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Wie Swisscom und Co. Schweizer im Ausland abzocken

Von Reto Knobel. Aktualisiert am 14.06.2011 103 Kommentare

Ab 1. Juli wird es für EU-Bürger, die im Ausland surfen, SMS verschicken oder telefonieren, viel billiger. Die Tarife der Schweizer Mobilfunkprovider hingegen sind immer noch viel zu hoch, wie eine neue Studie zeigt.

Ihr könnte das Lachen noch vorgehen: Telefonieren aus dem Ausland ist teuer. Im Gegensatz zu EU-Bürgern zahlen Kunden von Swisscom, Sunrise und Orange auch nach dem 1. Juli überrissene Preise.

Ihr könnte das Lachen noch vorgehen: Telefonieren aus dem Ausland ist teuer. Im Gegensatz zu EU-Bürgern zahlen Kunden von Swisscom, Sunrise und Orange auch nach dem 1. Juli überrissene Preise.

Die Spartipps von Comparis


  • Handy in den Ferien ausschalten – im Ausland kosten auch eingehende Anrufe.

  • SMS schreiben statt telefonieren.

  • Öffentliche Telefone benutzen.

  • Combox ausschalten – auf die Sprachmailbox umgeleitete Anrufe kosten dreimal: Ein erstes Mal für die Verbindung über das fremde Telefonnetz, ein zweites Mal für die Umleitung auf die Combox und ein drittes Mal fürs Abhören der Mailbox im Ausland.

  • Sich aus der Schweiz im Hotelzimmer anrufen lassen.

  • Ausländische Prepaid-Karte kaufen (lohnt sich für Vielnutzer).

  • Mit Optionen günstiger aus dem Ausland telefonieren.

  • Nicht mit dem Handy surfen und wenn doch, dann nur mit Option (Orange, Sunrise) oder über WLAN.


    (SDA)

Ratschläge der Provider

Swisscom, Orange und Sunrise empfehlen bei Auslandreisen folgende Massnahmen:

Olaf Schulze, Swisscom – «Wer im Ausland auf Internet am Handy verzichten will, sollte das Roaming in den Einstellungen seines Smartphones bereits zu Hause deaktivieren. Wir empfehlen für die Combox, also den automatischen Telefonbeantworter, die direkte Umleitung zu aktivieren. Wenn man alle Nummern im Handy-Telefonbuch mit führenden 41 speichert, vermeidet man falsche Verbindungen im Ausland. Und so simpel es klingt: Ladegerät fürs Handy nicht vergessen.»

Therese Wenger, Orange – «Wir empfehlen Sparoptionen für alle, die ihr Handy im Ausland nutzen wollen. Damit ist im Ausland das Nutzen von E-Mail, Websites, Facebook & Co. zu günstigeren Tarifen möglich. Zur Kostenkontrolle empfehlen wir einfache Dienste wie die Tastenkombination '123', den Zugriff auf das Kundenkonto via Internet oder App oder den Datenzähler auf dem Smartphone. Wichtig ist auch, das Handy wie die Kreditkarte zu behandeln und so aufzubewahren, dass Taschendiebe kein einfaches Spiel haben.»

Sevgi Gezici, Sunrise – «Wir empfehlen unseren Kunden die Sparoption Sunrise global zu aktivieren, um von günstigeren Tarifen für Telefonie, SMS und Daten zu profitieren. Ebenso ist es ratsam, die automatische Weiterleitung aller Anrufe an die Mailbox zu deaktivieren ('145') und auch das automatische Datenroaming insbesondere bei Smartphones auszuschalten, damit nicht unbemerkt hohe Datenkosten entstehen. Last but not least: Das Ladegerät und je nach Reiseziel den passenden Stecker-Adapter nicht vergessen!»

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EU-Bürger, die ihr Handy im Ausland nutzen, können aufatmen. Die EU-Kommission senkt ab dem Stichtag 1. Juli die Maximaltarife für Telefonie und Datentransfer: Ein Bürger der Europäischen Union bezahlt für ein Gespräch in sein Heimatland noch maximal 49 Rappen pro Minute, ein entgegengenommener Anruf kostet höchstens 15 Rappen, genau gleich viel wie ein SMS.

Der Schweizer Telekommunikationsexperte Ralf Beyeler vom Internet-Vergleichsdienst Comparis.ch begrüsst diesen Schritt: «Diese Lösung ist sicher besser und fairer als die heutigen Konditionen.» Schweizerinnen und Schweizer jedoch hätten weiterhin das Nachsehen. Die sogenannten Roaming-Tarife der Schweizer Mobilfunkanbieter sind immer noch übermässig hoch, wie eine neue Comparis-Untersuchung belegt.

«Die Politik», kritisiert Beyeler, «hat sich bisher dagegen entschieden, hier etwas zu unternehmen.» Comparis.ch schreibt von einem «bewegungslosen Markt», Swisscom, (SCMN 352 0.09%) Sunrise und Orange hätten es sich «bequem eingerichtet».

Faire Flatrate

Ein Vergleich über die Grenzen zeigt, dass es durchaus konsumentenfreundlicher geht:

  • «In Italien offeriert Vodafone seinen Kunden auf Auslandsreisen einen Tagestarif von 2 Euro für die Übertragung von 50 MB Daten. Bei der Swisscom kosten 10 MB mehr als das Doppelte, nämlich 7 Franken pro Tag, die monatliche Grundgebühr von 9 Franken ist dabei nicht eingerechnet.»
  • Beim deutschen Provider E-Plus erhält man ein Wochenpaket von 50 MB für 5 Euro. Die Deutsche Telekom biete sogar eine echte Flatrate: Für knapp 15 Euro pro Woche könnten sich Auslandsreisende mit ihrem Smartphone unbeschränkt im Datennetz tummeln. «Niemand kann beim mobilen Surfen den Datenverbrauch korrekt einschätzen. Deshalb ist die Flatrate ein kundenfreundliches und faires Angebot. Es sollte auch bei uns Schule machen», sagt Beyeler.

Teurer als vorher

Auf den ersten Blick verwirrend ist der Fakt, dass im europäischen Vergleich die Roaming-Tarife der Swisscom laut Comparis zu den teuersten gehören, in der Schweiz die Swisscom der günstige Anbieter für die Handynutzung im Ausland sei (unter der Annahme, dass während eines 10-tägigen Auslandaufenthaltes täglich 2 MB Daten übertragen und insgesamt ein gutes Dutzend 150-Sekunden-Anrufe in die Schweiz getätigt werden, muss ein Swisscom-Kunde im Standardtarif mit Kosten von gut 100 Franken rechnen. Kunden von Sunrise und Orange müssen mehr bezahlen: Bei Orange kostet dieser Warenkorb doppelt so viel, bei Sunrise über dreimal so viel.)

Neben diesen Standardtarifen gebe es auch Möglichkeiten zu sparen: «Wer es in den Ferien nicht über sich bringt, das Handy ausgeschaltet zu lassen, der sollte vor der Abreise ins Ausland wenigstens den Abschluss einer Option prüfen», empfiehlt Ralf Beyeler. Gegenüber dem Standardtarif lasse sich mit einer Option je nach Anbieter viel Geld sparen.

Wo die Swisscom nicht mehr besser ist

In der Tat relativiert sich der Preisvorsprung der Swisscom im Standardtarif beträchtlich, wenn die Mobilfunk-Nutzung im Ausland preislich mit einer Option «abgefedert» wird. «Bei gleichem Nutzungsverhalten wird dann plötzlich Orange zum Klassenprimus. 10 Tage gelegentliches Surfen und hin und wieder ein Telefon nach Hause kosten bei Orange mit Option ‹nur› noch 71 Franken und bei Sunrise 126 Franken. Swisscom dagegen macht mit Kosten von 104 Franken nicht mehr so eine gute Figur», so Beyeler.

Bei diesem Nutzerverhalten komme es gemäss den Berechnungen von Comparis.ch für Swisscom-Kunden praktisch auf dasselbe heraus, ob sie mit oder ohne Option in die Ferien fahren. «Das geänderte Abrechnungssystem bei Swisscom begünstigt einseitig Vielsurfer, die im Ausland täglich über 3,5 MB Daten übertragen. Alle andern legen gegenüber früher drauf», sagt Beyeler.

Bei Standardtarifen gar keine Verbesserung

Während bei Orange und Sunrise eine Option fast immer günstiger sei als der Standardtarif, komme die Nutzung mit Option bei Swisscom oftmals teurer als mit dem Standardtarif.

Dass sich im Schweizer Mobilfunkmarkt wenig tut, zeigen die Warenkörbe für reine Gesprächskosten und SMS-Versand. Gegenüber der Untersuchung vor Jahresfrist hat Comparis.ch bei den Standardtarifen «überhaupt keine Änderung zum Guten» festgestellt.

In der EU hingegen ist noch lange nicht Schluss mit den Bemühungen, die Preise zu senken. Bis in vier Jahren, so der Plan, soll das Roaming ganz abgeschafft werden. «Zuerst muss der Vorschlag ein paar Hürden schaffen.» Für ihn die beste Lösung wäre es, «wenn man die Mobilfunk-Anbieter zwingen würde, einen kostenbasierenden Tarif für die Netznutzung zu verrechnen». Diese sei in vielen europäischen Ländern bereits für Anrufe auf die Mobilfunknetze (Mobilterminierung) vorgesehen.

«Die ausländischen Anbieter könnten dann zu vernünftigen Preisen die Netze nutzen. In Deutschland betragen die Mobilterminierungsgebühren derzeit rund 3,3 Eurocent pro Minute», weiss der Experte. Bei so niedrigen Einstandspreisen gäbe es keinen Grund, höhere Preise zu verrechnen. «Und den Anbietern müsste man verbieten, dass sie für Roaming-Gespräche innerhalb Europas einen Zuschlag verrechnen dürften.» Eine Abschaffung der Roaming-Gebühren für Schweizerinnen und Schweizer hält Ralf Beyeler für «fraglich»: «Ich befürchte eher, dass die Schweiz die Insel bleibt, in der die Kunden mit überrissenen Preisen abgezockt werden.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.06.2011, 11:46 Uhr

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103 Kommentare

Michael Giger

14.06.2011, 12:00 Uhr
Melden 28 Empfehlung

wundert uns das? Natürlich nicht, denn unsere Politiker legen sich lieber ins Zeug für Hundemaulkörbe. Eine Kaste die sich seit Jahren sperrt die Krankenkassenprämien in den Griff zu bekommen wird natürlich auch nichts gegen zu hohe Roamingkosten unternehmen. Der Mittelstand muss diese verwöhnte Kaste endlich wegpusten. Antworten


Stefan Hasenböhler

14.06.2011, 12:12 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Wie war das früher möglich, ohne Internet, Handy? Ich habe als junger Tourist auf längeren Reisen alle zwei Wochen nach Hause telephoniert (sozusagen als Lebenszeichen) - mehr brauchte es nicht. Dafür gab es Münz, später sogar Karten für die Telephonkabinen. Wer in den Ferien dauern mit zuhause telephoniert, soll doch einfach gar nicht in die Ferien gehen. Antworten



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