Microsofts Ankunft in der Smartphone-Ära
Von Matthias Schüssler. Aktualisiert am 08.11.2011 21 Kommentare
Vorbild für Windows 8
Irgendwann im nächsten Jahr soll Windows 8 seinen inzwischen zwei Jahre alten Vorgänger ablösen. Microsoft hat an einer Entwicklerkonferenz eine frühe Entwicklerversion vorgestellt und auch zum Download angeboten. Dieser «Developer Preview» führt vor, dass das Betriebssystem die grösste Änderung seit Windows 95 durchmachen soll. Das Startmenü verschwindet zugunsten einer Startseite, die wie das Mobilbetriebssystem mit Kacheln arbeitet.
Nicht nur das: Der althergebrachte Windows-Desktop und damit auch herkömmliche Windows-Anwendungen teilen sich eine einzige Kachel namens «Desktop». Sie erscheint im Startbildschirm Seite an Seite mit den neuen Windows-8-Anwendungen. Diese werden «Metro style apps» genannt und laufen nicht mehr im Fenster, sondern im Vollbild. Es ist zwar möglich, zwei Apps nebeneinander zu platzieren, aber Fenster, die sich wie bei traditionellen Anwendungen überlappen können, sind passé.
Touch first
Bei der Bedienung setzt Windows 8 voll auf Touchscreens und Gesten. «Touch first» heisst Microsofts Credo, was ausdrücken soll, dass die Entwicklung auf die Fingersteuerung ausgelegt ist, aber auch mit Maus und Tastatur funktioniert. Windows 8 läuft nicht nur auf Intel-Prozessoren, sondern auch auf Strom sparenden ARM-Chips. Zudem ist Microsoft daran, das Betriebssystem zu modularisieren. Diese Bemühungen laufen unter dem Codenamen «MinWin» (für «Minimal Windows»).
Windows 8 ist darauf ausgelegt, auf der ganzen Gerätepalette von mobilen Kleingeräten über Tablets bis zu Notebooks und Desktop-PC zu laufen. Nachdem Intel-Chef Paul Otellini eine entsprechende Aussage herausgerutscht ist, macht sich nun die Vermutung breit, dass Windows Phone 8 auf den Kern von Windows 8 aufgesetzt werden wird. Microsofts «Windows everywhere»-Traum aus dem Jahr 1996 scheint noch nicht ausgeträumt.
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Dieser Tage ist das erste grosse Update für Microsofts (MSFT 29.06 -0.03%) Smartphone-Betriebssystem erschienen. Es heisst Windows Phone 7.5 und wird oft auch nach seinem inoffiziellen Codenamen «Mango» benannt. Gleichzeitig hat Nokia ( 2.82 2.92%) Ende Oktober die Lumia-Reihe vorgestellt, das Windows-Phone-Debüt der Finnen.
Mit Mango und Lumia gewinnt Windows Phone nach einem missglückten Start an Fahrt. Notwendigerweise, denn bisher konnte Microsoft nichts bewegen. Als Windows Phone 7 vor einem Jahr das veraltete Windows Mobile ablöste, gab es zwar viel mediales Wohlwollen. In den Telecomshops griffen die Kunden jedoch weiterhin zum iPhone, und das Verkaufspersonal empfahl vor allem Android. Google legte fulminante Wachstumszahlen hin und bedient laut Gartner inzwischen 43 Prozent des Marktes. Gemessen am Gewinn, ist Apple mit Abstand die Nummer eins.
Ein Prozent des Kuchens
Nicht allein die starke Konkurrenz ist schuld, dass Windows Phone sich mit einem Prozent des Smartphone-Kuchens begnügen muss (Gartner, Stand Sommer). Microsoft hat Anfang 2011 Kundschaft vergrault, indem versprochene Updates monatelang nicht geliefert wurden. Im Februar gaben die Chefs von Microsoft und Nokia, Steve Ballmer und Stephen Elop, eine Partnerschaft bekannt, die aber erst jetzt mit Lumia Früchte trägt. Diese intensive Zusammenarbeit hat andere Hersteller wie Samsung dazu bewogen, das Windows-Phone-Engagement zurückzufahren.
Die ersten Lumia-Modelle gibt es in Deutschland ab Mitte November zu kaufen. In die Schweiz kommen sie erst 2012 in die Läden. Bereits erhältlich sind Mango-Modelle anderer Hersteller. Beispielsweise das HTC Titan mit seinem nachgerade riesigen 4,7-Zoll-Display. Die Vorreitermodelle zeigen, dass sich Windows Phone heute technisch nicht mehr hinter der Konkurrenz zu verstecken braucht.
Mängel wurden ausgemerzt: Neben der «Copy & Paste»-Funktion beherrscht Mango auch den schnellen Wechsel zwischen den Anwendungen. Das nennt sich Multitasking, obwohl technisch gesehen Anwendungen im Hintergrund nicht weiterlaufen, sondern im Microsoft-Jargon «dehydriert» werden. In der Praxis bedeutet die Neuerung, dass der Wechsel zwischen Apps ohne merkliche Wartezeit vonstattengeht. Mit dem Zurück-Button gelangt man schnell zur vorherigen App, und bei einem etwas längeren Druck erscheint der Task-Switcher, der alle aktiven Anwendungen aufreiht.
Vermehrte Anbindung an soziale Netze
Mango bringt auch hinter den Kulissen Verbesserungen. «Live Tiles» nennen sich die quadratischen oder rechteckigen Kacheln auf dem Startbildschirm. Über sie gelangt man in eine App. Die Tiles können Statusinformationen wie die Zahl der ungelesenen Mails, Anrufe in Abwesenheit, Wetterinformationen oder Animationen anzeigen. Bisher haben fast nur Microsofts Anwendungen direkt Information im Tile eingeblendet. Dank neuer Programmschnittstellen werden nun aber auch die Kacheln von Drittherstellern lebendig.
Microsoft hat die Integration mit sozialen Netzwerken verstärkt. Der «People Hub» integriert nicht mehr nur Daten aus Facebook, sondern auch aus Twitter und Linkedin. Im Kalender-Hub tauchen neu auch Facebook-Veranstaltungen auf. Die Anbindung an soziale Netze ist eine der grössten Stärken von Windows Phone. Sobald man sich mit dem neuen Telefon bei den Diensten angemeldet hat, füllen sich die Tiles und Hubs mit Informationen.
Alle Infos in einem Hub
Besagte Hubs bündeln die Datenströme zentral, sodass man nicht von App zu App wechseln braucht, sondern gleichartige Informationen an einem einzigen Ort einsehen kann. Der Fehler bei diesem an sich gelungenen Konzept liegt bei den Drittherstellern. Beispiel Bilder-Hub: Dank der Integration von Facebook zeigt er nebst den eigenen Fotos unter «Neuigkeiten» Bilder von Freunden und Bekannten. Installiert man die App der populären Flickr-Bilderplattform, erscheint sie als separate App, ohne Anbindung an den Hub. Der Verdacht liegt nahe, dass viele Dritthersteller keinen Wert auf die nahtlose Integration legen, sondern sich lieber mit einer eigenen App in Szene setzen. Microsoft wird nicht darum herumkommen, die Hub-Integration für wichtige Webdienste selbst bereitzustellen.
Auffällig an Mango ist die Liebe zum Detail. Der verspielte Avatar im «Xbox Live»-Hub zeugt ebenso davon wie die «Bing»-App, die nicht nur per Sprache Suchbefehle entgegennimmt, sondern auch Texte erkennt, die über die Kamera eingefangen und angetippt werden. Es ist sogar möglich, fotografierte Schilder in Fremdsprachen zu übersetzen.
Das «Volks-Betriebssystem»
Auch wenn der mobile Internet Explorer nicht so ausgereift ist wie der Browser des iPhone und das Angebot an Apps weit hinter Apples Store zurückfällt, so steht es dennoch ausser Frage, dass Microsoft mit Mango ein rundes Update geglückt ist. Es ist eine gute Alternative für alle Nutzer, die (aus Apple-Antipathie oder einem anderen Grund) sich gegen das iPhone entscheiden.
Es ist auch eine gute Alternative zu Android, das nicht nur von Fans, sondern auch von Kunden ohne spezielle Präferenz gekauft wird. Mit seiner klaren, einheitlichen Bedienung und der aufgeräumten Datenpräsentation ist Windows Phone ein Mainstream-OS par excellence: ein eigentliches Smartphone-Betriebssystem fürs Volk. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.11.2011, 06:42 Uhr
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21 Kommentare
Ich liebe die Kommentare, die schimpfen, dies sei ein Werbeartikel. Nachdem wir 1000 Artikel über iPhone über uns ergehen lassen mussten, darf es auch wieder einmal ein Win7 Artikel sein. Und ich denke, das Win7 hat interessante Ansätze, die man sich vielleicht mal anschauen sollte, bevor man reflexartig über MS motzt. Ich bin Android Nutzer. Antworten
Ich weiss nicht was ihr alle habt... Wp7 ist ein gelungener Neustart und der Artikel hebt hervor, dass man bei diesem OS nicht für alles eine separate App braucht, sondern dass alles nahtlos im Betriebssystem integriert ist. Das ist der wesentliche Unterschied zu den Alternativen. Antworten
Digital
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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