Was nach iPhone und Galaxy kommt

Apples iPhone erkennt Wörter, das neue Samsung Galaxy Gesten. Was kommt als nächstes? Gedanken lesen? Was Smartphones in zwei Jahren können.

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Der schnelle Mobilfunkstandard und 3G-Nachfolger LTE kommt – aber wann flächendeckend? Smartphone-Displays werden grösser – aber ab wann wird die Grösse zum Problem? Siri (iPhone) und S-Voice (Samsung (SMSD 371.15 -1.93%) Galaxy S III) funktionieren ansprechend, aber wird aus diesen netten Features je ein valabler Tastaturersatz? Die Zukunft des Smartphones – von Tagesanzeiger.ch/Newsnet befragte Experten erklären, was man in zwei Jahren von Multimedia-Mobiles erwarten kann.

Bei 5 Zoll dürfte Schluss sein

Das meistverkaufte Smartphone der Schweiz, das iPhone, verfügt über einen 3,5 Zoll grosses Display. Samsung bietet da einiges mehr: Der Kassenschlager Galaxy S II hat ein 4,3-Zoll-, der Ende Mai erhältliche Nachfolger S III ein 4,8-Zoll-Display. Übertroffen werden sie nur vom Samsung Galaxy Note. Das Gerät mit der 5,3-Zoll-Diagonalen kann allerdings ebenso gut als Mini-Tablet mit Telefonfunktion durchgehen.

«Grösser werden die Bildschirme wahrscheinlich nicht mehr», sagt Roger Nauer, Projektleiter internationaler Telekommunikationsprojekte und Geschäftsführer des Schweizer KMU Arendi. Der Grund: «Irgendwann sind grössere Smartphones nicht mehr portabel». Der in Taiwan arbeitende Technologieberater und Blogger Sascha Pallenberg von Netbooknews.com sieht das genauso: «Den Hauptanteil der verkauften Smartphones machen Displaygrössen zwischen 4 und 5 Zoll aus. Dies wird sich auch innerhalb der nächsten 2 Jahre nicht ändern.»

Laut «Connect»-Chefredaktor Dirk Waasen wird vermutlich Apple (AAPL 103.3 0.78%) im Herbst den Standard setzen, 4,8 Zoll hält er aber für einen «sehr guten Kompromiss aus Smartphone und Tablet». Sein Arbeitskollege Michael Peuckert, zuständig für Tests und Technik, pflichtet ihm bei: «Der Erfolg des Galaxy Note zeigt, dass eine Displaydiagonale von 5 Zoll breit akzeptiert ist.»

Wie ein «richtiger» Computer

Man fährt mit der Handykamera über ein Objekt und das Display liefert Infos wie die Namen von historischen Gebäuden oder Bergen. Augmented Reality (AR) kann dank Apps wie Swisspeaks, Golfscape GPS Rangefinder oder Star Chart bereits jetzt genutzt werden. Doch das ist erst der Anfang. «AR wird weiter verbessert und genutzt», prognostiziert Ingenieur Nauer, «im Blickfeld könnten zum Beispiel die Namen von Personen eingeblendet werden».

Dirk Waasen rechnet damit, dass bis in zwei Jahren Smartphones die Rechenleistung heutiger Notebooks erreichen und damit die entsprechenden Anwendungen erlauben. Waasen: «Das Smartphone in der Dockingstation könnte manche Desktop-Lösung angreifen.»

Ebenfalls in den nächsten Jahren realisiert werden können laut Roger Nauer das sogenannte taktile Feedback beim Drücken des Touchscreens (das Gerät reagiert mit Vibration auf die Eingabe) und längere Akkulaufzeiten – bis zu zwei Wochen könnte ein Smartphone künftig ohne Laden durchhalten. Er geht davon aus, dass das Mobile eine noch dominantere Rolle im Alltag einnehmen wird, konkret etwa indem es das bargeldlose Zahlen noch populärer macht (NFC-Technologie) sowie den Gesundheitszustand des Nutzers überwachen kann.

Mit dem Beamer wird das Mobile zum TV-Ersatz

Grundlegende Veränderungen erfahren bis in zwei Jahren den befragten Experten zufolge nicht nur Rechenleistung, Sprachsteuerung und Augmented Reality, sondern auch Clouddienste und Visualisierungstechniken, etwa in Form eingebauter LED-Beamer oder ausziehbarer Oled-Bildschirme. «Eingebaute Projektoren werden besonders in den Emerging Markets sehr populär, denn das Smartphone kann so den den Fernseher ersetzen», sagt etwa Sascha Pallenberg.

Nicht in den nächsten zwei, aber bis in fünf Jahren dürften Smartphones eine «immense Audio-Entwicklung» erfahren, so Pallenberg. Smartphones mit acht oder mehr Lautsprechern befänden sich bereits in den Entwicklungslabors der Hersteller. Roger Nauer gibt sich ähnlich euphorisch: «Die Technik wird so ausgereift sein, dass das Display zum Lautsprecher mutiert.»

Deutlich verbesserte Übermittlungsqualität

Natürlich wird auch die Übermittlungsqualität (für Sprache, Bilder und Videos) ständig verbessert. Roger Nauer vermutet, dass das Smartphone selbst zum Sender (zu einer Mikrozelle) werden könnte. Eine Entwicklung, die sowohl den Datendurchsatz als auch die Reichweite der Handynetze verbessere.

Sowohl der Schweizer Experte Nauer als auch die deutschen Techautoren Peuckert und Waasen glauben, dass sich der 3G-/UMTS-Nachfolger LTE bis 2014 durchgesetzt haben wird.

China macht Druck

Und wer wird diese Geräte herstellen? Hier äussern sich die Befragten zurückhaltend. «Der Markt ist sehr volatil, in zwei Jahren kann viel passieren», meint etwa «Connect»-Mann Dirk Waasen. Darum ist er auch nicht sicher, ob die totale Dominanz des Duopols Apple/Samsung anhalten wird: «Nokia (NOK 8.32 -0.60%) respektive die aus der Partnerschaft mit Microsoft (MSFT 44.88 -1.21%) hervorgegangenen Windows-Phones als auch den Blackberry-Hersteller RIM würde ich nicht voreilig abschreiben.»

Den Smartphonemarkt ergänzen werden bald wohl auch Produzenten aus China. «Hersteller wie Huawei oder ZTE werden die westlichen Märkte mit solide verarbeiteten Smartphones im Bereich bis unter 100 Euro überschwemmen», prophezeit Sascha Pallenberg.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 08.05.2012, 12:53 Uhr)

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Noch eine ferne Zukunftsvision: So dominant könnte das Smartphone werden.
Quelle: Youtube

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