Digital

Wie Swisscom und Co. gegen den Internetkollaps kämpfen

Von Anatol Heib. Aktualisiert am 27.10.2011 34 Kommentare

Der Boom mit den Internethandys hat in der Schweiz auch seine Nachteile. Besonders über die Mittagszeit ist das Netz stark ausgelastet – doch das mobile Surfen verlagert sich zunehmend auch in den Abend.

«Über die Mittagszeit ist die Datennutzung am höchsten»: Smartphone-Benutzerin.

«Über die Mittagszeit ist die Datennutzung am höchsten»: Smartphone-Benutzerin.
Bild: Keystone

Internetpreise deutlich höher als in den Nachbarländern

Ein Internetzugang kostet in der Schweiz deutlich mehr als in den Nachbarländern. Zu diesem Schluss kommt Preisüberwacher Stefan Meierhans in einer Analyse, die er nach Beschwerden durchführte. Damit die Preise sinken, fordert er Gesetzesänderungen.

Noch der günstigste Internetzugang (Sunrise) in der Standardkategorie ist in der Schweiz über 80 Prozent teurer als der Durchschnitt vergleichbarer Zugänge in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien, wie der Preisüberwacher am Donnerstag in seinem Newsletter feststellt.

Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis fällt zuungunsten der Schweiz aus: Für die 55 Franken (ohne Mehrwertsteuer), die Swisscom-Kunden für ein Basisangebot bezahlen, surfen Kunden in den Nachbarländern mit den historischen Betreibern zwischen 10- und 50-mal schneller.

Als «frappant» bezeichnet der Preisüberwacher auch die Unterschiede bei der DSL-Technologie, bei der die Swisscom einen Marktanteil von drei Vierteln hält. Die Swisscom verlangt für ihr Angebot 78 Prozent mehr als der Durchschnitt der Nachbarländer. Auch hier zog der Preisüberwacher die Angebote der historischen Betreiber heran.

Trotz der höheren Preise der Swisscom auch im Vergleich zu anderen Anbietern in der Schweiz nehme ihr Marktanteil noch zu, hält der Preisüberwacher weiter fest. Swisscom stellte 2010 bereits 53,5 Prozent der Breitbandzugänge zur Verfügung. Der Anteil der Breitbandzugänge über das Kabelnetz, auf dem Upc Cablecom ihre Angebote bereitstellt, sank dagegen deutlich.

Zur Ankurbelung des Wettbewerbs fordert der Preisüberwacher deshalb Änderungen im Fernmeldegesetz: Indem etwa regulierte Preise anders berechnet werden und die Aufsichtsbehörde mehr Macht erhält, sollen die Preise sinken. (SDA)

Artikel zum Thema

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Am Freitag erscheint in der Schweiz das iPhone 4S, bis Ende Jahr bringen auch Apples Konkurrenten ihre Android-Smartphones in Stellung, Nokia und Microsoft lancieren ihre Windows-Phones im Januar 2012.

Das Geschäft mit den internetfähigen Geräten boomt: Im ersten Halbjahr 2011 verkaufte allein die Swisscom (SCMN 352 0.09%) 629'000 Mobilfunkgeräte, das entspricht einem Plus von 7,5 Prozent. «Rund 60 Prozent davon waren Smartphones», sagt Mediensprecher Olaf Schulz gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Netz immer stärker ausgelastet

Der Smartphone-Boom in der Schweiz ist Segen und Fluch zugleich – vor allem für die Nutzer, die sich beim Surftempo zu Spitzenzeiten in Geduld üben müssen:

  • Bei der Swisscom hat sich das Datenvolumen auf dem Mobilfunknetz innert Jahresfrist verdoppelt.
  • Bei Sunrise, wo der Smartphone-Anteil der verkauften Mobilfunkgeräte sogar 80 Prozent ausmacht, hat sich das Volumen laut Mediensprecher Tobias Kistner versechsfacht.
  • Auch bei Orange spürt man die starke Zunahme des Datenvolumens. «Allein im Jahr 2010 hat sich die Anzahl Kunden, die das mobile Breitband von Orange nutzen, beinahe verdoppelt. Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht abzusehen, so Mediensprecherin Marie-Claude Debons. Orange erziele heute über ein Drittel des Umsatzes mit mobilen Datendiensten. «Das Aufrufen von Webseiten, Social Media, E-Mail, Multimedia, Apps und Musik gehört zu den mit Smartphones am häufigsten genutzten Diensten», so Debons weiter. Das eigene Netz sei für solche Volumen ausgelegt und kann das Datenvolumen bisher gut bewältigen.

Spitzenzeiten am Mittag – und jetzt auch am Abend

Die Swisscom hat festgestellt, dass sich mit den Smartphones auch neue Spitzenzeiten ergeben: Bei der Mobilfunktelefonie liegen diese zwischen sieben und acht Uhr morgens und 17 und 18 Uhr abends. Bei der Datenkommunikation mit dem Handy stelle man am gesamten Tag eine hohe Nutzung fest – insbesondere an den sogenannten Hotspots, also an Orten, an denen viele Menschen zusammenkommen (Bahnhöfe, Einkaufsstrassen, Flughäfen).

«Über die Mittagszeit ist die Datennutzung am höchsten», so Swisscom-Mediensprecher Olaf Schulze. Diese Entwicklung beobachtet man auch bei Sunrise, hinzu komme noch eine Abendspitze ab 19 Uhr: «Interessanterweise ist die Mittagsspitze bereits fast so hoch wie jene der Abendspitze, wobei letztere über mehrere Stunden verteilt ist», sagt Kistner.

Millionen für den Netzausbau

Um die Kapazitäten im Mobilfunknetz zu erhöhen, investiert die Swisscom laut Schulze «jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag». Damit erhöhe man sowohl die zur Verfügung stehende Bandbreite als auch die Abdeckung. In der Schweiz plane man jährlich 250 bis 300 Mobilfunkantennenstandorte oder baue bestehende aus. Der LTE-Ausbau wird für die Swisscom im kommenden Jahr an Bedeutung gewinnen, was mittelfristig auch bei Sunrise der Fall ist so Tobias Kistner: «Es ist davon auszugehen, dass Surfen, Streaming und Messaging inklusive Synchronisationsdiensten sehr stark zunehmen werden.»

Auch Orange baut die Netzkapazitäten aus – über einen Zeitraum von fünf Jahren werden seit 2010 über 700 Millionen Franken investiert, insbesondere in den weiteren Ausbau mit neuen Technologien (HSPA, HSPA+, LTE) sowie in die Modernisierung des GSM-Netzes.

Schreiben Sie uns in einem Kommentar Ihre Erfahrungen: Wie erleben Sie im öffentlichen Raum das Surfen mit dem Smartphone? Nutzen Sie auch Tablets? Welche Tipps haben Sie? Was rufen Sie unterwegs mit dem Gerät am meisten ab? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.10.2011, 12:42 Uhr

34

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

34 Kommentare

Michael Denker

27.10.2011, 12:55 Uhr
Melden 33 Empfehlung

Nirgends kostet mobiles Internet so viel wie in der Schweiz, dafür ist es unglaublich langsam. Die Abzockertarife gehörten gesetzlich verboten. Dass Orange in LTE investiert hat glaubt auch nur Orange selber. In der Schweiz muss man froh sein wenn man HSPDA hat, wobei sogar das gedrosselt wird. Zudem wird versucht für für Smartphone, Tablet, und Notebook mit drei Abos dreifach abzuzocken. Antworten


Barbara Gasser

27.10.2011, 13:54 Uhr
Melden 33 Empfehlung

Aha, jetzt droht also der Kollaps, angeblich. Da haben uns die Anbieter Jahrelang Wucherpreise aufgezwungen, aber das Netz nie so richtig gut ausgebaut. Und jetzt, nachdem sie unsere Milliarden schon haben, möchten sie wohl noch höhere Preise verlangen, weil sie das Netz nun doch ausbauen müssen. Wir sollen also doppelt bezahlen. Wann handelt die ComCom endlich? Antworten



Digital

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.