Eine Mischung aus Blackberry und iPhone
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Ein Sommerloch brauchte Research in Motion (RIM), die Firma hinter dem Blackberry, in den vergangenen Tagen nicht zu fürchten. Fast täglich gehen Meldungen ein, dass Staaten drohen, die Dienste der Kanadier wegen Sicherheitsbedenken zu blockieren. Die Sicherheit bei den Geräten ist nicht schlecht – im Gegenteil. Die Verschlüsselung ist sogar so gut, dass Behörden wie in Saudiarabien oder Indien die Nachrichten nicht mitlesen können.
Bei all dem Trubel wurde fast übersehen, dass Blackberry in der vergangenen Woche mit dem Torch ein neues Modell auf den Markt brachte, das eine Mischung aus traditionellen Blackberry-Modellen und Smartphones mit einem Touchscreen wie dem iPhone ist.
E-Mails und Spass
Das Modell ist für RIM (RIMM 14.57 -2.21%) wichtig, um zur Konkurrenz aufzuholen. Zwar verkaufen sich die Geräte gerade bei Geschäftsleuten immer noch prächtig: Wer ein Blackberry auf dem Tisch liegen hat, sieht wichtig aus. So wichtig, dass er immerzu E-Mails bekommen muss. Doch Telefone wie das iPhone oder Modelle mit dem Betriebssystem Android zeigen, dass man auch E-Mails UND Spass haben kann.
Noch ist RIM in einer komfortablen Situation. In diesem Jahr wurde die 100-Millionen-Marke bei den verkauften Blackberry-Geräten überschritten. In den USA ist es noch vor dem iPhone das beliebteste Smartphone. Doch gerade die Konkurrenz zu Android, das etwa auf Telefonen von Motorola oder HTC läuft, machen dem Unternehmen zu schaffen.
RIM-Aktie unter Druck
Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Canalys hatten Android-Geräte im zweiten Quartal einen Smartphone-Marktanteil von 34 Prozent, Blackberry von 32 und das iPhone von 22 Prozent. Blackberry hat Erfolg damit, seine Geräte auch an Privatanwender zu verkaufen, muss aber um die wichtigen Firmenkunden bangen.
In den Technikabteilungen von Unternehmen sind Blackberrys beliebt, weil sie vergleichsweise sicher und einfach zu handhaben sind. Doch die Sicherheit hat einen Preis: Im Vergleich zu anderen Geräten lassen sich Anwendungen anderer Hersteller nur schwer installieren, was zu viel Frust bei Anwendern führt. IT-Abteilungen geraten unter Druck, die Angestellten auch mit anderen Telefonen auszustatten. Die Angst geht auch bei Investoren um: Die RIM-Aktie ist seit April um 25 Prozent gefallen, weil Anleger befürchten, dass sich der unheimliche Erfolg des iPhones auf Kosten des Unternehmens fortsetzt.
Spät auf den Touchscreen gekommen
RIM muss mit seinem neuen Gerät einen grossen Rückstand aufholen, weil es den Trend zu Touchscreens verschlief. Zuerst hatte ein Blackberry im Jahr 2008 einen derartigen Bildschirm – mehr als ein Jahr nach dem ersten iPhone. Das sensorische Feedback beim Blackberry Storm kam bei vielen Testern und Anwendern nicht gut an. Das Gerät war gross, schwer und war von Software-Problemen geplagt.
Das neue Torch ist vergleichsweise konventionell geraten. Wie beim Palm Pre gibt es sowohl einen Touchscreen als auch eine vollwertige Schiebetastatur. «Es ist nicht besonders auffällig», sagt Ross Rubin vom Marktforscher NPD. Aber es könne die Position der Firma stärken, die für zuverlässige und solide Produkte bekannt sei.
Mit veröffentlicht wurde das neue Betriebssystem Blackberry 6, das jetzt viele Funktionen bietet, die bei anderen Geräten schon lange vorhanden sind:
- Der Browser arbeitet schneller und lässt sich einfacher bedienen.
- Der App Store ist jetzt vorinstalliert. Ihn gibt es zwar seit dem vergangenen Jahr, aber viele Nutzer fanden ihn nicht.
- Die «universelle Suche» ermöglicht jetzt das Durchsuchen des ganzen Gerätes nach Stichwörtern.
Ein Run im Herbst?
Von dem neuen Betriebssystem sollen auch die Nutzer der älteren Modelle Bold 9700, Bold 9650 und Pearl 3G profitieren. In den USA wird der neue Blackberry zunächst exklusiv mit einem AT&T-Vertrag verkauft. Nach Europa soll das Gerät im Spätherbst kommen.
Einen Run auf die Läden wie beim iPhone von Apple (AAPL 509.46 1.36%) wird es wohl nicht geben. Aber nach Einschätzung von Analysten könnte das Torch sowohl von Konsumenten als auch Firmen als gute Alternative zum iPhone 4 gesehen werden und der Ruf von RIM profitieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.08.2010, 08:09 Uhr





