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Gestohlenes Mobiltelefon – das kann teuer werden

In der Schweiz werden jeden Monat über 6000 Handys gestohlen, das sind 72'000 im Jahr. Wer ein entwendetes Mobiltelefon nicht sofort sperren lässt, riskiert eine Rechnung über Tausende Franken.

Identität in Gefahr

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn sich auf einem Handy Passwörter für die Nutzung von Internetdiensten befinden. Vor allem auf Smartphones finden sich solche vertraulichen Informationen. So werden im Handy meist Zugangspasswörter gespeichert, damit sie nicht jedes Mal eingetippt werden müssen. Der Dieb kann dann all diese Internetdienste nutzen.

Besonders kritisch ist, dass meist auch das Passwort für E-Mails direkt im Gerät gespeichert wird. Der Dieb hat dadurch nicht nur Zugriff auf die E-Mails, sondern kann im Namen des Handybesitzers Mitteilungen verschicken.

Die Zeiten, da man sein Handy noch wie seinen Augapfel hütete, sind vorbei. Das Mobiltelefon ist zum Alltagsgegenstand geworden. Die meisten haben ihr Handy mit einem Abonnement praktisch kostenlos erhalten. Mit diesen «Gratishandys» wird entsprechend unbekümmert umgegangen. Wird das Telefon allerdings gestohlen, kann es trotzdem sehr teuer werden. Denn manchmal sind die Diebe nicht nur am Gerät interessiert, sondern vielmehr an der illegalen Nutzung des Telefons.

Denn mit einem technischen Trick können die Diebe internationale Gespräche an Drittpersonen verkaufen. Die Gesprächspartner bezahlen diese dann beispielsweise in einem Telefonshop und merken nicht, dass ihr Gespräch über ein gestohlenes Handy abgewickelt wird. So können innert weniger Tage Telefonkosten von mehreren tausend Franken auflaufen. Dafür wird der ursprüngliche Handybesitzer auf der Abrechnung seines Netzanbieters zur Kasse gebeten. Da der Abonnent grundsätzlich auch bei missbräuchlicher Nutzung eines Telefons haftet, können die Telekomanbieter auf Bezahlung der betrügerisch aufgelaufenen Kosten beharren.

Abos mit Kostenlimite

Alle Telekomanbieter versichern aber, dass sie in Härtefällen versuchen, mit ihren Kunden eine einvernehmliche Lösung zu finden. Dennoch bleibt der Handybesitzer oft auf einem Teil der Gesprächskosten sitzen. Auf der sicheren Seite sind Besitzer von Prepaidabos. Diese Handys sperren sich nach Aufbrauch des bereits bezahlten Guthabens automatisch. Eine spätere Nachforderung muss also nicht befürchtet werden. Bei einigen Anbietern kann man inzwischen auch Abos mit Kostenlimite abschliessen, auch hier wird das Risiko minimiert.

Wer glaubt, seine Diebstahlversicherung würde die Rechnung des Netzbetreibers übernehmen, täuscht sich. Denn übliche Diebstahlversicherungen zahlen bestenfalls den Ersatz des Handys. Allerdings nur, wenn beim Diebstahl keine Fahrlässigkeit im Spiel war.

Lediglich beim Netzbetreiber Orange kann man sich gegen Missbrauchskosten durch eine Option absichern. Für 3 Franken monatlich löst man eine Versicherung, welche die von einem Dieb verursachten Gesprächskosten bis 3000 Franken übernimmt. Ab 7 Franken monatlich erhält man bei einem gestohlenen oder beschädigten Handy auch ein Ersatzgerät.

Einfache Vorsorge

Jeder Handybesitzer kann aber mit einfachen Massnahmen das Kostenrisiko bei einem Handydiebstahl minimieren. So lassen sich bei allen Telefonanbietern Anrufe auf die teuren 090x-Nummern sperren. Allerdings sperrt man sich damit in bestimmten Regionen auch vom Anruf zu einem Notfallarzt am Wochenende aus.

Zusätzlich kann man mit speziellen Einstellungen am Handy oder über den Kundendienst der Telefonanbieter alle abgehenden internationalen Gespräche sperren. Für eingehende Anrufe aus dem Ausland ist man weiterhin erreichbar.

In jedem Fall sollte man auch die Sicherheitsfunktionen des Handys aktivieren. Beim Einschalten der meisten Mobiltelefone muss ein vierstelliger Code eingetippt werden, welcher zur Identifikationskarte (SIM) des Telefonanbieters gehört. Diesen Code sollte man nicht deaktivieren, weil sonst eine gestohlene SIM-Karte sogar in einem anderen Telefon verwendet werden kann. Noch mehr Sicherheit bietet der passwortgeschützte Akku-Sparmodus. Wird das Handy einige Minuten nicht gebraucht, verdunkelt es die Anzeige und sperrt die Tastatur. Will man das Handy wieder nutzen, muss man ein Passwort eintippen.

Andere Massnahmen schützen zwar nicht vor dem Handymissbrauch, vergällen aber dem Dieb den Spass am gestohlenen Gerät. So kann man sein Telefon digital an seine SIM-Karte «anketten». Wird das Telefon gestohlen, kann es der Dieb auch nicht mit einer anderen SIM-Karte benutzen.

Als zusätzliche Vorsorgemassnahme sollte man sich ferner die eindeutige Seriennummer (IMEI) seines Telefons notieren. Diese IMEI-Nummer wird vor jedem Gespräch übermittelt. Sperrt ein Netzanbieter eine Seriennummer, ist das Telefon in seinem Netz unbrauchbar. Die IMEI-Nummer steht bei den meisten Telefonen unter dem Akku oder erscheint nach dem Eintippen der Kombination *06  gefolgt von der Anruftaste auf dem Bildschirm.

Schnell handeln

Wichtig ist, dass man beim Handydiebstahl schnell handelt. Ein Anruf bei der Hotline des Netzanbieters genügt, damit dieser die SIM-Karte weltweit sperrt. Für Gespräche, die nach diesem Zeitpunkt durchgeführt wurden, haftet der Konsument nicht mehr.

Die Sperrung verhindert auch andere Schäden. So ist es in der Schweiz beispielsweise möglich, per Kurzmitteilung (SMS) Geldüberweisungen vorzunehmen. Wer einen solchen Dienst freigeschaltet hat, sollte sofort auch Post oder Bank über den Diebstahl informieren. (mid/BZ/)

Erstellt: 30.09.2009, 12:05 Uhr

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