Warum Akkus so schnell schlappmachen

Hochauflösende Displays, Games, Surfen und Push-Dienste: Smartphones sind vollgepackt mit leistungshungrigen Funktionen. Doch die Akku-Technik kann mit der rasanten Entwicklung immer weniger Schritt halten.

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Kaum ein Smartphone hält bei intensiver Nutzung länger als einen Tag durch. Das allabendliche Aufladen ist zum Ritual geworden - die neue Generation der Mobiltelefone sind kleine Computer mit entsprechendem Energiebedarf. Als die grössten Akku-Fresser gelten Push-Dienste, das Surfen übers Mobilfunknetz, GPS-Einsatz und der hochauflösende Bildschirm. Hinzu kommen auch immer leistungsfähigere Prozessoren. Und dann sind da auch noch die Gratis-Games: Wie der «News Scientist» jüngst berichtete, gehören auch sie zu den grossen Energiesündern - die automatisch eingespielte Werbung knabbert kräftig am Akku (siehe Infobox).

Akku-Technik hinkt hinterher

Während die vielen Möglichkeiten des Smartphones Nutzern Freude bereiten, sorgen diese bei den Akku-Herstellern für Kopfzerbrechen. Ihre Batterien halten mit den neuen Funktionen kaum Schritt. Und daran scheint sich so schnell nichts zu ändern. «Mit der heutigen Technik ist nicht mehr drin und es hat sich in den letzten Jahren nichts Grundlegendes getan», sagt Experte Lutz Labs von der Computerzeitschrift «C't» im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Akku-Produzenten würden zwar an komplett neuen Technologien forschen, doch seien diese noch Jahre davon entfernt, Serienreife zu erreichen.

Können so viel wie fünf Geräte zusammen

Die Leistungsfähigkeit der Lithium-Ionen-Akkus, die heute in Smartphones verwendet werden, hat sich in den letzten 15 Jahren sogar verdoppelt, sagt Dr. Kai-Christian Möller. Er leitet die Fraunhofer Projektgruppe Elektrochemische Speicher in Garching bei München und forscht seit 14 Jahren an Akku-Technologien. «Smartphones können heute so viel wie früher fünf Geräte zusammen», sagt Möller. Dann müsse die Batterie auch noch sehr kompakt sein. «Umso beeindruckender ist es, dass der Akku trotz aller Smartphone-Funktionen so lange durchhält», sagt Möller. «Der von vielen erhoffte Super-Akku, der das tägliche Smartphone-Aufladen überflüssig machen könnte, kommt laut Möller vielleicht in 20 Jahren.»

Wuchtigere Smartphones mit XL-Akku

Das Problem wird sich bis zum Super-Akku eher noch verschärfen, prophezeit Labs. So klagten Nutzer bereits beim iPhone 4S über grössere Akkuprobleme als beim Vorgänger. Die Hersteller werden sich deshalb künftig auch mit dem Einbau leistungsstärkerer Akkus behelfen, die allerdings auch grösser sind, ist «C't»-Experte Lutz Labs überzeugt. Nur so könne bei weiteren neuen Features die Akku-Laufzeit erhalten bleiben. «Branchenleader Apple sah sich bereits beim neuen iPad zu diesem Schritt gezwungen - LTE und der hochauflösende Display verbrauchen beim Tablet mehr Energie. Und neben der Tatsache, dass das Gerät leicht dicker und schwerer ist, ist die Laufzeit dennoch kürzer als beim iPad 2. Apple dürfte dieser Kompromiss alles andere als leicht gefallen sein.»

Selber den Akku-Verbrauch im Griff haben

Labs kann sich gut vorstellen, dass Hersteller vermehrt zwei Modell-Varianten anbieten. Huawei habe dies beispielweise bei seinen Ascend-Smartphone bereits getan – das XL-Gerät ist wegen des grösseren Akkus zwar klobiger als die Design-Variante, hält aber länger durch.

Immerhin kann der Nutzer durch entsprechende Einstellungen auf dem Smartphone viel zum Akku-Sparen beitragen (siehe Bildstrecke). So hilft es schon, die Bildschirmhelligkeit runterzufahren oder das Ortungssystem GPS auszuschalten. Auch der Datentransfer via UMTS verbraucht viel Energie. Wer nur telefonisch erreichbar sein will, kann vorübergehend die Datenübertragung auf 2G umschalten, aber auch WLAN deaktivieren. Für Android gibt es die Tasker oder Juice Defender (kostenlos), die mit automatischen Einstellungen dafür sorgen, dass der Akku länger hält.

Wer die Ladekapazität immer zwischen 10 und 90 Prozent hält, erhöht die Akku-Lebensdauer. Übrigens: Um den Akku zu schonen, schalten die Smarpthones bereits ab, wenn er noch nicht ganz leer ist. Diese Sicherheitsreserve ist wichtig für die Lebensdauer. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 02.04.2012, 11:31 Uhr)

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Akku-Sünder Games

Werbefinanzierte Gratis-Games für Smartphones können sich als Akku-Fresser entpuppen, haben Computerwissenschaflter der Purdue Universität im US-Bundesstaat Indiana herausgefunden. Die kostenlosen Programme benötigen vor allem Strom, um Werbung zu laden oder die Position des Nutzers festzustellen. Getestet wurden Apps für die Betriebssysteme Android und Windows Phone.

Apps wie Angry Birds, Free Chees oder sogar das Programm der «New York Times» benötigen nur 10 bis 30 Prozent des Energiebedarfs für die eigentliche Funktion. Angry Birds verbraucht zum Beispiel fast 80 Prozent weniger Strom, wenn die Werbung nicht wäre. 45 Prozent des Bedarfs gehen für die GPS-Ortung drauf.

Welches Smartphone am längsten durchhält

«C't» testet unter anderem, wie lange ein Smartphone Videos abspielen kann. Beim Apple-Smartphone sind dies mehr als 10 Stunden. Gewisse Android-Modelle machen schon nach drei bis vier Stunden schlapp, manche halten bis zu sieben Stunden durch. Einige auch länger, etwa das Pearl-Modell mit zwölf Stunden. Das ist aber nicht typisch. Die Tests sind allerdings nicht praxisgerecht und nur schwer auf den Alltag zu übertragen. Trotzdem vermitteln sie ein ungefähres Bild, welche Smartphones mehr Ausdauer haben.

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