Mit dem Apple-Handy im Garten der Natur
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Die App «Vogelstimmen-Trainer» (14 Franken, Liteversion gratis) kann die Begegnung mit Vögeln auf dem iPhone abspeichern. Der GPS-Empfänger zeigt dazu den Standort des Beobachters auf der Karte an. (Bild: Apple.com)
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Spielt man im Wald die Audio-Datei mit einer Vogelstimme ab, kann es passieren, dass ein Vertreter der entsprechenden Art dem iPhone antwortet - wie kürzlich in einem Wald in Hanau (Deutschland) mit einer Kohlmeise erlebt. Der «Vogelstimmen-Trainer» kann die Begegnung mit Parus caeruleus, wie diese Art wissenschaftlich heisst, auf dem iPhone abspeichern. Der GPS-Empfänger zeigt dazu den Standort des Beobachters auf der Karte an. Die App für Vogelfreunde ermöglicht es auch, die Beobachtung gleich an das Internet-Portal Naturgucker.de zu schicken.
Dort haben sich seit dem Start im Februar 2008 mehr als 2600 Nutzer registrieren lassen und mehr als 855'000 Beobachtungen festgehalten. «Unser Anliegen ist es, die Szene zu erweitern», sagt Initiator Stefan Munzinger in Northeim bei Göttingen.
Nicht nur Vögel
Bei Naturgucker.de entfallen nach Angaben Munzingers rund zwei Drittel aller Beobachtungen auf Vögel. «Danach kommen Pflanzen, Schmetterlinge und dann der grosse Rest.» An Tagen mit gutem Wetter kommen bis zu 5000 Beobachtungen neu hinzu, in der Woche sind es im Schnitt 20'000 Eintragungen.
Die Bandbreite der Nutzer reicht laut Munzinger «vom Zwölfjährigen, der sich für Frösche interessiert, bis zum weit über 80-Jährigen, der schon sein Leben lang die Natur beobachtet und sich nun freut, seine Erfahrungen mit anderen im Internet zu teilen». Auch gibt es unter den Mitgliedern etliche Spezialisten, die etwa ihre Sichtungen von Pilzen eintragen, die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen.
Ortsangaben zu gefährdeten Arten gesperrt
Getragen von einer gemeinnützigen Genossenschaft mit acht Mitgliedern will Naturgucker.de das Bewusstsein für den Naturschutz erweitern. Das habe seit dem Höhepunkt in den 70er und 80er Jahren jetzt doch wieder spürbar nachgelassen, sagt Munzinger, und nennt als Beispiel die Jagd auf Kormorane oder Gänse. «Da habe ich gar kein Verständnis dafür.» Auf Naturgucker.de kann man sich Protokolle der einzelnen Beobachtungen anzeigen lassen wie auch eine Karte mit allen Sichtungen einer Art. Insgesamt werden rund 70'000 Tier- und Pflanzenarten erfasst.
Für Munzinger ist es wichtig, dass alle Daten öffentlich sind. Die von den Nutzern zusammengetragene Sammlung sei ein wichtiges Argument für den Naturschutz. Nur zu besonders geschützten Arten gibt es keine Ortsangaben - bei den Beobachtungen etwa zur Orchideenart Frauenschuh (Cypripedium calceolus) heisst es: «Ortsinfo gesperrt». Das werde bei solchen für den Naturschutz besonders kritischen Arten bereits vom System so eingerichtet, erklärt Munzinger. Bei anderen gefährdeten Arten kann auch der Nutzer selbst entscheiden, dass die Standortangaben nicht veröffentlicht werden sollen.
«Das geht nur über die Köpfe»
Das Naturgucker-Projekt will über das Netz eine eigene Lobby für den Naturschutz errichten. «Das geht nur über die Köpfe», erklärt Munzinger. Je mehr Menschen bewusst durch die Natur gehen, desto grösser die Begeisterung für die Erhaltung der Artenvielfalt: «Jede Beobachtung ist eine gute Nachricht aus der Natur und kann begeistern.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.05.2010, 16:15 Uhr
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