Mit dem Smartphone ins Festnetz

Was technisch längst möglich wäre, bietet erst ein Anbieter an. Eine App macht das Festnetztelefon überflüssig.

Können sich direkt ins Festnetz einklinken: Android-Handys und iPhones.

Können sich direkt ins Festnetz einklinken: Android-Handys und iPhones. Bild: PD

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Immer am Draht zu sein hat längst nur noch wenig mit Leitungen aus Kupfer zu tun. Wir telefonieren sowohl unterwegs wie auch zu Hause drahtlos. Und obwohl heute alles mögliche konvergiert, also immer mehr Funktionen in immer weniger Geräten verschwinden, nutzen wir weiterhin ein Telefon fürs Mobilnetz und ein zweites, ganz anderes Funktelefon für den heimischen Festnetzanschluss.

Das müsste nicht sein. Denn obwohl die beiden Welten zwar auf anderen Standards aufbauen (GSM und Dect), sind diese technologisch nicht unüberbrückbar. Im Geschäftsumfeld sind Lösungen, bei denen Fest- und Handynetz verschmelzen, denn auch keine Neuheit mehr. Anders aber sieht es für private Kunden aus. Ihnen bleibt die Verbindung von Mobilfunk- und Festnetz bisher verwehrt. Denn keiner der grossen Telecomanbieter hat ein Interesse daran, dass seine lukrativen Handynutzer zu Hause mit dem Handy über die günstigere Festnetzleitung telefonieren. Wenn schon, dann sollen sie doch zu diesem Zweck bitte zum viel weniger schicken Dect-Telefon greifen – oder eben auch zu Hause der Verführung des Smartphones erliegen und die teurere Mobilfunknetzverbindung nutzen.

Mehrere Gespräche gleichzeitig

Derartige Berührungsängste kennt man bei Mygate in Zürich hingegen nicht. Deren Angebot umfasst denn auch das sogenannte Triple-Play, also Internet-Anschluss, digitales TV und Festnetztelefonie, nicht aber Mobilfunk. Man hat also nichts zu verlieren, ganz im Gegenteil, wenn die Leute mit dem Handy via Festnetz telefonieren.

Mygate baut seine Dienste auf der Infrastruktur des Zürcher Elektrizitätswerks auf, das im Raum Zürich ein Glasfasernetz betreibt. Dessen hohe Bandbreiten, gepaart mit einem High-End-Router von Fritzbox, macht es möglich, dass man zu Hause mit dem Smartphone über die Festnetzleitung telefoniert.

Eine App namens Fritz

Der digitale Mygate-Telefonanschluss umfasst zwei Sprachleitungen, es können also mehrere Nummern respektive Gespräche gleichzeitig darüber laufen. Oder man verwendet eben eine der Leitungen, um ein Smartphone via virtuelles Netzwerk einzubinden.Wie wir uns bei einem Besuch beim Anbieter überzeugen konnten, bedarf dies kaum der Konfiguration. Auf dem iPhone installiert man lediglich eine App namens Fritz, klinkt sich ins eigene WLAN ein und der Router erledigt den Rest, schlägt also die Brücke ins Festnetz. Fortan kann man am iPhone über die eigene Festnetznummer telefonieren. Die App ist ebenfalls für Android-Handys erhältlich und in beiden Fällen kostenlos.

Das Ganze funktioniert sowohl nach aussen als auch für eingehende Anrufe aufs Festnetz, die man ebenfalls bequem am iPhone entgegennehmen kann. Gleichzeitig bleibt man selbstverständlich auch auf dem Mobilfunknetz erreichbar. Das Smartphone kann somit in die Rolle des Dect-Telefons schlüpfen – und macht dieses letztlich überzählig. Viele Leute werden es wohl aber als Zweitapparat im Haushalt behalten.

Lückenhaftes Netz

Dass man nur noch eines statt zwei Geräte braucht, ist indes weder der einzige noch der gewichtigste Vorteil eines solchen Anschlusses. Einerseits lässt sich so in den eigenen vier Wänden die günstigere Leitung bequem am Handy nutzen. Nicht zuletzt hat man damit aber auch stets den besseren Empfang als auf dem Mobilfunknetz, dessen Abdeckung bei allen Anbietern auch in grösseren Ballungszentren leider auch 2011 nicht immer lückenlos ist.

Bisher bietet Mygate als einziger Provider eine solche Lösung an (ab 55 Franken monatlich für Internet plus Telefon, ohne TV). Da dieser Service auf dem Glasfasernetz des EWZ aufbaut, ist ein Anschluss daran zwingende Voraussetzung.Zwar baut das EWZ seine Infrastruktur derzeit aus, doch die Mehrheit der Bevölkerung kommt noch nicht in den Genuss eines Glasfaseranschlusses, der ausserdem auch höhere Internet-Bandbreiten und bestmögliches HDTV umfasst. Bis Ende Jahr sollen 30'000 Wohneinheiten in Zürich angeschlossen sein, in der ganzen Schweiz werden es dann rund 100'000 sein. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 26.06.2011, 19:29 Uhr)

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