Kein iPhone – «weil es alle haben»

Vom Trendsetter zum Massenprodukt: Junge entscheiden sich bewusst gegen das iPhone – und setzen auf Android-Smartphones. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat sich umgehört.

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Die Schweiz ist ein iPhone-Land. In keinem anderen Land sind gemessen an der Bevölkerung mehr Apple-Smartphones im Umlauf. Und auch wenn es bei vielen Jugendlichen immer noch weit oben auf der Wunschliste steht (was diverse US-Umfragen unterstreichen): Die Fraktion, welche sich bewusst gegen das Apple-Telefon entscheidet, scheint zu wachsen. Das iPhone hat durch seine Verbreitung an Exklusivität eingebüsst.

«Ich habe kein iPhone, weil es alle haben», sagt zum Beispiel Vanessa Sanchez aus Zürich. «Viele Kolleginnen haben zwar ein iPhone, aber mir gefällt das Android-System viel besser», so die 17-Jährige, die sich für ein Samsung (SMSD 375.8 1.29%) Galaxy S plus entschieden hat. «Ich wollte bewusst nicht mit dem Trend mitgehen», sagt auch Katharina Di Martino, seit drei Jahren im Besitz eines HTC Desire. «Ich bin mit diesem Gerät sehr zufrieden, ich hatte die ganzen drei Jahre noch nie Beanstandungen, während ich in meinem Umfeld des öfteren von Problemen mit dem iPhone gehört habe.» Das iPhone sei «für das, was es kann», viel zu teuer. «Andere Produkte sind auch gut, aber günstiger», sagt die 23-Jährige.

Die Testberichte studiert

Nathalie Savaria wiederum hat sich aus technischen Gründen für die Apple-Konkurrenz entschieden: «In Tests schneidet das Samsung Galaxy S2 viel besser ab als das iPhone.»

Ganz so unbeliebt scheint das Apple-Universum dann aber doch nicht zu sein. «Ich werde mir demnächst ein iPhone kaufen, sobald der alte Abo-Vertrag abgelaufen ist», sagt die 20-jährige Laura Ritter, die sich als Nokia-Fan outet. Warum dann der Wechsel? Leider sei ihr N97 kürzlich kaputtgegangen und viele Apps ihrer Schule seien nur für das iPhone erhältlich, als iPad-Besitzerin wolle sie nun auf das gleiche System umsteigen.

«Aber wer braucht das wirklich?»

Auch im Forum Thats-me.ch schreiben zum Thema «iPhone 4 oder Samsung Galaxy S2» Mitglieder: «Das iPhone hat doch jeder, es ist dicker und schwerer. Und es kann nicht mehr, ist aber teurer.» Ein anderer: Das S2 sei billiger, grösser als das iPhone. Das einzige, was wirklich besser sei, sei Siri. «Aber wer braucht das wirklich?»

Und was sagen die Geschäfte? «Das iPhone ist nach wie vor hoch im Kurs bei jugendlichen Käufern. Doch Android-Smartphones legen in der Beliebtheit bei Jungen kräftig zu», sagt Martin Lehmann, Chef von Mobilezone gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Allen voran die Samsung-Galaxy-Linie sei gefragt. Ob Junge jedoch nach wie vor am häufigsten ein iPhone kaufen, könne man nicht präzise sagen, da man das Alter der Käufer nicht erhebt.

Junge wollen grössere Bildschirme

Womöglich hat Apple (AAPL 567.77 8.20%) auch zu lange auf die gleiche Bildschirmgrösse gesetzt. Die Displaygrösse spielt bei Jugendlichen offenbar eine grosse Rolle. «Bei ihnen ist mobiles Surfen ein grosses Thema. Und das macht auf einem grossen Bildschirm deutlich mehr Spass als auf einem kleinen Display. Käufer entscheiden sich deshalb oft aufgrund der Bildschirmgrösse für ein bestimmtes Smartphone», sagt Lehmann.

Durch die grosse Produktvielfalt bei den Android-Geräten seien auch günstigere Einsteigermodelle verfügbar, was diese Handys für Jugendliche preislich attraktiv macht. Zudem wachse auch die Anzahl Apps in Google (GOOG 534.44 -0.57%) Play (dem App Store von Google) rasant – vor allem im Bereich der bei Jungen beliebten Spiele-Apps.

Android mit «breiter Käuferschicht»

Die Swisscom, (SCMN 524.5 0.29%) der grösste Schweizer Mobilfunkanbieter, ist mit den Verkaufszahlen von Google-Smartphones ebenfalls zufrieden: «Androidgeräte und iPhones halten sich bei Jugendlichen in etwa die Waage», sagt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze. Den typischen Android-Käufer zu umschreiben, sei allerdings schwierig, da die Geräte mittlerweile eine «sehr breite Käuferschicht» ansprächen. Schulze ist aber überzeugt: «Kunden, die grössere Personalisierungswünsche für ihr Smartphone haben, greifen eher zu Android als zum iPhone. Die Einstellungsmöglichkeiten, aber auch die Nutzung der offenen Plattformen, bieten diesen Kunden mehr Individualität.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 07.05.2012, 11:32 Uhr)

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