Operation am offenen iPhone
Von Angela Barandun. Aktualisiert am 22.02.2010
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Es ist schon tausend Mal gefallen – und nie ist etwas passiert. Bis ich dann eben doch die Scherben des ansonsten funktionstüchtigen iPhone 3G in der Hand hielt. Als Erstes ging mir durch den Kopf: Was tu ich bloss? Neues iPhone? Zu teuer. Ein Garantiefall? Wohl eher nicht. Reparieren? Geht das überhaupt?
Und dann spendete mir das Internet Trost. Zu «iPhone Glas ersetzen» gibt es Tausende von Einträgen: Erfahrungsberichte, Reperaturdienste, Anleitungen. Auf einen Schlag waren mir zwei Dinge klar: Ich bin nicht allein. Und: Es gibt eine Lösung. Danach verlagerten sich meine Probleme auf die monetäre Ebene: Was wird mich das kosten?
Die Optionen: Fast alle teuer
Apple verlangt für die Reparatur 260 Franken. Wenn das Ersatzteil an Lager ist, dauert der Tausch bloss eine Stunde. Und die Garantie bleibt intakt. Beim Tüftler kostet der Tausch 170 Franken – plus 20 Franken extra, wenns schnell gehen soll. Deutlich günstiger wirds erst mit der dritten Variante: selbst Hand anlegen. Den Original-Touchscreen gibt es im Online-Shop ab 70 Franken. Die Luxusversion mit Montagerahmen, an dem Lautsprecher und Home-Button vormontiert sind, kostet 100 Franken – inklusive Werkzeug.
Die günstige Variante tönt nach viel Arbeit: Kaputtes Glas aus dem Montagerahmen auslösen, mit dem Föhn, aber Achtung!, wenns zu heiss wird, verzieht sich der Rahmen. Ich entschied mich für die teurere Variante.
Die Reparatur: Es ist winzig
Am Sonntag war das Unglück passiert, am Mittwoch gab ich die Bestellung auf und am Freitagabend sitze ich mit Kamera und männlicher Unterstützung am Küchentisch. Im Couvert vom Onlinehändler stecken das neue Display und allerlei Werkzeug (von dem man nur den Schraubenzieher und den Saugnapf wirklich braucht), aber keine Gebrauchsanweisung. Die kommt aus dem Internet, von Youtube.
Es geht los. Zuerst lösen wir die Schrauben links und rechts neben dem Stromanschluss. Dann drücken wir den Saugnapf aufs Display und versuchen es abzuheben. Was nicht geht. Also Saugnapf nahe beim Home-Button montieren und schräg ziehen. Das klappt.
Tadaa! Das iPhone ist geknackt. Das Display ist mit dem Rest über drei Anschlüsse verbunden. Die ersten beiden sind gesteckt und lösen sich fast von alleine. Der dritte ist irgendwie reingeschoben und fixiert. Das Video sagt, wir müssen eine weisse Lasche anheben und den Stecker dann rausziehen. Das Ding ist winzig. Winzig!
Vorsicht ist geboten
Jetzt liegt das Display flach vor uns. Wir müssen bloss noch den LCD-Bildschirm vom Touchscreen abmontieren. Einige Schrauben sind unter Klebeband versteckt. Dann folgt der gefährlichste Teil der Operation: Wir müssen den LCD vorsichtig abheben, ohne dass er kaputtgeht oder dreckig wird, und auf den neuen Touchscreen schrauben. Klappt erstaunlich problemlos.
Oh Gott, jetzt sind wir zurück bei den Anschlüssen, in umgekehrter Reihenfolge. Dieses Mal sind die Gesteckten am schwierigsten, man will ja nichts kaputtmachen. Viel Gefühl. Dann klappen wir das iPhone wieder zusammen und bringen die letzten Schrauben an. Die Spannung steigt...
Das Resultat: Es lebt!
Ich schalte ein... und das Äpfelchen erscheint! Juppie! Es lebt! Ich küsse die männliche Unterstützung – was sich als Fehler herausstellt. Als der Einschalt-Balken erscheint, lässt er sich partout nicht bewegen. Der Touchscreen funktioniert nicht. Woran liegts? Wieder aufschrauben, Saugnapf aufklappen, Stecker kontrollieren. Vielleicht jetzt? Alles wieder zu, iPhone an – und dieses Mal klappt es. Freudentaumel.
Mein Baby ist wie neu. Fast. Das Display steht auf der einen Seite etwas heraus. Aber ausser mir fällt das niemandem auf. Die Reparatur war einfacher, als ich gedacht habe, aber es braucht eine ruhige Hand und etwas Geduld. Die Garantie ist danach jedoch futsch. Nachmachen auf eigene Gefahr.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.02.2010, 06:43 Uhr
































































