Nokia-Schwergewicht im Test

Schwer und wuchtig – das Lumia 920 stellt sich trotzig gegen den Trend der Leichtgewicht-Smartphones. Wir haben das Windows-Phone-8-Flaggschiff der Finnen unter die Lupe genommen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Finnen stehen seit dem Smartphone-Boom gehörig unter Druck. Die Partnerschaft mit Microsoft soll den Handykonzern im lukrativen Business mit den Touchscreentelefonen wieder auf die Erfolgsspur bringen. Als neues Flaggschiff gilt das Lumia 920, das mit Windows Phone 8 ausgestattet ist und Ende November in der Schweiz erscheint. Das Betriebssystem haben wir bereits auf dem Konkurrenz-Smartphone von HTC ausführlich vorgestellt.

Im wahrsten Sinne eine Wucht

Nokia (NOK 8.24 0.61%) drängt mit dem Lumia 920 im wahrsten Sinne des Wortes mit Wucht in den Smartphone-Markt. Das Finnen-Handy ist mit 185 Gramm kein Leichtgewicht und mit 10,7 Millimetern auch nicht sehr schlank. Das könnte bei längerem Einsatz zum Problem werden. Im Vergleich dazu wirkt das bereits von uns getestete HTC 8X mit seinen 130 Gramm geradezu filigran (iPhone 5: 112 Gramm).

Theverge.com beschrieb das neue Lumia bereits als «Panzer» – was nicht negativ verstanden werden muss. Denn das Smarpthone mit Unibody-Gehäuse aus Kunststoff und abgerundeten Seiten liegt gut in der Hand, ist solide verarbeitet und wirkt robust. Wohl deshalb und wegen der zünftigen Dimensionen nennt es Engadget.com einen «Monstertruck».

Überzeugender Bildschirm

Das Design des 920, das in Schwarz, aber auch in verschiedenen Farben erhältlich ist, ähnelt dem 800er-Modell. Mit 4,5 Zoll ist der Bildschirm des Lumia 920 grosszügig bemessen, er kommt dem Kachel-Design von Windows Phone 8 sogar noch entgegen. Der Touchscreen mit Puremotion HD+ ist hell, aber weniger grell als beispielsweise beim 900er-Modell. Die Schwarzwerte sind gut, die Farben wirken natürlicher. Text ist sehr gut lesbar.

Den Bildschirm kann man sogar mit dicken Handschuhen bedienen. Das klappt bei einem Anruf oder einer kurzen SMS gut, doch bei längerem Arbeiten wird es mühsam. Im Test hat der Bildschirm nicht mehr oder weniger gespiegelt als bei anderen Smartphones.

Wie bei den Vorgängermodellen befindet sich der Einschalt-Button fast in der Mitte der rechten Seite. Das ist Geschmackssache. Weiter findet man den Lautstärkeregler sowie den Anschluss für USB und Headset oder Kopfhörer. Auch eine Auslösertaste befindet sich am Gehäuse. Praktisch: Hält man den Button lange gedrückt, landet man trotz Sperrbildschirm direkt in der Kamerafunktion.

Diese Features heben das 920 von der Konkurrenz ab

Während das Lumia 920 alle Funktionen von Windows Phone 8 an Bord hat, hat Nokia einige zusätzliche Angebote reingepackt, die das Smartphone von der Konkurrenz abheben sollen. So bietet man neben den Nokia Maps mit verschiedenen Ansichten auch ein ausgereiftes Navigationssystem.

Beide Kartendienste sind überzeugend: Man hat sogar die Möglichkeit, Karten offline herunterzuladen. Im Fall der Schweiz kann man leider nur die gesamte Karte herunterladen. Bei Deutschland kann der Nutzer immerhin zwischen Bundesländern wählen.

Live sehen, wo man in der Umgebung einkaufen kann

Ein Highlight ist der City Compass, eine Augmented-Reality-Funktion: Hält man das Smartphone quer, sieht man durch das Display die Umgebung. Die App zeigt dann live auf Basis der aktuellen GPS-Position die nächsten Shoppingmöglichkeiten, Hotels oder Sehenswürdigkeiten an. Tippt man auf ein Symbol, erhält man weiterführende Angaben zum Ort und kann auch gleich die Wegbeschreibung aktivieren. Bei Auslandtrips sollte der Nutzer die Roamingkosten im Auge behalten.

Weiter ist das Smartphone drahtlos aufladbar – zum Beispiel mit einem speziellen Kissen, das man auf das Smartphone legt. Möglich macht dies der Qi-Standard des Wireless Power Consortiums. Mit Nokia Musik ist schliesslich ein eigener Musikdienst an Bord, der kostenlos Mixe streamt. Es steht sogar ein zweiter Dienst zur Verfügung: Auf Windows Phone 8 ist Xbox Music von Microsoft als Bestandteil von WP8 integriert – der Nutzer hat demnach die Wahl zwischen zwei Angeboten.

Und die Kamera?

Zu den Highlights zählt sicher die 8,1-Megapixel-Kamera mit der sogenannten Pureview-Technologie und Optik von Carl Zeiss. Ein Bildstabilisator ermöglicht bei schlechten Lichtverhältnissen längere Verschlusszeiten, und dank kleiner Federn werden Wackler beim Fotografieren und Filmen korrigiert. Die Kamera bietet eine Blende von f/2.0 sowie eine Brennweite von 26 Millimetern und kann laut Nokia bis zu zehnmal mehr Licht einfangen als andere Handykameras. Bilder kann man mit einem Editor nachträglich noch verbessern.

Fazit

Schwer und wuchtig – das Lumia 920 stellt sich trotzig gegen den Trend der Leichtgewicht-Smartphones. Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, hängt von den Vorlieben des Nutzers ab. Wer grössere Displays mag, wird sicher auf seine Kosten kommen. Schwer und wuchtig heisst beim 920er aber auch, dass man ein Smartphone in den Händen hält, das ein solide verarbeitetes Unibody-Gehäuse aufweist. Das hat definitiv überzeugt. Mit 32 GB (nicht erweiterbar) liefert man auch eine ordentliche Speicherbasis für Musik und Filme.

Ein Highlight ist die Kamera. Gerade bei schlechteren Lichtverhältnissen holt man mit dem Lumia 920 noch ein Quäntchen mehr heraus. Die Kartenfunktionen – Maps sind traditionell eine Stärke von Nokia und kommen auch in Autos zum Einsatz – sowie der City Compass sind ebenfalls gelungen. Ob dies alles zum Erfolg reichen wird, wird sich zeigen.

Mit Windows Phone 8 erhält man schliesslich eine interessante Alternative zu iOS und Android. Der Nachteil: Das Store-Angebot mit 120'000 Apps hinkt der Konkurrenz hinterher. Auf die 50 wichtigsten Miniprogramme wie Facebook, die Angry-Birds-Serie (inklusive der neusten Star-Wars-Ableger), Evernote oder Shazam muss man jedoch nicht verzichten.

Das Lumia 920 ist ab Ende November vorerst exklusiv bei der Swisscom erhältlich, aber auch Webshops wie Digitec.ch listen das Smartphone (699 Franken). (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 15.11.2012, 15:42 Uhr)

Artikel zum Thema

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Windows 8

Das Betriebssystem von Microsoft wandelt sich vom System für klassische PCs zur universalen Software für Geräte von gross bis klein. Eine Entscheidungshilfe. Mehr...

Das erste Windows-8-Smartphone im Test

HTC hat in der Schweiz als erster Hersteller ein Smartphone mit Microsofts mobilem Betriebssystem lanciert. Wir haben das Flaggschiff namens Windows Phone 8X getestet – und auch das neue System unter die Lupe genommen. Mehr...

Das kann Windows Phone 8

Nokia und Microsoft haben in Zürich die neuen Lumia-Smartphones mit Windows Phone 8 vorgestellt. Wir zeigen, was das Betriebssystem zu bieten hat. Mehr...

Technische Daten

Bildschirm: 4,5 Zoll Pureview HD+ mit 1280 x 768 Pixeln
Masse: 130,3 x 70,8 x 10,7 mm
Gewicht: 185 Gramm
Prozessor: 2 x 1,5 GHz
Speicher: 32 Gigabyte (nicht erweiterbar)
Kamera: 8,7 Megapixel, Videos mit 1080p
Frontkamera: 1280 x 960 Pixel

Das Lumia 920 bietet sowohl NFC als auch LTE

Bildstrecke

Das Windows Phone 8X von HTC im Test

Das Windows Phone 8X von HTC im Test HTC hat in der Schweiz als erster Hersteller ein Smartphone mit Microsofts mobilem Betriebssystem lanciert.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

[Alt-Text]

Vergleichsdienst

Finden Sie mit unserem unabhängigen Abovergleich das optimale Handyabo.
Jetzt vergleichen.

Weiterbildung

Der richtige Flow

Man kann sich nicht konzentrieren und Lust hat man auch nicht. Was tun?

Vergleichsdienst

Abopreise vergleichen

Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.

Die Welt in Bildern

Falsches Pulver: Nach dem Tod dreier britischer Touristen, warnen die Gesundheitsbehörden in Amsterdam vor 'extrem gefährlichem Kokain'. Statt Kokain wurde den jungen Männern Heroin verkauft (27. November 2014).
(Bild: Peter Dejong) Mehr...