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Kein Verstecken mit Smartphones

Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 23.04.2011

Apple und Google speichern die Standorte ihrer Handykunden – und schützen die Angaben teilweise nur ungenügend. Politiker in den USA verlangen Klärung.

Software-Experten in den USA und Grossbritannien machen gestützt auf ihre teilweise zufälligen Entdeckungen inzwischen einen eigentlichen Trend aus, der letztlich darauf angelegt ist, die Standortdaten kommerziell auszuwerten: Kunden vor einem Apple-Store.

Software-Experten in den USA und Grossbritannien machen gestützt auf ihre teilweise zufälligen Entdeckungen inzwischen einen eigentlichen Trend aus, der letztlich darauf angelegt ist, die Standortdaten kommerziell auszuwerten: Kunden vor einem Apple-Store.
Bild: Keystone

Die iPhones von Apple (AAPL 562.29 -0.54%) und die Android-Geräte von Google (GOOG 591.53 -2.01%) erfassen den Standort der Nutzer in regelmässigen Abständen und senden die Angaben zurück an die Konzerne. Darüber hinaus speichert das iPhone diese kritischen Daten selber und gibt sie den damit synchronisierten Geräten weiter, wie Computerexperten aufdeckten.

Dass Google und Apple, aber auch Microsoft ihre Smartphones mit Bewegungsmeldern versehen haben und die Daten dazu brauchen, Lücken in ihren Systemen zu entdecken und Fehler zu beheben, ist weitgehend bekannt. Gemäss Apple könnten auf diese Weise gestohlene iPhones gesperrt werden.

Neu ist indessen, wie tief die Datensammlung reicht und wie lange die Angaben aufbewahrt werden. Zudem werden die Daten nicht immer verschlüsselt und gar auf den Smartphones selber abgelegt, wo sie ein Hacker abholen könnte. Software-Experten in den USA und Grossbritannien machen gestützt auf ihre teilweise zufälligen Entdeckungen inzwischen einen eigentlichen Trend aus, der letztlich darauf angelegt ist, die Standortdaten kommerziell auszuwerten.

Interessant ist die lokale, kundenspezifische Werbung, die aufgrund der Bewegungsmuster das künftige Verhalten der Kunden – den Besuch eines Restaurants etwa oder eines Ladengeschäfts – vorwegzunehmen versucht und entsprechende Werbung aufs Smartphone schickt. Solche regionale Werbung soll gemäss der Marktforschungsfirma Gartner in den USA von heute 2,9 auf 8,3 Milliarden Dollar im Jahr 2014 wachsen.

Apple geht noch weiter

Das «Wall Street Journal» und der britische «Guardian» berichten, Google erfasse die Standortangaben der Nutzer im Abstand von einigen Sekunden und melde sie jede Stunde mehrmals an die Server des Konzerns. Gespeichert wird nicht nur der Standort, sondern auch die individuelle Nutzernummer. Google musste 2010 die WiFi-Ortung durch die Street-View-Autoflotte einstellen, weil sie unzulässig auch E-Mail-Adressen und Passwörter der Nutzer aufnahm. Die jüngste Standorterfassung durch Android-Handys soll eine illegale Identifizierung ausschliessen. Gespeichert werden gemäss den Forschern jeweils 50 Standorte von Mobilfunkantennen und 200 von WiFi-Hotspots.

Weiter als Google geht Apple. Die erfassten Daten sind demnach – anders als bei den Android-Geräten – relativ leicht zu entschlüsseln und wurden gemäss dem Software-Experten Alex Levinson von der Polizei mehrmals schon für Ermittlungen gebraucht. Zudem bewahrt der Konzern die Daten bis zu einem Jahr auf, sagen die Forscher, ohne sich diese lange Frist erklären zu können.

Gestern schoben die beiden Experten Alasdair Allan und Pete Warden eine Präzisierung nach. Demzufolge unterlief Apple möglicherweise ein Programmierfehler, der bei der nächsten Aufdatierung des Betriebssystems behoben werden sollte. Dies indessen wäre angesichts der Detailversessenheit des Konzerns ein äusserst ungewöhnlicher Fehler.

Ortung kann abgestellt werden

In den USA verlangten mehrere Politiker umgehend eine Klärung. US-Senator Al Franken sprach von schwerwiegenden Sorgen um die Privatsphäre, der Abgeordnete Edward Markey warf die Frage auf, ob die kommerzielle Nutzung von Kundendaten legal sei, wenn die Nutzer dazu nicht explizit Ja gesagt hätten. Apple schwieg sich zunächst aus.

Nutzer können die individuelle Ortung auf ihren Smartphones ausschalten, allerdings ist es Google und Apple dennoch möglich, die Bewegungen mithilfe der WiFi-Spots und der Mobilfunkanlagen nachzuzeichnen. Zudem verlieren Nutzer einzelne Funktionen wie die Google Maps, wenn sie die Ortserkennung stilllegen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.04.2011, 14:20 Uhr

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