deutschen Elektronikversenders Reichelt Elektronik. 40 Prozent lassen die Bilder auf dem Smartphone, ebenso viele auf einem USB-Stick. Man muss nur einen Blick in die Statistiken werfen, um zu merken, dass das alles keine gute Idee ist.

Täglich gehen Handys im Wert von mehr als 7 Millionen US-Dollar verloren. Allein auf Flughäfen in den USA werden Woche für Woche 12'000 vergessene Notebooks aufgefunden, so eine Statistik des US-Back-up-Dienstleisters Mozy. Und selbst, wer sich für weniger schusselig hält: Die Gefahr, dass Hacker Zugriff auf persönliche Daten erhalten, steigt.

Wenn alles glatt und sicher läuft, steckt der Teufel dennoch im Detail. Speichermedien halten nämlich nicht ewig. Wer seine Fotos auf optischen Medien wie CD, DVD oder Blu-Ray verewigt, muss sich schon nach fünf bis zehn Jahren Gedanken über deren Sicherheit machen. Festplatten bringen es auf etwas mehr als zehn Jahre. SSD (Solid State Drive), die in vielen Rechnern als Speichermedium verwendet werden, sterben unter Umständen noch früher. Wer nach einem Platten-Ausfall einen Dattenretter beauftragt, muss mit Kosten von mehreren Hundert Franken rechnen.

Privates bleibt nur ausserhalb der Cloud mit Sicherheit privat

Alle Daten also ab in die Cloud? Unabhängige Anbieter wie Dropbox oder Services von IT-Konzernen wie iCloud von Apple oder Google Fotos hätten das am liebsten. Sie sind Profis in Sachen Datensicherung. Aber Privates wird von den Anbietern auf Datenspeichern in den USA, China oder Indien abgelegt – wo es um den Schutz der Daten in der Regel schlechter bestellt ist als in der Schweiz. Privates bleibt mit hundertprozentiger Sicherheit nur ausserhalb der Cloud privat.

Was also tun? Am sichersten ist es, mehrere Speichermedien zu nutzen. Festplatten lassen sich beispielsweise kombinieren: Eine dient dann nur dazu, die Daten einer anderen zu sichern, zu spiegeln, wie es im Fachjargon heisst. Wer dann noch für Fotos, die nicht unbedingt intime Details enthalten, auf Cloud-Dienste zurückgreift, sichert die Schnappschüsse auch vor Einbruch oder Brand im eigenen Heim. Klingt paranoid – doch um viele Erinnerungen wäre es zu schade, wenn sie verloren gehen.


Speichermedien im Überblick:
Sicherheit und Vergänglichkeit

Gerätespeicher: Das Einfachste ist es, seine Fotos auf dem Smartphone, dem Tablet oder in der Kamera zu lassen. Viele neuere Smartphones und Tablets haben 16 Gigabyte Speicher oder mehr. Davon bleibt einiges für die Bilder, auch wenn reichlich Platz vom Smartphone-System und Apps belegt wird. SD-Speicherkarten für Kameras gibt es schon mit einem Terabyte. Für etwas mehr als zehn Franken sind Karten mit einer Kapazität von 32 Gigabyte zu haben. Auch das reicht weit. Doch spätestens, wenn das Telefon mal seinen Geist aufgegeben hat oder abhandengekommen ist, fängt der Ärger an.

USB-Stick: Ein einfacher Weg, Fotos zu sichern, sind USB-Sticks. Die kleinen Geräte haben ein Fassungsvermögen von inzwischen bis zu einem Terabyte, das sind 1000 Gigabyte. Ihr Problem: Sie können schnell verlegt werden. Die Lebensdauer eines USB-Sticks hängt von seinem Gebrauch ab: Je häufiger Daten auf das kleine Speichergerät geschrieben werden, desto eher kann der Flash-Speicher im Inneren beschädigt werden. Bei vorsichtiger Handhabung sollten zehn Jahre in der Regel drin sein – wenn man den USB-Stick vorher nicht verliert.

Festplatte: Computer haben eine Festplatte eingebaut, entweder in klassischer Form als magnetisches Speichermedium mit rotierenden Scheiben oder als Solid State Drive. Beide Varianten haben eine Lebensdauer von ungefähr zehn Jahren. Festplatten gibt es auch in externen Varianten. Die 2,5-Zoll-Versionen lassen sich einfach an jeden Rechner anschliessen, brauchen nicht einmal ein Netzgerät, sondern werden vom PC versorgt. Grössere 3,5-Zoll-Platten sind auf externe Energie angewiesen. Der Vorteil der externen Platte: Sie lebt länger, weil sie nur zum Sichern angestöpselt wird. Zudem ist sie so geschützt vor Hackerangriffen oder dem Verlust etwa eines tragbaren Computers.

Cloud: Wenn von der Cloud die Rede ist, dann befindet sich die Computer-Infrastruktur in einem Rechenzentrum. Mit dem Smartphone oder Tablet wird über Internet auf die Daten zugegriffen. Klarer Vorteil: Hier sind Profis am Werk. Sie sichern Daten nach Unternehmensstandards, die weit höher sind als jene von Privatkunden. Nachteil: Auf den Lagerort der Daten hat man in der Regel keinen Einfluss. Es sei denn, man wählt einen Anbieter, der explizit mit Datenschutz nach hiesigen Standards wirbt. Solche Premium-Cloud-Speicherdienste sind dafür um einiges teurer als Dropbox & Co. Bei Google ist das in einer reduzierten Auflösung gratis möglich. Fotoliebhaber speichern so an einem Ort ausserhalb des eigenen Heims, sicher vor Feuer, Einbrechern oder Vandalen.

NAS: Mit einem Network Attached Storage (NAS) kann jeder seine eigene Cloud aufbauen. Solche NAS-Speicher gibt es etwa von Synology, Western Digital, Zyxel oder QNAP. Die billigsten Geräte kosten knapp unter 100 Franken. Ein gutes Gerät bietet Platz für mindestens zwei Platten, wobei eine auf der anderen gespiegelt wird. Das NAS lässt sich auf Wunsch über das Internet ansprechen. Die Datensicherung kann automatisch erfolgen, auch vom Smartphone oder Tablet. Moderne NAS lassen sich komfortabel bedienen. Für einen Aufpreis gegenüber externen Platten oder der Cloud bieten sie sicheren Speicher – bei dem auch Datenschutzaspekte berücksichtigt werden. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 14.02.2017, 11:59 Uhr

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