Warum Apple nicht mehr Nummer 1 ist

Samsung hat Apple als grösster Smartphone-Hersteller abgelöst, macht aber pro Gerät weniger Gewinn. Darum bleibt der iPhone-Hersteller der wertvollste Technologiekonzern der Welt.

Hat im dritten Quartal 40 verschiedene Smartphone-Modelle verkauft: Südkoreanischer Elektronikriese Samsung.

Hat im dritten Quartal 40 verschiedene Smartphone-Modelle verkauft: Südkoreanischer Elektronikriese Samsung. Bild: AFP

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Die letzten Quartalszahlen haben es offenbart: Apple ist nicht mehr der weltgrösste Hersteller von Smartphones, sondern musste den Spitzenplatz den Südkoreanern von Samsung Electronics überlassen (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). Was zunächst wie eine kleine Revolution aussieht, hat bei näherem Hinsehen mehr mit der grösseren Vielfalt bei Samsung und dem Timing des Verkaufsstarts für das neue iPhone bei Apple zu tun.

Apple verkaufte im abgelaufenen dritten Quartal 17,1 Millionen iPhones, drei Millionen weniger als erwartet. Samsung brachte es Analystenschätzungen zufolge hingegen auf mehr als 27 Millionen verkaufte Geräte.

Was ist passiert? Das neue iPhone 4S kam nicht mehr im vergangenen Quartal heraus, beeinflusste es aber negativ. Denn wer Interesse an einem Gerät von Apple hatte, wartete mit dem Kauf. Dass sich da etwas aufgestaut hatte, zeigte sich beim Verkaufsstart am 14. Oktober: Am ersten Wochenende wurden mehr als vier Millionen iPhones abgesetzt. Auswirken wird sich das im laufenden Quartal, in das auch das für alle Unternehmen wichtige Weihnachtsgeschäft fällt.

Ein richtig gutes Quartal

«Die Leute haben gewartet», sagt Analyst Francis Sideco von der Marktforschungsfirma IHS. «Wir sehen darin kein Signal, dass Apple den Schwung verloren hat. Das ist normal bei denen. Aber, während sie ihr normales Ding gemacht haben, hatte Samsung ein richtig gutes Quartal.»

Für das gute Ergebnis bei Samsung war der starke Verkauf der Smartphones der Galaxy-Reihe mitverantwortlich. Das sollte aber nicht zu dem Schluss führen, dass das Samsung Galaxy das iPhone von Apple geschlagen habe, sagte Sideco. «Was es (das iPhone) geschlagen hat, war die Produktlinie von Samsung.» Denn neben der Galaxy-Reihe gibt es unter anderem auch noch die Serien Conquer, Replenish, Focus und Indulge. IHS schätzt, dass Samsung im dritten Quartal rund 40 verschiedene Smartphone-Modelle verkauft hat. Apple hatte nur zwei, das iPhone 4 und das 3GS.

Samsung selbst nennt keine Zahlen zu den verkauften Geräten. IHS schätzt, dass es 27,3 Millionen Smartphones waren. Der Analyst Jae Lee von Daiwa Securities geht von rund 28 Millionen aus. Man sollte aber nicht versuchen, allzu viel aus diesen Zahlen herauszulesen, raten die Analysten, auch wenn dies angesichts der grossen Rivalität zwischen beiden Unternehmen nahe liegend scheine.

Denn auch wenn Samsung mehr Geräte verkauft habe, so verdiene Apple doch mehr an jedem einzelnen. Deshalb sei Apple jetzt auch der wertvollste Technologiekonzern der Welt mit einem Marktwert, der dreimal so hoch ist wie der von Samsung. Apple hat nur High-End-Smartphones im Angebot, Samsung alles, von billig bis teuer. Beides seien gute Strategien, sagt Sideco. Gut, aber verschieden.

Nokia weiter weltgrösster Handy-Hersteller

Im Niedrigpreissegment ist Apple bislang nicht aktiv. Wenn sie einen grösseren Markt abdecken wollten, müssten sie auch Low-End-Geräte anbieten, sagt Gartner-Analystin Carolina Milanesi. Das könnte schon bald der Fall sein. So wurden schon die Preise für das «alte» iPhone 4 deutlich gesenkt, das 3GS gibt es bei einem Zweijahresvertrag inzwischen kostenlos. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Apple versucht, den Niedrigpreisbereich zu testen.

Vergessen sollte man auch nicht, dass insgesamt auf dem Handymarkt weder Apple noch Samsung an der Spitze sind. Weltgrösster Handyhersteller ist weiter der finnische Nokia-Konzern, auch wenn der bei den Smartphones hinter der Konkurrenz zurückgefallen ist. Aber auch Nokia verkaufte im letzten Quartal 16,8 Millionen Smartphones und damit laut IHS nur etwas weniger als Apple. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.11.2011, 08:26 Uhr

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