Wie man mit dem iPhone Geld verdient

Von Roger Zedi. Aktualisiert am 05.10.2009

Adrian Kosmaczewski weiss, wie man mit der Entwicklung von Programmen fürs iPhone profitabel arbeiten kann.

Zeig mir deine Apps, und ich sag dir, wer du bist.

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zur Person

Adrian Kosmaczewski bietet sechs iPhone-Apps an. Darunter eine Walkie-Talkie-App (bluewoki), eine mit Schweizer Notrufnummern (Swiss-Alert) oder eine Notiz-App, die sich den Ort merkt, wo eine Notiz erfasst wurde (Notitas).

Treffen sich zwei iPhone-Besitzer, zeigen sie sich keine Fotos, sondern die Applikationen auf den Telefonen. Sind Apps der neue Inhalt?
So weit würde ich nicht gehen. Aber der Geschmack einer Person kommt sicher in den Apps auf seinem iPhone zum Ausdruck.

Wie viele Apps haben Sie auf Ihrem?
So an die hundert.

Und wie viele brauchen Sie täglich?
Vielleicht ein Viertel davon.

Was ist Ihr momentaner Favorit?
Das sind mehrere. Echofon, eine Twitter-App, oder Byline, ein Google-Reader, und viele mehr.

Sie entwickeln selber iPhone-Programme und unterrichten andere darin. Was macht mehr Spass?
Beides. Selber entwickeln ist kreativer, aber seine Erfahrungen zu teilen, macht ebenfalls sehr viel Spass.

Wie viel Erfahrung muss man mitbringen, wenn man eine Applikation schreiben möchte?
Man sollte schon einmal mit einer Programmiersprache wie C++ gearbeitet haben. Wer bisher JavaScript und Ähnliches benutzt hat, muss noch einiges dazulernen, umdenken.

Könnte das populäre Telefon auch Junge animieren, ins Programmieren einzusteigen?
Es gibt schon junge Talente, die direkt auf dieser Plattform einsteigen und Erfolg haben.

Programmieren ist eine Sache, eine App erfolgreich vermarkten eine andere. Bringt das ein Einmannbetrieb heute beides noch hin?
Ja, immerhin bin ich ja selber ein Einmannbetrieb. Sicher haben Teams von Spezialisten mindestens ebenso gute Chancen auf Erfolg. Ich wünsche mir aber, es gäbe noch viel mehr erfolgreiche Einmannbetriebe, die sind mir sympathischer.

Die meisten Apps sind gratis. Was braucht es, damit die Leute bereit sind zu bezahlen?
Man muss, wie überall, Mehrwert bieten. Etwas, das die Leute wirklich brauchen. Dazu zählen auch Apps, die echten Spass bringen. Ich bin generell kein grosser Fan von Gratis-Apps.

Ihre kosten alle etwas?
Ich verlange für die meisten meiner Apps 1.10 Franken oder mehr.

Ist jene Ihrer Apps, die sich am besten verkauft, auch die, von der Sie das erwartet haben?
Nein, das war eine echte Überraschung. Ich habe viel daraus gelernt.

Welche war es denn?
Das möchte ich nicht sagen. Aber als Tipp für alle: Geht nie mit nur einer App an den Start, bietet immer unterschiedliche Dinge an.

Welche Art von Applikationen sind momentan besonders erfolgversprechend?
Alles, was sich geografisch lokalisieren lässt, ist stark im Trend. Spannend ist «Augmented Reality», das reale Fotos der aktuellen Umgebung mit Informationen aus dem Internet kombiniert. Dieser Trend wird in Spielen und sozialen Netzwerken Einzug halten.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Zulassung zum App-Store?
Bisher gut. Apple hat viel verbessert, seit es voriges Jahr Proteste hagelte.

Ältere Plattformen, etwa Symbian oder Windows Mobile, haben nie derart viel Interesse ausgelöst. Warum?
Meiner Meinung nach hat es Apple als Erster geschafft, alle nötigen Puzzleteile anzubieten. Dazu gehören die gut integrierte Plattform, viele Endkunden, starke Marketing-Kanäle und gute Entwickler-Werkzeuge.

Von Googles Android, einem Open- Source-Projekt, wird ebenfalls viel erwartet. Würden Sie ein Open- Source-iPhone bevorzugen?
Ehrlich gesagt, ich arbeite lieber mit einer stabilen Plattform mit vielen Anwendern, mit der ich mein Einkommen verdienen kann, als politische Diskussionen über Offenheit zu führen. Android ist übrigens nicht ganz so offen, wie Google sagt, es wurden auch schon Entwickler ausgeschlossen.

Wie erklären Sie es sich, dass Apple am Anfang das iPhone allen Ernstes ohne Apps lanciert hat?
Ich denke, die waren intern einfach noch nicht bereit, vieles war wahrscheinlich längst aufgegleist.

Haben Sie keine Angst, dass auf den steilen Aufstieg des iPhones ein rascher Fall folgen könnte?
Nein, gar nicht. Ich sehe jeden Tag noch mehr Anwender.

Mit Adrian Kosmaczewski sprach Roger Zedi

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2009, 07:28 Uhr

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